Uni Basel

Theologische Fakultät hat sich einen neuen Professor ausgesucht

Moisés Mayordomo wird neuer Professor für Neues Testament an der Theologischen Fakultät der Uni Basel.

Moisés Mayordomo wird neuer Professor für Neues Testament an der Theologischen Fakultät der Uni Basel.

Damit ist die Kontroverse wohl kaum beendet: Moises Mayordomo wird neuer Professor an der Theologischen Fakultät der Uni Basel. Zurzeit ist der 47-Jährige noch an der Uni Bern tätig.

Kompetent soll er sein, und auch beliebt bei den Studenten. Moises Mayordomo, der neue Professor an der Theologischen Fakultät der Uni Basel, erhielt letztes Jahr den «Credit Suisse Award for Best Teaching». Das wurde gestern per Medienmitteilung kommuniziert. Und doch haftet Mayordomo ein Makel an, auch wenn er für den nichts kann: Er ist ein Mann.

Vor bald einem Jahr machte die bz fragwürdige Methoden bei der Besetzung der vakanten Professorenstelle in der Theologischen Fakultät publik. Frauen sollen konsequent ausgebootet worden sein. Es kamen nur solche in die engere Auswahl, die ohnehin chancenlos waren, lauteten die Vorwürfe. Uni-Rektor Antonio Loprieno ordnete daraufhin an, dass alle Bewerber noch mal geprüft werden sollen. Schnell zeigte sich jedoch: Auch in der zweiten Runde haben die Männer die Nase vorn. Tatsächlich ist mit dem 47-jährigen Mayordomo die neunte, sehr zentrale Professur der Theologischen Fakultät, jene für Neues Testament, mit einem Mann besetzt worden.

«Der Versöhnung verpflichtet»

«Es ist uns gelungen, eine renommierte Person zu gewinnen», schreibt Martin Wallraff, Dekan der Theologischen Fakultät, auf Anfrage, «wir erwarten von Herrn Mayordomo viel.» So erhofft sich Wallraff vom 47-jährigen Spanier neuen Auftrieb für das Fach.

«Die Grenze der Fairness war mitunter überschritten», sagt Wallraff zur öffentlichen Kontroverse um seine Fakultät. Das Fach habe dadurch Schaden genommen. «Wir hoffen, dass diese Diskussion dem neuen Professor seinen Antritt nicht erschweren wird.» Er fügt an, dass Mayordomo sich der mennonitischen Tradition verbunden fühlt, die «sich besonders dem Frieden und der Versöhnung verpflichtet weiss.»

Jene Stimmen, die seit einem Jahr eine Frau an dieser Stelle fordern, sind mit der Wahl Mayordomos aber nicht wirklich versöhnt. Zwar meint Rosmarie Schümperli vom Akademikerinnenverband Basel: «Es ist nicht so schief herausgekommen, wie ich befürchtet hatte.» Mayordomo kenne die Schweizerische reformierte Kirche sehr gut. Und dennoch: «Ich bin ernüchtert.» Weihnachten sei eben doch nicht im Sommer.

Fetz fordert eine Quote

Die Basler SP-Ständerätin Anita Fetz spricht gar von einem Affront. Dass nun wieder ein Mann berufen wurde, widerspreche dem gesetzlichen Auftrag. «Es hat sich gezeigt, dass es genügend qualifizierte Frauen für diese Stelle gibt», sagt sie. Langsam müsse man anfangen, das Berufungsverfahren an der Uni zu hinterfragen. Ihr Vorschlag: eine Zielquote. Das ist eine anpassungsfähige Geschlechterquote. Ein Beispiel: Wenn in einem Institut 30 Prozent der Assistenten Frauen sind, müssten fünf Jahre später auch 30 Prozent der Professorinnen Frauen sein. Überhaupt findet Fetz: «Neun Professuren bei 120 Studenten - die Theologischen Fakultät ist sehr üppig ausgestattet.» Da hätte man auch mal eine Stelle nicht besetzten können. Sie fordert nun, dass der Grosse Rat aktiv wird.

Dekan Martin Wallraff sagt zur ganzen Frauenthematik: «Die Theologische Fakultät ist sich der Relevanz dieses Problems sehr bewusst.» Eine breite öffentliche Personaldebatte sei aber nicht dazu geeignet, dieses zu lösen - «im Gegenteil». Bei geschlechtsneutral ausgeschriebenen Stellen müsse sichergestellt sein, dass sowohl Frauen als auch Männer fair berücksichtigt werden. «Das war im vorliegenden Verfahren eindeutig der Fall.»

Dieses ist nun beendet. Die Debatte dürfte aber weitergehen. Was man bei dieser Gelegenheit noch erwähnen darf: Die vakante Professur wurde im letzten Semester mit einer Gastprofessorin überbrückt. Das Engagement von Sandra Hübenthal, einer Katholikin, endet Ende Monat.

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