Um 2.20 Uhr fuhr der Mann mit dem Nachtbus N28 von Basel nach Birsfelden und führte dabei lautstark ein Telefongespräch über Giftgas und Sprengstoffe. «Das ziehen wir in drei Wochen durch!», soll er in einem orientalischen Akzent gesagt haben. Wie viele der Passagiere diesen «Dialog» mitgekriegt hatten, konnte am Montag im Basler Strafgericht nicht genau geklärt werden.

Eine Passagierin allerdings bekam es mit der Angst zu tun und alarmierte hinterher die Polizei. Die gross angelegte Fahndung war jedoch erst zehn Tage später erfolgreich, der Mann sass zwei Tage in Untersuchungshaft.

Nur gespielt

Die Staatsanwaltschaft führte zuerst eine Untersuchung wegen strafbarer Vorbereitungshandlungen zu einem Anschlag, stellte dieses Verfahren dann aber ein: Das Telefongespräch im Bus war nur gespielt gewesen, und bei der Hausdurchsuchung in der Familienwohnung in Birsfelden fand die Polizei ausser seltsamem Geschreibsel nichts Auffälliges. Die Familie des Mannes war über die Vorwürfe aber offenbar ziemlich entsetzt, sein Bruder soll wegen der Hausdurchsuchung gar einen Herzanfall erlitten haben.

«Dieser Behördeneinsatz wäre vermeidbar gewesen», kritisierte am Montag Verteidigerin Nuray Ates Tekdemir. Bereits auf der Videoaufzeichnung aus dem Bus sei zu sehen, dass andere Fahrgäste wohl gar nichts von den angeblichen Drohungen mitgekriegt hätten und auch nicht verängstigt gewesen seien. «Wenn er übermüdet ist, äussert er sich oft unkontrolliert und führt Selbstgespräche», sagte die Verteidigerin und forderte einen Freispruch.

Der 27-jährige Alevit mit Schweizer Pass leidet offenbar an den Spätfolgen eines Schlaganfalles und bezieht eine Invalidenrente. Derzeit versucht er, in eine Detailhandelslehre einzusteigen. Die Staatsanwaltschaft hat ihn wegen Schreckung der Bevölkerung angeklagt und eine bedingte Freiheitsstrafe von zehn Monaten beantragt.

Die Buspassagierin wurde am Montag vom Gericht nochmals als Zeugin befragt. Einzelrichterin Dorrit Schleiminger betonte danach, die Aussagen seien glaubhaft. Unklar blieb allerdings, ob der vom Strafgesetzbuch verlangte grosse Adressatenkreis damals wirklich erreicht wurde. Daher blieb es bei einem Schuldspruch wegen versuchter Schreckung der Bevölkerung.

Die Richterin erachtete eine bedingte Freiheitsstrafe in der Höhe von fünf Monaten als angemessen, mangels Vorstrafen führte dies zu einer bedingten Geldstrafe in der entsprechenden Höhe von 150 Tagessätzen zu 20 Franken.

Das grössere Problem für den Mann sind allerdings die Verfahrenskosten: Der Polizeieinsatz für die Fahndung jener Tage im 2017 war massiv, damit bleiben an dem Verurteilten auch Kosten von knapp 100'000 Franken hängen. Er kann das Urteil noch weiterziehen.