Eigentlich wäre dies die Geschichte von Anwohnern, die unter dem Gäste- und Musiklärm einer Bar leiden. Es wäre die Geschichte von Anwohnern, denen es am liebsten wäre, die Behörden würden der Bar einen Riegel schieben und die grosszügigen Öffnungszeiten massiv verkürzen – oder die Bar ganz dicht machen. Die Ereignisse in dieser Geschichte überstürzen sich, weshalb es im Moment auch eine Geschichte über eine Bar ist, die vorübergehend zu ist, weil sie keinen Wirt mehr hat.

Das Lokal befindet sich an der Feldbergstrasse im Kleinbasel an der Ecke zur Müllheimerstrasse, hiess früher «Sichtbar/Unsichtbar» und machte 2005 wegen eines Mordes Schlagzeilen, der sich davor zugetragen hatte.

In den Jahren nach der Bluttat wurde das Kleinbasler Quartier zum Trendviertel, andere Bars kamen dazu. Es gab Lärmklagen und Schlagzeilen, doch es ging bei diesen Schicksalen nie um diese Bar, sondern meist um die nahen «Hipster-Läden». Diese kamen und gingen, das «Sichtbar/Unsichtbar» blieb, hiess «Terrasamba» oder anders – doch egal, wer dort gerade Chef war: Die Bar raubte den Anwohnern den letzten Nerv.

Unerträglich für die Nachbarn ist es, seit 2011 die Öffnungszeiten verlängert werden konnten – wegen der Lärmempfindlichkeitsstufe in der Zone. Seither darf die Bar bis um acht Uhr morgens offen haben, sollte sich allerdings an gewisse Regeln wie etwa diese halten: «Aktivitäten aussen dürfen nur bis 24 Uhr stattfinden.»

Kürzere Öffnungszeiten geplant

Die Regel wird offensichtlich konsequent ignoriert: «Wir können am Wochenende keine Nacht durchschlafen», klagt ein Anwohner. Er erzählt von «grölenden Betrunkenen» vor der Bar, von lauter Musik, von Kokain auf seinem Briefkasten, von dem er annimmt, es stamme von den Gästen. Und davon, dass er und andere Nachbarn regelmässig die Polizei rufen.

Das für Lärmklagen zuständige Amt für Umwelt und Energie (AUE), wo die Polizeirapporte landen, bestätigt das: Seit 2011 seien zwanzig entsprechende Rapporte eingegangen, allein im laufenden Jahr seien es bereits sechs, bestätigt AUE-Leiter Matthias Nabholz.

Ob dieser Zahlen fragen sich die Anwohner: Warum ändert sich nichts an der Situation? Der jeweilige Betriebsinhaber der Bar sei verwarnt worden, doch der ständige Wirtewechsel erschwere den «Vollzug des Lärmschutzes», sagt Nabholz. Inzwischen sei man aber so weit, dass man nach einer Lösung suche und verkürzte Öffnungszeiten im Raum stünden. Konkret: «Die heutigen Öffnungszeiten werden sicher eingeschränkt.»

Eine Entscheidung dürfte sich jedoch hinauszögern, denn ein anderes zuständiges Amt weiss: «Der Betrieb ist seit Ende Juli geschlossen, weil es keinen Bewilligungsinhaber mehr gibt», sagt Luzia Wigger Stein, Leiterin des Bau- und Gastgewerbeinspektorats.

Eine verzwickte Situation für die Anwohner: Sie geniessen die momentane Ruhe müssen aber damit rechnen, dass diese in absehbarer Zeit vorbei ist. «Wenn die verantwortliche Person ausscheidet und nicht innerhalb von 60 Tagen eine neue Bewilligung erteilt wird, so ist der Betrieb zu schliessen», sagt Luzia Wigger Stein – bestätigt aber gleichzeitig, bereits eine Anfrage eines neuen Wirtes auf dem Tisch zu haben. Erhält dieser eine Bewilligung, geht der Albtraum, für die Anwohner und die in Sysyphus-Manier ausrückende Polizei, weiter, bis das Machtwort des AUE gesprochen ist.

Die Liegenschaft gehört dem Unternehmer Stefan Bissegger, seines Zeichens Richter am Strafgericht und Kassier der Basler SVP – also der Partei, die sich unermüdlich für Nachtruhe und dergleichen starkmacht. Bissegger erklärt gegenüber der bz, er wohne selbst in der Liegenschaft und sei darum mit den Lärmproblemen vertraut. Für ihn stehe «ausser Zweifel, dass der Betrieb so geführt werden muss und werden wird, dass sämtliche geltenden Vorschriften des Gastgewerbegesetzes eingehalten werden.» Die Einschränkung der Öffnungszeiten bezeichnet er als «einvernehmliche Lösung mit dem AUE».