Über mehrere Monate hat der Kleinbasler Verein «Heb Sorg zum Glaibasel» alles daran gesetzt, dass das Tattoo auf dem Kasernenareal nicht durchgeführt werden darf. Der Verein legte im November vergangenen Jahres Einsprache und im März 2012 Rekurs gegen die Bewilligung des Militärfestivals ein. Die Gruppe rund um Präsident Thomas Mächler stört sich unter anderem daran, dass die Rasenfläche während der Aufführungstage benutzt wird. Letztes Jahr wurden dort die WC-Anlagen gestellt. Vorgestern setzten sich das Baudepartement, die Tattoo-Organisatoren und der Verein an einen Tisch – kurz darauf wurde der Rekurs sistiert.

Herr Mächler, kaum hat der Tattoo-Produzent Erik Julliard zugestimmt, die WC-Anlagen zu verlegen, krebsen Sie mit Ihrem Rekurs zurück. War das wirklich alles, was Sie erreichen wollten?

Thomas Mächler: Nein, die Einigung zwischen uns und den Tattoo-Organisatoren berücksichtigt insgesamt zehn Punkte. Die freie Rasenfläche war für uns zwar das Wichtigste. Aber die Tattoo-Organisatoren haben uns auch versichert, dass sämtliche Durchgänge auf das Areal für die Öffentlichkeit bestehen bleiben, dass die Anzahl der Veranstaltungen in den nächsten fünf Jahren nicht zunimmt und dass auch die Anzahl an Publikum beschränkt bleibt.

Sie reden von zehn Forderungen.

Ja, es wird auf den Schutz der Bäume geachtet und Kleinbasler Organisationen werden mit finanziellen Beiträgen durch das Tattoo unterstützt. Die Vereinbarungen wurden aber von Julliard noch nicht unterschrieben.

Wenn er also nicht unterschreibt, stehen Sie wieder am Anfang?

Dann läuft der Rekurs weiter. Aber wenn Julliard nicht unterzeichnet, verliert er sein Gesicht vor dem Baudepartement.

Ihr Widerstand dem Tattoo gegenüber und der Rekurs gegen die Bewilligung haben viel Trubel in den Medien und im Volk ausgelöst. Haben Sie das erwartet?

In diesem Ausmass und Heftigkeit auf keinen Fall. Ich war der Meinung, auf der Welt gebe es noch grössere Probleme. Aber wir haben viele Reaktionen erhalten, die unter der Gürtellinie waren. Dazu gehörten nächtliche Telefonanrufe, böse Briefe oder Mails. Es wurde uns zum Beispiel geraten, auf dem Hörnli zu wohnen und dort auf unser Ende zu warten.

Gab es Aussagen, die Sie gar verängstigt haben?

Nein, vieles war einfach primitiv. Aber es gibt auch viele Menschen aus dem Quartier, die uns unterstützen.

Inwiefern?

Sie bewundern unseren Mut, dass wir einer heiligen Kuh sagen, wo die Rasenfläche zum Grasen aufhört. Wir hatten gar schon Geld im Briefkasten für unser Vorhaben.

Wenn Sie auf die vergangenen Monate zurückblicken: Hätten Sie Ihr Ziel nicht auf anderem Weg erreichen können?

Wir hatten von der ersten Einsprache an dieselben Anforderungen. An die erste Einladung kam Erik Julliard nicht. Erst als das Baudepartement zur Unterstützung mit uns Kontakt aufnahm, war Julliard bereit, sich mit uns an einen Tisch zu setzen.

Das heisst, Sie würden heute alles gleichmachen?

Ja, das Komitee «Heb Sorg zum Glaibasel» ist immer bereit, mit Veranstaltern, die etwas auf die Beine stellen wollen, zu sprechen. Unser Hauptinteresse gilt aber der Quartierbevölkerung. Und Julliard wollte bisher nicht zuhören. Wenn wir nicht gehört werden, dann bellen wir nicht nur, sondern beissen auch.

Das Basel Tattoo 2011 wird in zwei Wochen durchgeführt. Haben Sie sich schon einmal eine Vorstellung angesehen?

Ja, ich war zwei Mal in der Arena. Unser Einspruch gegen die Bewilligung des Tattoos geht ja auch nicht gegen das Tattoo, sondern gegen dessen Ausdehnung auf dem Kasernenareal.