Wollen minderjährige Jugendliche Alkohol oder Tabak konsumieren, können sie dies in beiden Kantonen immer noch relativ einfach tun. In Basel-Stadt und in Baselland wurden Jugendliche im Alter zwischen 13 und 15 Jahren auf die Gasse geschickt – mit dem Auftrag, bei diversen Verkaufsstellen Alkohol und Tabak zu kaufen. Die Ergebnisse der Testkäufe zeigen, dass die Jugendlichen dabei oft erfolgreich waren.

Vor allem die Zahlen im Kanton Basel-Stadt zeichnen ein ernüchterndes Bild. Bei 56 Prozent aller durchgeführten Testkäufe wurde Alkohol verkauft. Im Vergleich zum Vorjahr ist diese Zahl deutlich höher. 2012 gelang es den Jugendlichen nur in 41 Prozent der Fälle, Alkohol zu kaufen. Thomas Steffen, Abteilungsleiter Prävention in Basel-Stadt sucht nach Erklärungen für das Testergebnis: «Ein Grund für die erhebliche Zunahme illegitimer Alkoholverkäufe könnte sein, dass die Testkäufe erstmals nicht nur unter der Woche, sondern schwerpunktmässig am Wochenende durchgeführt wurden.»

Aufgrund der Ergebnisse wolle man jetzt vermehrt mit dem Verkaufspersonal zusammenarbeiten. Laut Steffen richten sich typische Suchtpräventionsmassnahmen bisher vor allem an Jugendliche. Man werde die Verkaufsstellen nach Testkäufen mit Rückmeldungen sensibilisieren, Weiterbildungen anbieten und mehr Öffentlichkeitsarbeit leisten. Die gesetzliche Grundlage um aufgrund Testkäufen Sanktionen zu veranlassen fehlt bisher. Es ist denkbar, dass sich dies im Rahmen der Totalrevision des eidgenössischen Alkoholgesetzes bald ändern könnte.

Besser sehen in Basel-Stadt die Zahlen bei den Tabaktestkäufen aus. Bei 25 Prozent der Testkäufe wurde Tabak an Jugendliche unter 18 Jahren verkauft.

Verkäufer beachten Ausweis nicht

Im Baselbiet verkauften 27 Prozent der Teststellen Alkohol und Tabak an die jugendlichen Lockvögel. Bei den Alkoholtestkäufen ist das ein Plus von 8,5 Prozentpunkten, bei den Tabaktestkäufen stieg die Zahl um 4 Prozentpunkte. Bei den Testkäufen wurde erstaunliches beobachtet: Beim Verkauf von Alkohol, wie auch von Tabak haben Verkäufer die Ausweise der Jugendlichen oftmals verlangt, sich dann jedoch gar nicht auf das Alter der Lockvögel geachtet. Zuletzt haben die Jugendlichen ihre Ware trotzdem erhalten.

Irène Renz, Leiterin Gesundheitsförderung Baselland sagt, dass in solchen Fällen Kassensysteme helfen können, wo die Verkäufer den erforderlichen Jahrgang der Alkohol- und Tabakkäufer ablesen können. «Zeigt ein Jugendlicher seinen Ausweis, denken wohl viele Verkäufer, dass das Alter schon stimmen wird.»

Renz will sich dafür einsetzen, dass der Verkauf von Alkohol und Tabak an Minderjährige sinkt. Warum es trotz Aufklärung immer wieder Verkäufer gibt, die Jugendlichen Alkohol und Tabak verkaufen, schreibt Renz dem hohen Druck zu, dem Verkäufer ausgesetzt sind. Denn die Verkäufer seien es, die sich den Jugendlichen stellen müssen und Härte zeigen müssen. «Wenn eine Gruppe Jugendlicher mit Alkohol an der Kasse steht, kann es sein, dass sich das Verkaufspersonal nicht traut, die Ausweise zu verlangen», so Renz.

Ausserdem haben die Verkäufer oft auch die Chefs im Nacken, die eine Umsatzsteigerung aufdiktieren. Darum müsse im Bereich des Jugendschutzes an beiden Stellen angesetzt werden: beim Verkaufspersonal selbst – aber auch bei den Leitern der Filialen.