Dass die reformierte Kirche Basel-Stadt Babette Mondry, der Organistin der St. Peterskirche, so unerwartet gekündigt hat, erregte den Zorn von Hartmut Raguse, dem emeritierten Titularprofessor für Neues Testament und Hermeneutik an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Basel. Er, der bislang der Kirche gegenüber höchst loyal gewesen sei, wie er gegenüber der bz erwähnt, hat seinen Austritt aus der reformierten Kirche gegeben. Dies gemeinsam mit seiner Frau, der Psychoanalytikerin Betty Raguse-Stauffer. Dabei hat ihn nicht einfach das Faktum der Kündigung in Rage versetzt, sondern zuerst die Art und Weise, wie der Kirchenrat und der Kirchenvorstand Basel West gegen Babette Mondry vorgegangen ist.

Raguse schreibt im Austrittsbrief, den er der bz zugestellt hat: «Doch wie auch immer allfällige Verfehlungen von Frau Mondry ausgesehen haben mögen, die eine Auflösung des Arbeitsverhältnisses gerechtfertigt hätten, der zentrale Skandal in dieser Sache liegt darin, dass der Kirchenrat (...) den Kündigungsantrag des Kirchenvorstandes von Basel-West unterschrieben hat ohne einen Schlichtungsversuch, ja ohne eine Anhörung der Betroffenen.» Raguse bezeichnet dieses Vorgehen als «schamlos, menschenverachtend, ohne Sinn für den spirituellen Wert von Musik und damit unwürdig einer Kirche, in der etwas vom lebendigmachenden Geist des Evangeliums und nicht nur vom – nach Paulus – tötenden Gesetz erfahrbar sein sollte.»

In seinem Brief an die bz, in dem Raguse auf den gestrigen Artikel reagiert hat, fügt er einen früheren Fall an, bei dem die Kirche mit anderer Sorgfalt vorging: «Man erinnert sich leicht daran, mit welcher Geduld die Münstergemeinde jahrelang mit dem Pfarrer Rothen verhandelt hat, ehe ihm dann mit langer Frist gekündigt wurde.» Umso stossender wirkt für ihn Babette Mondrys «sofortige Enthebung von allen Aufgaben, was sonst eigentlich nur bei schweren Vergehen der Fall zu sein pflegt».

Verbot des geplanten Konzerts

So konnte das im vergangenen Dezember geplante Weihnachtskonzert mit dem Oboisten, Komponisten und Dirigenten Heinz Holliger nicht stattfinden. Für Holliger wäre das Konzert auch eine Widmung an seine Frau gewesen, die bedeutende Harfenistin Ursula Holliger, die im Januar 2014 im Alter von 74 Jahren gestorben ist. Ursula Holliger war der St. Peterskirche lange verbunden. Der Kirchenrat liess sich auch nicht von einem Brief Heinz Holligers umstimmen. Es blieb dabei: Babette Mondry durfte nicht auf der Silbermann/Lhôte-Orgel konzertieren. Und Holliger sagte aus Solidarität ab.

Raguse kennt und schätzt Babette Mondry, da er lange schon Orgelunterricht bei ihr nimmt. Er zweifelt, dass es ein langjähriges Spannungsverhältnis gab und schreibt der bz: «Noch im Sommer 2012 sagte mir Herr Tschudi auf einer Orgelreise nach Strasbourg, wie glücklich er sei, jetzt Orgelschüler bei Frau Mondry zu sein, und im selben Herbst sah und hörte ich beide in einem internen Schülerkonzert, an dem ich auch mitwirkte, einträchtig vierhändig ein Orgelwerk spielen.»

Raguse, der sich auch für das Musikleben in Basel engagiert, erwähnt die grossen Verdienste von Babette Mondry. Dass sie die Peterskirche «zu einer der blühendsten Stätten für Kirchenmusik in der Nordwestschweiz gemacht hat». Er nennt die Orgel-Koryphäen aus Europa von Marie-Claire Alain bis zu Ton Koopman, die Babette Mondry nach Basel geholt hat – und vor allem, dass sie selber «zu den renommierten Orgelspielerinnen Europas» gehört. Er schliesst seinem Brief an die bz mit der Bemerkung, dass er nun «die ersparten Kirchensteuern direkt zur Musikförderung einsetzen werde».