Zuschauerzahlen lassen sich wunderbar messen. Aber wie sie zustande kommen, bleibt im Grunde ein Geheimnis. Die Quantität der Besucher sagt nicht zwingend etwas aus über die Qualität des Theaters.

Das Schlimmste, was dem Theater passieren kann, ist, dass es nun, eingeschüchtert und unter Druck, seine Seele dem Teufel verkauft. In der Kunst heisst der Teufel Marktnachfrage. Wenn die Theatermacher darauf schielen, was populär und Mainstream ist, um mehr Zuschauer zu generieren, dann opfern sie die Kunst der Gefälligkeit. Unterhaltung ist in einem öffentlich-rechtlichen Theater nicht verboten, reicht aber nicht aus. Hier muss es möglich sein, Neues, Unbekanntes, auch Sperriges auszuprobieren. Ästhetisch und inhaltlich. Nur so kommt die Kunst voran, bleibt sie fordernd und interessant.

Im Idealfall ist die Qualität so gut, dass das Anspruchsvolle auch das Beliebte ist. Beispiele an anderen Häusern zeigen, dass das möglich ist. In Hamburg hat Regisseur Luc Perceval gegen anfängliche Widerstände den Roman «Jeder stirbt für sich allein» auf die Bühne gebracht. Eine Auseinandersetzung damit, wozu Menschen fähig sind, wenn sie Angst haben. In Berlin inszeniert Herbert Fritsch ein Stück, in dem nur ein einziges Wort gesprochen wird: «Murmel». Beide Inszenierungen sind Publikumsrenner geworden. Aber am Anfang stand das Risiko.

Der kommende Basler Intendant Andreas Beck steht in Wien für das Ausprobieren von Neuem. Man darf hoffen, dass er auch hier mit Klugheit und Qualität auch Quantität erreichen wird.