Sanierung
Theater Basel soll zeitgemässen Eingang erhalten – doch die Serra-Plastik bleibt ein Pissoir

Basel-Stadt sucht in einer Ausschreibung Architekten mit einer zündenden Idee zur Umgestaltung des Theater-Eingangs. Ein Problem: Die Serra-Plastik auf dem Vorplatz darf nicht angerührt werden.

Christian Mensch
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Theater Basel

Theater Basel

Sturzenegger & Stutz
Stahl des Anstosses: Die Serra-Plastik auf dem Vorplatz des Theater Basel.

Stahl des Anstosses: Die Serra-Plastik auf dem Vorplatz des Theater Basel.

Roland Schmid

Der Beschrieb ist nüchtern und präzise: «Seit über zwei Jahrzehnten fristet der Haupteingang zur grossen Bühne ein ‹tristes Dasein› hinter der monumentalen Serra-Plastik. Sowohl die Zugangssituation als auch die Drehtüre entsprechen nicht mehr den heutigen Ansprüchen.» Mit dieser Zustandsbeschreibung sucht Basel-Stadt einen Architekten mit einer «überzeugenden Idee» zur Umgestaltung.

Die Idee kann noch so überzeugend werden, wird sie doch Stückwerk bleiben. Denn unverrückbar bleibt die Serra-Plastik auf dem Vorplatz. Ramon Ebri, Projektleiter im Baudepartement sagt: «Der Standort der Plastik steht nicht zur Diskussion, beziehungsweise das Kunstwerk wird nicht deplatziert.»

Mehrfach wurde bereits eine Verschiebung der tonnenschweren Plastik des US-amerikanischen Künstler Richard Serra angeregt. Als stossend wird nicht nur erachtet, dass sie nächtens als Urinal benutzt und somit als begehbare Plastik unbenutzbar gemacht wird. Als problematisch wird vor allem gesehen, dass das eiserne Werk den architektonischen Gesamteindruck des 1975 eröffneten Kulturhauses mit dem imposanten Spannbeton-Dach beeinträchtigt. Dieses sollte im Innern wie im Äusseren nach den Vorstellungen der Architekten eine eigentliche «Theaterlandschaft» bilden. Während der Fasnachtsbrunnen von Tinguely diesen Eindruck verstärkt, steht die Serra-Plastik quer dazu.

Mit dem Argument, die Plastik sei ursprünglich ohnehin für den Innenhof des Kunstmuseums gedacht gewesen, lancierte Grossrat Heiner Vischer (LDP) vor drei Jahren den vorerst letzten Vorstoss zur Dislokation. Er nahm davon jedoch Abstand, nachdem der Künstler vom Vorhaben erfahren und Anstoss daran gefunden hatte. Serra drohte offen, die Basler Variation seiner gewölbten Stahlplatten von seiner Werkliste zu streichen. Der Kunstwert in zweistelliger Millionenhöhe hätte sich dadurch zum Schrottwert in Höhe von 20'000 Franken reduziert.

Ein Auftrag für innen und aussen

Die Architekten, die Basel-Stadt nun in einer Ausschreibung sucht, haben einen seltsamen Doppelauftrag: Einerseits sollen sie planerisch Vorschläge unterbreiten, wie im Innern der Eingangsbereich optimiert werden kann, andererseits haben sie baulich die Fassade zu sanieren. 2014 platzte an einigen Orten der Verputz, was zu umfangreichen Abklärungen führte. Beruhigend war der Bericht der Bauingenieure, dass die Betonstruktur weiterhin in gutem Zustand ist. Allerdings sei die Fassade schadhaft. Und Infrarotaufnahmen zeigten zahlreiche sogenannte Wärmebrücken, die nicht nur energetisch problematisch sind, sondern auch die Bausubstanz angreifen.

Werbung für das Theatergeviert

Wird die Fassade ausgebessert, sollen gleichzeitig einheitliche Werbepaneele montiert werden, die von den Basler Grafikern Stauffenegger & Stutz entworfen wurden. Das Konzept sieht vor, Theater und Schauspielhaus mit gleichen, schmalen LED-Leuchtbändern als zusammengehörig zu kennzeichnen.

Insgesamt stehen für diese Sanierungsetappe, die für den Theatersommer 2019 terminiert ist, rund sieben Millionen Franken zur Verfügung. Bereits abgeschlossen ist die Erneuerung der technischen Infrastruktur mit Investitionen von 60 Millionen Franken. Ausstehend ist die Sanierung des Bühnenturms. Dafür sind nochmals fünf Millionen Franken budgetiert. Damit wäre dann die gesamte Summe der politisch bewilligten Sanierung in Höhe von 72 Millionen Franken verbaut.