Zoff
Theologie-Streit an der Uni Basel wird zum Fall für die Politiker

Parlamentarier beider Basel fordern eine Aussprache zum Berufungsverfahren an der Theologischen Fakultät. Die mangelnde Berücksichtigung von Frauen gibt der Politik zu denken, da die Frauen-Förderung in der Verfassung festgeschrieben ist.

Hans-Martin Jermann
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«Wir haben da ein Wörtchen mitzureden» erklärt SVP-Grossrat Oskar Herzig die Einmischung in den Theologie-Streit an der Uni Basel.

«Wir haben da ein Wörtchen mitzureden» erklärt SVP-Grossrat Oskar Herzig die Einmischung in den Theologie-Streit an der Uni Basel.

MTO

Die Theologische Fakultät der Universität Basel hat das Berufungsverfahren für die Nachfolge von Professor Ekkehard Stegemann nochmals aufgerollt.

Dennoch wird die mangelnde Berücksichtigung von Frauen im ersten Auswahlverfahren nun zum Fall für die Politik: So fordert die Interparlamentarische Geschäftsprüfungskommission (IGPK) der Universität Basel gemäss Informationen der bz eine Aussprache mit dem Rektorat.

«Wir warten auf einen Termin», bestätigt IGPK-Präsident und Basler SVP-Grossrat Osker Herzig. Der IGPK gehören Parlamentarier der beiden Uni-Trägerkantone Basel-Stadt und Baselland an.

Mitsprache bei strategischen Fragen

«Wir möchten aus erster Hand und nicht aus den Medien erfahren, was in der Theologischen Fakultät läuft», sagt Herzig. Er räumt ein, dass die IGPK grundsätzlich keinen Einfluss auf Personalfragen der Universität nehmen könne.

Im vorliegenden Fall gehe es aber um eine politisch-strategische Frage – die ausgewogene Vertretung der Geschlechter unter den Uni-Dozierenden. «Und da haben wir ein Wörtchen mitzureden», fügt Herzig an.

Die Baselbieter SP-Landrätin und IGPK-Vizepräsidentin Mirjam Würth ist derselben Meinung. Es gebe einen verfassungsmässigen Auftrag zur Förderung der Frauen als Uni-Dozierende. Und da stelle sich aus Sicht der IGPK als Kontrollorgan die Frage, wie dieser Auftrag erfüllt werden könne.

Zudem stünden auch die beiden zuständigen Regierungsräte Urs Wüthrich und Christoph Eymann in der Pflicht. Würth wehrt sich aber dagegen, dass der aktuelle Streit um die Berufung der Professur für Neues Testament aufgebauscht wird. «Das ist leider nur ein Beispiel dafür, dass es mit der Frauenförderung an der Universität Basel noch immer harzt.»

Tatsächlich ist dem jüngst erschienenen IGPK-Jahresbericht 2012 ein ganzes Kapitel der Chancengleichheit unter den Geschlechtern gewidmet. Demnach hat die Frauenförderung an der Basler Uni 2012 durch zahlreiche Wegberufungen einen Rückschlag erlitten.

Ein besonderes Problem besteht laut den zitierten Uni-Verantwortlichen in der Tatsache, dass sich derzeit viele Universitäten um eine Erhöhung der Frauenquote in der Professorenschaft bemühten, weshalb «die begrenzte Zahl der Professorinnen international sehr gefragt sei.»

Von den letzten Gesprächen mit der Universitätsleitung, welche die Basis für den Bericht bildeten, zeigten sich die IGPK-Vertreter allerdings nur teilweise befriedigt. Sie liessen sich im Nachgang zur Sitzung den Gleichstellungsplan der Universität für die Jahre 2013 bis 2016 zukommen. Dieser soll beim nun anberaumten Treffen ebenfalls zur Sprache kommen.