Avo Sessions
Teurer Stargast bei den Avo Sessions: Rod Stewart kostet zwei Millionen

Seit 27 Jahren organisiert Mathias Müller die Avo Sessions. Mit der bz spricht er über die Spezialwünsche der Musiker. Der Superstar in diesem Jahr ist Rod Stewart. Der Brite kassiert für einen Auftritt zwei Millionen.

Muriel Mercier
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Veranstalter Matthias Müller weiss nach 27 Jahren, wie man mit den Stars umgehen muss.

Veranstalter Matthias Müller weiss nach 27 Jahren, wie man mit den Stars umgehen muss.

Juri Junkov

Herr Müller, am Freitag eröffnet Milow die Avo Session Basel. Dieses Jahr findet sie zum ersten und einzigen Mal im Musical-Theater statt. Gibt es Probleme beim Aufbau?

Matthias Müller: Es ist von unserer Seite her viel Kreativität nötig, um Lösungen für Unvorhergesehenes zu finden. Wir müssen beträchtliche Investitionen für eine einmalige Geschichte aufwerfen, und zwischendurch treffen wir auf Situationen, die wir so nicht erwartet haben.

Zum Beispiel?

Während wir im Festsaal bisher mit mehreren Sattelschleppern und Bussen in den Keller fahren konnten, ist die eigentliche Rampe beim Musical-Theater auf der Strasse. Dort mussten wir jetzt ein Zelt aufbauen, damit der tägliche Auf- und Abbau trotz Wind und Wetter funktioniert. Und damit die Stars nicht von Fans überfallen werden. Aber unser Team ist motiviert. Ich bin heute nicht nervöser als in den vergangenen Jahren.

Weltbekannte Musiker haben Spezialwünsche. Wer fordert Sie dieses Jahr heraus?

Das stimmt so nicht. Ich habe gelernt, dass die meisten Musiker bei uns als Mensch und nicht als Star behandelt werden wollen. Viele empfinden es gar als unangenehm, wenn man vor ihnen kuscht.

Was ist das Falscheste, was man tun kann, wenn man die Musiker trifft?

Ich organisiere die Avo Session Basel seit 27 Jahren. Damals war ich der Meinung, man müsse den Stars Basel als Kulturstadt anpreisen und habe von den Museen und dem Rhein erzählt. Jetzt weiss ich: Wenn einer duschen will, dann will er einfach duschen. Goldene Wasserhähne sind ihm dann total egal.

Aber es gibt sicherlich Stars, die spezielle Behandlung fordern.

Alle Künstler verlangen zu Recht eine perfekte Bühneninstallation. Zum Beispiel, wenn es um das Scheinwerferlicht geht. Diese Forderungen müssen wir zu 100 Prozent erfüllen. Es gibt Sängerinnen, die das Gefühl haben, sie sehen bei grünem Licht wie ein Zombie aus. Oder sie wollen nur von einer Seite gefilmt werden. Rod Stewart ist dieses Jahr sicherlich unsere anspruchsvollste Herausforderung.

Was wünscht er sich denn?

Eine Bedingung für seine beiden Auftritte war, dass er an beiden Abenden nach dem Konzert mit einem Jet nach London fliegen kann. Wir mussten ihm das versprechen, bevor wir überhaupt seine Zustimmung hatten, dass er zu uns kommt. Wir haben ihm den Jet ermöglicht - jetzt will er den aber gar nicht. Ich glaube, er wollte einfach testen, wie weit er gehen kann.

Wie empfinden Sie persönlich solche Erlebnisse?

Ich staune, dass die alten Grössen immer noch so sind. Oder, dass sich neue, junge Künstler so verhalten. Gotye ist so ein Kandidat. Wenn ich ihn nicht unbedingt gewollt hätte, hätte ich ihn von der Liste gestrichen. Er hat stark in die Bühnen-Gestaltung reingeredet. Es gibt aber auch Wünsche, die wir gerne erfüllen. Die von Herbie Hancock zum Beispiel.

Weil ...?

Er möchte auf einem ganz spezifischen Fazioli-Piano spielen. Das war in der Schweiz nicht aufzutreiben, also haben wir eines in Italien organisiert. Wenn man den Sängern damit eine Freude machen kann, spielen sie lieber auf unserer Bühne, und das Konzert wird top.

Hat jeder Musiker, den Sie dieses Jahr eingeladen haben, zugesagt?

Nein, 90 Prozent der Angefragten sagen immer ab. Zum Teil wegen der Daten oder weil wir uns finanziell nicht einig werden. Zudem wollen wir Exklusivität und benötigen internationale TV-Rechte. Möchte ein Sänger den Aufenthalt hier mit Konzerten in Zürich verbinden, haben wir wenig Verständnis.

Neben Stewart holen Sie Alice Cooper als eine der alten Hasen auf die Bühne. Da erwarte ich eigentlich alte Metall-Fans mit langen Haaren. Kommen wirklich solche Leute ins Musical-Theater?

Auf jeden Fall. Ich weiss, dass neben den Metall-Fans auch die CEO internationaler Firmen kommen, weil sie früher Fans waren und heute ein anderes Aussehen pflegen müssen. An der Avo Session Basel können sie in einem «geschützten Rahmen» ihre Jugend aufleben lassen. Ich habe dieses Erlebnis bei Status Quo oder Deep Purple schon gemacht.

Ein Konzert an der Avo Session Basel ist nicht günstig. Ein Bonzen-Anlass?

Stimmt das wirklich? Wenn sich jemand das Ticket von 190 bis 280 Franken für Rod Stewart nicht leisten kann, verstehe ich das. Er ist mit Abstand der teuerste Gast, den wir jemals eingeladen haben. Pro Abend verlangt er in der Regel 2 Millionen Franken. Aber die meisten Konzerte sind nicht zu teuer, wenn man die Preise mit denen von Konzerten in Stadien vergleicht. Für Madonna habe ich 360 Franken ausgegeben in einem Stadion mit 70 000 Besuchern.

Gibt es Konzerte, bei denen der Ticketverkauf bisher stockt?

Es sind mehr als 90 Prozent der Billetts verkauft. Der Worldmusic-Abend, dieses Jahr mit Khaled und Madredeus, läuft immer langsam an. Die Leute kaufen oft kurzfristig Karten für diese Konzerte.