Der Mann hält in blutverschmierten Händen ein Hackbeil und sagt in die Kamera: «Wir schwören beim allmächtigen Allah, wir hören nie auf, euch zu bekämpfen, bis ihr uns in Ruhe lasst.» Das Video, das ein Passant in Woolwich im Südosten Londons mit einem Handy aufgezeichnet hat, ging um die Welt.

Dass zwei Männer am helllichten Tag in London einen Menschen massakrieren, ist schlimm genug. Erschütternd ist, dass sie danach vor Handykameras den Mord begründen. Das macht den Mord zum Terrorakt. Denn Terroristen wollen nicht einfach töten, sie wollen ihre Botschaft verbreiten und Angst verursachen. Dazu spannen sie die Medien ein. Und die machen bereitwillig mit.

Die Bilder aus der Handykamera waren am Donnerstag rasch auf jeder Nachrichtenwebsite zu sehen. Onlinemedien berichteten in grossen Lettern über den Mord. Das Bild der blutigen Hände garantierte den Medien hohe Einschaltquoten. Sie tappten damit bereitwillig in die Falle, welche ihnen die Mörder gestellt hatten.

Immer mehr Medien arbeiten nach dem Prinzip: Sie holen mit grossen Lettern und viel Empörung möglichst viel Aufmerksamkeit ihrer Leser, Zuschauer oder Nutzer. Das Problem dabei: Das Publikum stumpft sehr rasch ab. Was gestern noch einen Menschenauflauf bewirkte, lockt heute schon niemanden mehr hinter dem Ofen hervor. Medien haben deshalb ein Interesse an Niedagewesenem, an Superlativen. Sie bewirtschaften die Schrecklichkeit. Medien sind darum ideale Komplizen von Terroristen und stellen bereitwillig jene Öffentlichkeit her, welche Terroristen brauchen.

Was tun? Hätten wir über den Terroranschlag von Woolwich etwa nicht berichten sollen? Doch, schon. Aber nicht so. Nicht, indem wir den Mördern das Mikrofon hinhalten und ihr Anliegen bereitwillig und ungefiltert verbreiten, in der Hoffnung, dadurch ein paar Klicks mehr zu ergattern, sondern nüchtern, sachlich, distanziert. So, dass wir die Terroristen wie normale, gemeine Mörder behandeln.

Das gilt übrigens nicht nur für den Mord von Woolwich, es gilt auch für andere Taten, die Öffentlichkeit erheischen, zum Beispiel für Krawalle nach Fussballspielen. Medien, welche mit Bildern der Krawalle um Aufmerksamkeit buhlen, machen sich zu Komplizen der Täter. Das Publikum, das sich, wohlig erschauernd, die Gräuelberichte zu Gemüte führt, übrigens auch. Lassen Sie es nicht zu, dass die Terroristen Sie zum Komplizen machen. Klicken Sie nicht aufs nächste Video.