«Damit wollen wir die Verkehrssicherheit und die Wohnqualität erhöhen», sagte Regierungsrat Hans-Peter Wessels, Vorsteher des Bau- und Verkehrsdepartements, an der gestrigen Medienkonferenz. Der Verkehr soll dort kanalisiert werden, wo er hingehöre. «Nämlich auf den Hauptachsen ausserhalb der Wohnquartiere», sagt Wessels.

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Elf ÖV-Strecken mit Tempo 30

Bei den 50 vorgeschlagenen Tempo 30-Strecken handelt es sich ausschliesslich um siedlungsorientierte Strassen. Erstmals in die Überlegungen miteinbezogen wurden Strecken, die auch vom öffentlichen Verkehr - also Bus oder Tram - genutzt werden. Die Regierung schlägt vor, 28 siedlungsorientierte Strassenabschnitte ohne ÖV sowie je elf Abschnitte mit Bus und Tram zu Tempo 30-Strecken zu machen. Acht weitere Strecken mit Tram sollen laut Ratschlag noch genau geprüft werden.

Bisher hatte man in Basel an der Kompatibilität von ÖV und Tempo 30 gezweifelt. Ein Blick in andere Schweizer Städte, vor allem Bern, hat die Zweifel ausgeräumt. «Bern zeigt, dass ein Nebeneinander von Tempo 30 und ÖV problemlos funktioniert», sagt Wessels.

BVB unterstützen den Ratschlag

Im Ratschlag an den Grossen Rat sind die Abschnitte mit ÖV als Spezialfälle taxiert. Sie müssten einer detaillierten Untersuchung unterzogen werden, sagt Barbara Auer, Projektleiterin Mobilitätsplanung beim Amt für Mobilität. «Wichtig ist die Kompensation eines allfälligen Zeitverlusts», sagt Auer. Diese könne durch eine stärkere Priorisierung von Trams und Bussen an Signalanlagen oder zusätzliche Busspuren gewährleistet werden.

Die Basler Verkehrsbetriebe (BVB) hatten sich bisher gegen Tempo 30 auf ÖV-Strecken gewehrt. Die neue Leitung sehe das Thema allerdings «deutlich entspannter», sagt Wessels. Anna Dobr bestätigt dies auf Anfrage der bz Basel: «Die BVB unterstützen Tempo 30, weil wir für mehr Wohnqualität und Verkehrssicherheit sind.» Zwischen dem Amt für Mobilität und den BVB bestehe eine enge Zusammenarbeit, sagt Dobr. So waren die BVB in die Ausarbeitung der neuen Pläne involviert. «Für genaue Aussagen, welche Strecken betroffen sein werden, ist es aber noch zu früh», sagt Dobr. Im Ratschlag werden unter anderem die Hegenheimerstrasse (Bus) und die Güterstrasse im Gundeldingerquartier (Tram) genannt.

Wechselschilder vor Schulen

Verkehrsorientierte Strassen kämen für eine permanente Einführung von Tempo 30 nur in Ausnahmefällen in Frage, sagt Barbara Auer. Denkbar seien vielmehr sogenannte temporäre Tempo 30-Strecken. Wechselschilder könnten in diesen Zonen zu den entsprechenden Zeiten den Verkehr bremsen. «Zum Beispiel bei Schulen bietet sich eine solche Lösung, bei der die Schulzeiten berücksichtigt werden, an», sagt Auer.