Sie wollen offenbar ein Männerklub bleiben, die Professoren der Theologischen Fakultät der Universität Basel: Diese Woche wurde bekannt, dass im zweiten Berufungsverfahren für die offene Professur wiederum die Männer das Rennen machen. Auf der Liste, die die Fakultät dem Rektorat zur Besetzung des freien Lehrstuhls vorschlägt, stehen drei Männer – und eine Frau. Nur: Sie teilt den dritten Platz gleichgesetzt mit einem Mann. Das bedeutet aus akademischer Perspektive: die Deutsche Lutheranerin ist so gut wie chancenlos.

Favorit ist ein spanischer Mennonit – statt wie gefordert eine Schweizer Frau. Das kommt bei vielen nicht gut an. Die Fakultät sei ausgesprochen frauenfeindlich, heisst es schon länger hinter vorgehaltener Hand.

Etwas weniger drastisch formuliert es Helen Schüngel-Straumann: «Mir scheint, dass viele noch ein sehr antiquiertes Frauenbild haben.» Die emerierte Theologieprofessorin kennt sich in der wissenschaftlichen Landschaft der Theologen bestens aus, und kennt als Pionierin die teilweise schwierigen Mechanismen.

Die katholische Bibelwissenschaftlerin ging bereits für das Studium nach Deutschland. Von 1987 bis 2001 war sie Professorin für Biblische Theologie an der Universität Kassel. Schüngel-Straumann baut seit zehn Jahren eine Bibliothek für Feministische Theologie in Basel auf und hat eine Stiftung für feministische Theologie gegründet.

«Ich habe immer wieder bei der Fakultät nachgefragt, wann endlich eine Frau in Basel Professorin wird», sagt Schüngel-Straumann. Sie sei vertröstet worden, man bemühe sich darum. Für sie ist klar: «Auf den Lehrstuhl gehört dringend eine Frau und es gibt passende Frauen.» Was nun ablaufe im wieder aufgerollten Berufungsverfahren für die Nachfolge von Ekkehard Stegemann, findet sie unverständlich: «Es ist ein Skandal. Ich weiss, dass es in der Schweiz qualifizierte Frauen gibt für diese Stelle, die sich beworben haben.» Diese seien aber nicht in die engere Auswahl gekommen. «Es hat sich also gegenüber dem ersten Anlauf nichts verändert.»

Die Gründe dafür, warum die Universität Basel so ein hartes Pflaster ist für Theologinnen liegen aus ihrer Sicht in der Zusammensetzung der Fakultät für Theologie: «Ich sehe, dass die Professoren den Nachwuchs ihrer Deutschen Kollegen nachziehen. Unter denen ist offenbar keine Frau.» Die Folge sei, dass qualifizierte Schweizer Frauen wiederum nach Deutschland gingen. «Es gibt auch frauenfreundliche Theologische Fakultäten, die in Basel ist es aber nicht.»

Oberstes Gebot: Transparenz

Bedenklich findet das Resultat auch die Basler Akademikerinnen-Vereinigung an: «Ich fordere vom Rektor, dass er eingreift und dafür sorgt, dass alle Bewerbungen nochmal geprüft werden», sagt Präsidentin Rosmarie Schümperli. Unter den insgesamt 38 Bewerbungen waren zehn Frauen. Aber diese wurden offenbar im von der Universitätsleitung angeordneten erneuten Berufungsverfahren nicht berücksichtigt.

«Ich finde es bedenklich, dass die Fakultät nicht auf diesen ersten Kick ans Schienbein reagiert hat», findet Schümperli. Sie betont: «Die Qualifikation muss klar im Vordergrund stehen – das gilt ebenso für die Männer.» Und sie verlangt von der Uni auch, dass offen kommuniziert wird oder die Professur allenfalls nochmals neu ausgeschrieben wird. Die Forderung werde die Vereinigung auch beim Rektor deponieren.

Das letzte Wort im Berufungsverfahren ist noch nicht gefallen. Derzeit überprüft das Rektorat den Antrag der theologischen Fakultät. Das wiederum eröffnet drei Optionen: Entweder der Vorschlag der Fakultät geht in befürwortendem Sinn vor den Unirat oder in modifizierter Form. Die dritte Variante wäre: Zurück an den Absender, also eine erneute Runde im Berufungsverfahren. Die Frage, wann das Rektorat entscheidet, hat Rektor Antonio Loprieno unter Verweis auf das laufende Verfahren nicht beantwortet.