Ein grosser Umbruch steht den elektronischen Medien in Basel bevor: Gestern berichtete die bz, dass das SRF-Studio in Basel vom Abbau von 102 SRF-Stellen in der Deutschschweiz ebenfalls betroffen sein wird. Die Mitarbeiter in Basel wissen aber noch nicht, wen und wie viele es treffen wird. In einer ähnlichen Situation stecken nun die Angestellten von Telebasel: Auch ihre Zukunft hängt von einer strategischen Neuausrichtung ab. Denn ebenfalls gestern berichtete die «Basler Zeitung», dass Telebasel neu auf «Kurzfutter» setze. Konkret: Statt zwei Stunden wolle der Sender künftig nur noch eine Stunde täglich redaktionell produzierte Sendungen über die Mattscheibe laufen lassen. Im Gegenzug will Telebasel ein eigenes Webportal aus der Taufe heben.

Sender informiert nicht vor 2016

Zu einzelnen Punkten im Bericht der «Basler Zeitung» will sich Telebasel nicht äussern. Der CEO von Telebasel, Dominik Prétôt, bestätigt aber, dass eine Umstrukturierung bevorsteht. «Wir werden zu gegebener Zeit alle Medien über unsere Pläne informieren. Wir reagieren jetzt aber nicht auf einen einzelnen Medienbericht, sondern bestimmen den Zeitpunkt der Information selber. Es soll auch eine Überraschung sein.» Gemäss Insidern kann man davon ausgehen, dass die Umstrukturierungspläne nicht vor der Fasnacht 2016 bekannt gegeben werden.

Zum Bericht der «Basler Zeitung» sagt Prétôt: «Es stehen einige spannende Sachen darin. Zurzeit haben die Medien aber nicht mehr als Gerüchte und halb fertige Geschichten. Wir wissen hingegen genau, was wir wollen.» Gemäss «Basler Zeitung» wurden die Mitarbeitenden von Telebasel letzte Woche über die Pläne der Chefs informiert.

Die Reduktion der tagesaktuellen Sendezeit von zwei auf eine Stunde soll insbesondere durch die Verkürzung der bekanntesten Telebasel-Sendung passieren: Die abendliche Nachrichtensendung «7 vor 7» könnte künftig nur noch einen Hauptbeitrag, wenige News und die Wetteraussichten ausstrahlen. «061 Live» soll ebenfalls auf wenige Minuten gekürzt werden. Die Umstrukturierung kommt nicht von ungefähr: Bereits 2014 verliessen mehr als ein halbes Dutzend gestandene Journalisten den Sender. Zudem wurden ebenso viele Sendungen eingestellt, unter anderem «Behind the scenes», «Kochen im Schloss» oder «Minus Monat».

Von aktiven Telebasel-Insidern, die diese Schritte befürworten, heisst es, dass die Verkürzung der Sendezeit nicht einem Abbau entspreche. Vielmehr handle es sich um eine Straffung und Professionalisierung der News-Strukturen, die schon lange nötig, aber unter Ex-Chefredaktor Willy Surbeck nicht möglich war. Das neue Webportal werde nicht durchs Fernsehen quersubventioniert.

«Niemand stellt Bornhäusser infrage»

Laut «BaZ» ist der starke Mann hinter der neuen Strategie der Deutsche Michael Bornhäusser, der auch schon eine Digitalstrategie für RTL und den Newsroom von «Blick» entwarf. Andere Telebasel-Insider, die die Neuausrichtung nicht goutieren, werfen Bornhäusser vor, dass er die Inhalte des Senders völlig dem Internet unterwerfen wolle. Im Stiftungsrat werde er von niemandem infrage gestellt. Bornhäusser weilt derzeit im Ausland und war gestern nicht erreichbar.

Telebasel beschäftigt laut eigenen Angaben rund 120 Mitarbeitende, die sich zirka 65 Vollzeitstellen teilen. Finanziert wird der Sender auch durch Gebührengelder: Jährlich erhält Telebasel fast 2.6 Millionen Franken aus den Töpfen des Bundes, dazu 1.6 Millionen Franken von UPC Cablecom. Deren Netz gehört der Stiftung Telebasel. Den Beitrag von UPC Cablecom erhält Telebasel noch bis 2027. Dann läuft dieser Vertrag aus.