Angefangen hat alles mit einem Traum - wortwörtlich. Monica Thommy, die Gründerin des Teufelhofs träumte nämlich von ihrem zukünftigen Küchenchef, bevor sie diesen persönlich kannte. Noch in derselben Nacht schrieb ihr Mann Dominique einen Brief an Michael Baader. Er sei die Wunschbesetzung für ihr geplantes Projekt. Dann nahm die Geschichte ihren Lauf.

Herr Baader, der Teufelhof feiert Geburtstag. Sie sind seit dem Beginn dabei. Wie kam es dazu?

Michael Baader: Nachdem ich den Brief einige Wochen liegen gelassen habe, antwortete ich dann doch noch. Nach einem weiteren Briefwechsel verabredeten wir uns im Café zum Teufel in Basel, das die beiden damals führten. Der Teufelhof war zu diesem Zeitpunkt noch eine Bauruine. Als wir dann zum Standort hochgingen, war dort ein Tisch mit drei Stühlen aufgebaut. Darauf stand ein Kühler mit einer Flasche Moscato. Dazu gab es Haselnusskuchen. Dabei haben wir uns kennen gelernt. Unabhängig davon, in welchem Zustand das Haus war, habe ich dann einfach gesagt: Wir machen das!

Wieso haben Sie sich dazu entschieden?

Damals war ich noch in der «Schweizer Stuben» in Wertheim tätig. Dort wäre ich ewig Sous-Chef geblieben. Ebenso wollte ich nicht wieder in einen Standardladen. Deshalb war der Teufelhof eine tolle Chance.

Der Weg bis zur Eröffnung war steinig. Das Ehepaar Thommy kämpfte jahrelang mit den Behörden. Zwei Einsprachen führten sie sogar bis vors Bundesgericht.

Die beiden haben sechseinhalb Jahre gekämpft, bis sie endlich alle Bewilligungen hatten. Bis wir endlich mit dem Umbau beginnen konnten, war das Haus eine Ruine. Am Eröffnungstag war dann nicht einmal die Küche gestrichen. Wir haben sozusagen in einer Baustelle gekocht.

Haben Sie je mit dem Gedanken gespielt, den Teufelhof zu verlassen?

Nein. Ausser zum Zeitpunkt, als sich das Ehepaar Thommy vor zehn Jahren zurückziehen wollten. Da hatte ich Bammel. Ich selbst wollte mir das nicht aufhalsen. Ich fühlte mich schon immer wohler im Angestelltenverhältnis. Damals war alles etwas unsicher. Ich wusste nicht, was die Zukunft bringt.

Dann übernahm Raphael Wyniger.

Ab da war die Sache geritzt. Er und seine Frau konnten die Philosophie des Hauses weiterführen. Doch es war auch für sie nicht einfach. Die Situation war genauso schwierig wie schon 1989. So ein Betrieb ist halt kein Selbstläufer. Doch mit Raphaels Ideen konnten wir toll vorwärtsmachen. Ich bin heute genauso glücklich wie vor dreissig Jahren.

Was ist Ihre witzigste Erinnerung aus der Zeit im Teufelhof?

Eine Zeit lang haben wir einmal im Monat ein Mitternachtsessen mit allen Mitarbeitern veranstaltet. Jedes Mal hat jemand anderes gekocht. Einmal musste Frank Oehler ran. Er wollte natürlich ganz dick auftragen und ein Filet Wellington machen – ein Klassiker. Irgendwie hat er die Zeit falsch bemessen. Das Fleisch war jedenfalls durchgebraten.

Weil er sich als Koch so schämte, wollte er durchs Küchenfenster verschwinden. Die Tore waren jedoch abgeschlossen. Da ist er den hohen Zaun hochgeklettert. Als dann ein Polizeiauto vorbeifuhr, hat er sich so erschreckt, dass er fiel und sich eine Zaunspitze durch den Oberschenkel gerammt hat. Als er da so hing, das war schon lustig.

Was ist Ihre Philosophie in der Küche? Hat sich in den vergangenen Jahren etwas verändert?

Eine klare Linie ist mir wichtig. Es muss nach dem schmecken, was es ist. Der Umgang mit dem Produkt und auch die Herstellungsart sind geblieben. Was sich geändert hat, sind die neuen Ideen, welche durch meine jungen Mitarbeiter entstehen. Da und dort hat es ein Tüpferchen oder Crèmchen. Heute ist halt etwas mehr Geschmier auf dem Teller. Doch ich steh da drüber, solange es geschmacklich passt. Zu viel «Mischimaschi» soll es jedoch nicht sein.

Würde der Teufelhof auch so gut laufen, wenn Sie nicht wären?

Das ist eine sehr hypothetische Frage. Der Teufelhof ist ein Gesamtobjekt. Wir haben es zu dritt eröffnet und führen es jetzt wieder zu dritt weiter. Wir stecken den Rahmen, der Rest ist das, was sich darin bewegt. Das Haus lebt von allen Leuten. Jeder soll das sein können, was er sein möchte.

Wie lange machen Sie noch weiter?

So lange, wie ich noch Lust habe.