Basel
Theater-Subvention: Die «Schlange Baselland»

Insgesamt rund 161 Millionen Franken erhält das Theater Basel für die kommenden vier Spielzeiten vom Kanton Basel-Stadt. Am Mittwoch hat der Grosse Rat die Subvention bewilligt. Unweigerlich wurde auch über die Rolle des Landkantons diskutiert.

Nicolas Drechsler
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Beim Glitzern soll nicht gespart werden: «Daphne» im Theater Basel.

Beim Glitzern soll nicht gespart werden: «Daphne» im Theater Basel.

Monika Rittershaus

Man solle nicht dasitzen, wie das Kaninchen vor der Schlange, wurde im Grossen Rat immer wieder gefordert. Wobei die Schlange der Partnerkanton Baselland ist, von dem die Basler Politiker weitere finanzielle Kürzungen im Kulturbereich befürchten. Oder wie Regierungspräsident Guy Morin (Grüne) es formulierte: «Das Theater Basel soll nicht in der Geiselhaft der Partnerschaftsdiskussion mit Baselland leben.»

Ein grosser Teil der Debatte über die Theatersubventionen in der Höhe von 161 Millionen Franken für die nächsten vier Jahre stand nämlich unter dem Eindruck des sparenden Partnerkantons und der jüngsten Attacken der SVP Baselland auf die Kulturpauschale. Eine Gruppe von Landräten der SVP um Patrick Schäfli fordert, den Kulturvertrag und damit auch die Pauschale zu künden (bz berichtete).

Das führte bei einem kleinen Bruchteil der Theatersubvention zu einer intensiven Diskussion, dem sogenannten «Strukturbeitrag» von einer Million Franken, die 1,8 Prozent der gesamten Summe ausmacht. Diesen bezahlt Basel-Stadt, seit die Baselbieter Stimmbevölkerung vor zwei Jahren Nein gesagt hat zu höheren Beiträgen ans Theater. Regierung und Bildungs- und Kulturkommission (BKK) wollten diesen für die ganze Subventionsperiode beibehalten, CVP, FDP und LDP wollten ihn nach zwei Jahren streichen.

Angst vor Präjudiz

«Sprechen wir eigentlich in Serie Strukturbeiträge für Kulturinstitutionen, wenn das Baselbiet, wie es zu erwarten ist, weitere Sparmassnahmen im Kulturbereich beschliesst?» Die Frage des ehemaligen Basler Kulturchefs und LDP-Grossrats Michael Koechlin illustrierte das Dilemma, das auch die Befürworter nicht leugnen wollten: In Baselland entstehe der Eindruck, die Stadt springe immer in die Bresche, wenn das Land Subventionen abbaut.

Hauptargument der Befürworter der jährlichen Zusatzmillion war dagegen der Übergang zum neuen Theaterdirektor Andreas Beck: «Eine Befristung würde heissen, dass der neue Theaterdirektor bereits nach zwei Jahren sparen muss, das finde ich nicht fair», sagte BKK-Präsident Oswald Inglin. Er und praktisch alle anderen Redner stimmten an zu einer Lobeshymne auf das Theater und seine Leistungen in der Vergangenheit. Und auf den neuen Direktor, der im Oktober seine erste Spielzeit beginnt. Obwohl Koechlin auch hier mahnend den Zeigefinger erhob: «Neue Intendanten werden immer in den achten, neunten, zehnten Himmel gelobt, das korrigiert sich dann irgendwann.»

Freunde der Volksbühne

Aus den Reihen der SVP und sekundiert von EVP-Einzelmaske Annemarie Pfeifer erklang dagegen der Ruf nach mehr «Volkstheater». Wenn man Steuergelder in dreistelliger Millionenhöhe ausgebe, dann dürfe dies nicht nur einer schmalen Elite zu Gute kommen, befand beispielsweise Joël Thüring. So weit wollte Morin nicht gehen, aber er meinte auch: «Das Theater soll nicht elitär sein, aber es kann auch ganz sicher nicht alle Bedürfnisse befriedigen. Es soll anregen zum Nachdenken, es soll Kritik üben, es soll aber auch ganz einfach Freude bereiten. Das ist der Auftrag.»

Beck wisse das und solle sich nun auf seine Arbeit als neuer Theaterdirektor konzentrieren können. Die Regierung dagegen werde mit Baselland erneut hart verhandeln. Denn die Beiträge an die Kultur in Basel seien kein Freundschaftsdienst der Baselbieter, sondern eine Pflicht: «Artikel 135 d der Bundesverfassung sieht vor, dass die Kantone die Lastenabgeltung bei der Zusammenarbeit fördern. Hier werden die kulturellen Einrichtungen mit überregionaler Bedeutung explizit erwähnt.»

Morin setzt sich durch

Ihm schwebe ein Kulturlastenausgleich vor, wie ihn die Innerschweiz und Zürich kennen. «Diese Gespräche müssen wir führen, aber bitte nicht jetzt und auf dem Buckel des Theaters.» Am Ende setzten sich Morin und die Mehrheit der BKK durch. Aber nicht gerade komfortabel: Mit 48 Nein zu 36 Ja lehnte der Rat die Streichung der Zusatzmillion ab. Komfortabel dagegen die Mehrheit für die 161 Millionen Gesamtsubvention: Mit 73 zu 10 Stimmen sprach sich der Rat dafür aus. So kann der neue Theaterdirektor also das tun, was ihm der Regierungspräsident hatte ermöglichen wollen: Für vier Jahre mit stabilen Finanzen planen. Und versuchen, den Vorschusslorbeeren gerecht zu werden.

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