Ehre

Theatermacher Thom Luz erhält Schweizer Theaterpreis – «Basel ist mir eine Heimat geworden»

Gräbt seine Löcher gerne termingerecht zu Ende: Theatermann Thom Luz.

Gräbt seine Löcher gerne termingerecht zu Ende: Theatermann Thom Luz.

Herr Luz, herzliche Gratulation zur Verleihung des Schweizer Theaterpreises.

Thom Luz: Vielen Dank, ich freue mich riesig über diesen Preis.

Sie erhalten im ganzen deutschsprachigen Raum Aufmerksamkeit. Was bedeutet Ihnen da dieser «einheimische» Preis?

Die Anerkennung aus der Heimat zu bekommen, ist ebenso befriedigend, wie wenn man bei einem fremden Publikum auf Anklang stösst. Ich bin heimlich gerne Schweizer.

Sie sind Hausregisseur am «Theater des Jahres», dem Theater Basel, und wurden nun bereits zum dritten Mal ans Berliner Theatertreffen eingeladen, erhalten auch noch den Schweizer Theaterpreis. Liegt überhaupt noch eine Steigerung drin?

Ich denke nicht in Preiskategorien, es war ja nicht mein Ziel, als Theatermacher Auszeichnungen zu sammeln. Wichtig ist für mich, immer besser, genauer, klarer, konsequenter, befriedigender und leichter zu werden in dem, was ich tue. Damit will ich die Bedeutung des Preises nicht herunterspielen. Er ist vielmehr ermunternd, so weiter zu arbeiten, meinen Weg noch konsequenter weiterzugehen, ohne stets nach links und rechts zu schauen.

Dieser Erfolg bedingt auch Stress: Am 6. und 7. Mai sind Sie mit der Produktion «Girl from the Fog Machine Factory» in Berlin, am 24. Mai dürfen Sie den Theaterpreis entgegennehmen und am 29. Mai haben Sie in Basel Premiere mit «Radio Requiem». Schaffen Sie das alles?

Das geht glücklicherweise gut aneinander vorbei. «Girl from the Fog Machine Factory» ist schon länger auf Tour, ich kann mich auf ein wunderbares, eingespieltes Team verlassen. Und das «Radio Requiem» probe ich seit Januar, das ist gut vorbereitet und das Team ebenfalls wunderbar. Auch da bin ich recht einheimisch. Wir Schweizer graben unsere Löcher termingerecht zu Ende.

Stichwort Requiem: Eine Konstante in Ihren Arbeiten sind Abgesänge. Woher kommt diese Passion?

Das weiss ich nicht genau. Ich würde sie auch nicht als Abgesänge im klassischen Sinn bezeichnen. Es gefällt mir, Welten zu besuchen, die es bald nicht mehr geben wird. In der Lobby eines Hotels, das bald abgerissen wird, ist es entweder recht traurig, sehr fröhlich – oder niemand hat was vom bevorstehenden Abbruch mitbekommen und die Stimmung ist wie immer. Alle drei Zustände gefallen mir sehr gut.

Was erwartet uns beim Requiem im verwaisten Radiostudio auf dem Bruderholz?

Es wird eine Rauminszenierung. Der Zuschauer, die Zuschauerin kann sich frei in über 30 Räumen bewegen, das Gebäude entdecken, den Figuren in Studios folgen und ihnen bei der Arbeit zuschauen. Es entsteht ein letztes Hörspiel und das Studio fährt noch einmal alles an Klangerzeugung auf, was es zu bieten hat. Im Studio Basel ist eine vergangene Zeit spürbar, in den Wänden hängen noch Klänge von vielen Jahrzehnten Radiogeschichte. Diese Klänge versuchen wir hörbar zu machen.

Die Ära Beck, die Sie als Hausregisseur am Theater Basel mitgeprägt haben, geht langsam zu Ende. Was bedeutet das für Sie?

Ich bin natürlich etwas traurig. Die Zeit ist wie im Flug vergangen und ich arbeite leidenschaftlich gerne in Basel. Dieses verbindliche, langfristige Arbeiten an einem Ort und mit einer Gruppe von Menschen macht sehr besondere Produktionen möglich.

Sie kommen aus Zürich, doch war Basel immer ein wichtiger Ort für Sie: Hier hatten Sie mit der Kaserne ein wichtiges Standbein für Ihre freie Arbeiten, hier waren Sie Hausregisseur. Werden Sie auch über 2020 hinaus in Basel präsent sein?

Das hoffe ich! Kommende Spielzeit werde ich ja noch einmal als Hausregisseur am Theater Basel tätig sein – über das Projekt darf ich jetzt noch nichts sagen, bevor das Theater den neuen Spielplan vorgestellt hat. Und über das, was danach folgen wird, kann ich mich noch nicht äussern, weil es nach Theateraberglauben Unglück bringt, zu laut über die Zukunft nachzudenken. Aber Basel ist mir eine Heimat geworden, innerlich und äusserlich, und man begegnet sich im Leben ja hoffentlich immer zweieinhalb Mal.

Meistgesehen

Artboard 1