Dreispitz
Testlauf für das Gemüse und den Fisch der Urban Farmers in der Migros

Auf der 250 Quadratmeter grossen Dachfarm produzieren die Urban Farmers in einem geschlossenen Kreislauf Buntbarsch und Gemüse. Diese wachsen nicht in der Erde, sondern auf Wasser. Das Unternehmen stösst weltweit auf grosses Interesse.

Pascale Hofmeier
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Es sieht aus wie ein gewöhnliches Gewächshaus, ist aber eine Pilotanlage: Auf dem «LokDach» im Basler Dreispitz produzieren die Urban Farmers in einem geschlossenen Kreislauf Gemüse und Fisch.

Es sieht aus wie ein gewöhnliches Gewächshaus, ist aber eine Pilotanlage: Auf dem «LokDach» im Basler Dreispitz produzieren die Urban Farmers in einem geschlossenen Kreislauf Gemüse und Fisch.

Kenneth Nars

Die Idee der Dach-Farm im Basler Dreispitz entspricht zu 100 Prozent dem Zeitgeist: Lebensmittel sollen möglichst nah am Endverbraucher hergestellt werden und dies möglichst ökologisch und nachhaltig. Denn der bewusste Konsument will wissen, wo sein Essen herkommt.

Seit letztem Winter produziert das Unternehmen Urban Farmers auf der Lokdepot-Dachfarm Gemüse, Gewürze, Sprossen und Fisch.

Skeptiker dürften spätestens dann milde gestimmt werden, wenn sie in die knackig-süssen Tomaten beissen. Die Produkte sind einwandfrei und erntefrisch.

Ultralokale Produkte für Alle

Nun erhält das Pilot-Projekt (vgl. Kasten), einen kommerziellen Schub: Die Genossenschaft Migros Basel verkauft in den nächsten drei Monaten im Dreispitz Freitags und Samstags das Stadt-Gemüse und den Stadt-Fisch der Urban Farmers. Bisher wurden nur Restaurants beliefert.

«Wir haben nach Expansionsmöglichkeiten gesucht», sagt Roman Gaus, CEO und Firmen-Mitbegründer. Allerdings seien die Liefermengen noch bescheiden: rund 60 Kilogramm Fisch, 150 bis 200 Salatköpfe, 20 Kilogramm Tomaten und etwa gleich viel Kräuter.

Geschlossener Kreislauf

Auf der 250 Quadratmeter grossen Dachfarm produzieren die Urban Farmers in einem geschlossenen Kreislauf Buntbarsch und Gemüse. Das Prinzip: Das Abwasser aus den Fischtanks - die Tiere werden rein pflanzlich ernährt - wird gefiltert und zu Nährstoff für die Pflanzen. Obwohl nach Bio-Richtlinien angebaut wird, sind die Produkte nicht entsprechend zertifiziert, weil sie nicht in der Erde, sondern auf Wasser wachsen. Das Unternehmen stösst weltweit auf grosses Interesse. Rund 20 Projektideen und -anfragen liegen derzeit beim Unternehmen (acht Mitarbeiter) auf dem Tisch, eines davon befindet sich in der Bewilligungsphase. Die Pilot-Anlage ist für die kommerzielle Produktion zu klein. Dazu bräuchte es rund viermal so viel Platz. CEO Roman Gaus hofft auf mehr Fläche, wenn das Parkhaus, auf dessen Dach die Urban Farmers sind, ausgebaut wird. (hpa)

«Das Faszinierende an dem Projekt ist die Vision», sagt Stefano Patrignani, CEO der Migros Basel. Er begründet die Zusammenarbeit damit, dass die Produkte aus der Dachfarm vielen für den Grossverteiler wichtigen Aspekten entsprechen: Lokal und nachhaltig produziert, frisch und saisonal.

Überspitzt formuliert entwickeln die Urban Farmers den Slogan des Grossverteilers «Aus der Region für die Region» weiter ins Ultralokale: aus dem Quartier für das Quartier.

Patrignani ist überzeugt, dass auch Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler an der Idee Freude gehabt hätte: «Sein Credo war, nicht über Vision zu reden, sondern anzupacken.» Und der CEO räumt ein, dass die Zusammenarbeit auch sehr gut ist fürs Image der Migros.

Teurer als Standard-Tomaten

Die grosse Herausforderung sei, die beiden Betriebe zusammenzubringen, erklärt Partignani. Anlieferung, Preis- und Angebotsgestaltung verglich er mit einem Kreuzfahrtschiff, das auf ein «visionäres Team mit einem flexiblen Gummiboot» trifft. Ökonomisch rechnet sich die Zusammenarbeit noch nicht. «Wir gewinnen vor allem Know How», sind sich beide Seiten einig.

In den nächsten drei Monaten soll sich zeigen, ob die Kunden die Produkte kaufen und welchen Preis sie dafür zu zahlen bereit sind. Denn Gemüse und Fisch werden teurer sein als Standardprodukte.