Stimmen-Festival

The Low Anthem verzaubern das Publikum im Wenkenpark

Trotz des kalten Wetters erlebten die Zuschauer am S timmen-Festival einen mystischen Abend beim Auftritt von «The Low Anthem». Die Band aus den USA überzeugte mit ihrem Indie-Folk das Publikum im Riehener Wenkenpark.

Selten beginnen Konzerte früher als angekündet. Und schon gar nicht, weil die Organisatoren finden, es sei zu kühl für eine längere Pause. Anders war das am Stimmen-Festival im Riehener Wenkenpark. Das in Wollpullover und Jacken eingepackte Publikum war nicht unglücklich, weniger lange auf The Low Anthem zu warten.

Nur die Geister fehlten

Bereits nach wenigen Takten von «Smart Flesh» hatte die fünfköpfige Band aus den USA das Publikum mitsamt Park verzaubert. Es sind wie der Name verspricht leise Hymnen, durchtränkt von Folk und Blues. Die Klangwelten sind eindringlich, voller Sehnsucht und Melancholie. Und wenn Ben Knox Miller, Jeff Prystowsky und Jocie Adams in «Ghost Woman Blues» von Geistern singen, würde es niemanden wundern, wenn diese mit dem nächsten kühlen Windstoss hinter den Bäumen hervor oder über den Weiher geschwebt kämen.

Eine Wirkung hatte der Wind indes vor allem auf Jocie Adams im leichten Sommerkleid: Frierend bat sie um einen Pulli – und erhielt eine zu grosse Jeansjacke aus dem Publikum.

Das Handy ist eine Grille

Mit jedem Song wuchs die Band stärker zu einer Einheit zusammen. Dazu trug auch bei, dass die Mitglieder der 2006 gegründeten Band immer wieder die Rollen tauschten. Sie alle sind Multiinstrumentalisten und die Vielfalt ihrer Klangwerkzeuge ist bemerkenswert. So treffen in «Matter of time» Hackbrett, eine singende Säge, ein Rhodes Piano und ein Kontrabass aufeinander.

Und als wäre das neben Klarinette, Trompete, Schlagzeug und Bass nicht genug, erhalten auch noch Mobilfunkgeräte ihren Auftritt – als Grille. Zum Schluss von «This God Damn House» hält Sänger Ben Knox Miller zwei Handys, die auf Lautsprecher geschaltet sind, gegeneinander und konkurrenziert mit dem elektronischen Gezirpe die echten Grillen. Diese hatten aber auch immer wieder ihren Auftritt: Unzählige Male wurde es so still auf dem Sandplatz, dass nur sie und das Klicken von Feuerzeugen hörbar waren.

Nach anderthalb Stunden bedankte sich das bisher sitzende Publikum mit stehenden Ovationen und frenetischem Applaus.

Vorgruppe fiel etwas ab

Weniger überzeugte der Auftritt der Vorband «Trembling Bells» aus Glasgow. Diese spielten unter erschwerten Bedingungen: Die Gitarre der Sängerin Lavinia Blackwall war auf dem Flug in die Brüche gegangen und sie musste sich eine Gitarre von The Low Anthem ausleihen.

In einem ambitionierten Stilmix zwischen Folk, Country und psychedelischem Rock lotete das Quartett aus Glasgow nicht nur Genre-Grenzen, sondern auch die Grenzen ihrer Instrumente und Stimmen aus.

Das gipfelte im A-capella-Duett «7 years a teardrop» der Sängerin und des Schlagzeugers Simon Shaw oder in den grandiosen Soundwänden von «Ain't nothing wrong». Dem gegenüber standen mittelalterlich anmutende, episch lange Lieder, deren Texte nur schwer verständlich waren. Teilweise wirkte Blackwalls Sopran-Gesang ein wenig bemüht, insbesondere in den oberen Tonlagen.

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