Verwirrung
Ticket-Ärger beim neuen Kunstmuseum

In der Besucherführung genügt der Neubau mit «höchstem Anspruch» den Ansprüchen noch nicht. Das haben auch die Verantwortlichen des Museums gemerkt, weshalb nun an der Signaletik im Haus gearbeitet wird.

Martina Rutschmann
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Billetts fürs Kunstmuseum können nur noch unter den Arkaden gekauft werden. Doch das muss man zuerst wissen.

Billetts fürs Kunstmuseum können nur noch unter den Arkaden gekauft werden. Doch das muss man zuerst wissen.

Martin Toengi

New York, Madrid, London. Noemi Sobol besucht Museen, egal, wo sie gerade ist. Die Baslerin lebt seit einer Weile im Ausland – und immer, wenn sie in Basel ist, schaut sie sich eine Ausstellung an. Diesmal war der Fall klar: Der Kunstmuseumsneubau muss es sein. Wegen des Hauses selber, aber auch wegen Jackson Pollock.

Und dann das: «Hier verkaufen wir keine Tickets, die gibt es nur im Hauptbau», sagte die Frau am Schalter in der Neubau-Eingangshalle. «Aber ich möchte nur die Pollock-Ausstellung sehen», entgegnete Noemi Sobol. «Warum kann ich hier kein Ticket kaufen?» Die Frau am Schalter reagierte, als ob sie diese Frage täglich hundert Mal zu hören bekommen würde und überreichte der Besucherin eine Visitenkarte. «Hier können Sie sich beschweren.»

Zur Sicherheit nur eine Billettkasse

Noemi Sobol hat sich beschwert. Geändert hat sich bisher nichts. Noch nicht. Die Verantwortlichen des Museums haben aber selber gemerkt, dass sich was tun muss. Zumindest in Sachen Orientierung: «Eine Arbeitsgruppe ist dabei, die Signaletik im gesamten Haus anzuschauen und zu optimieren», sagt Museumssprecher Michael Mathis. Geht es nach Noemi Sobol ist das bitter nötig. Nach dem gescheiterten Ticketkaufversuch ging sie in den Hauptbau und suchte den Schalter, an dem sie früher ihr Tickets gekauft hatte. Fehlanzeige. Auch hier: nur ein Infostand.

Das Kassenhäuschen befände sich neu unter den Arkaden, hiess es. Also ging sie zum zweiten Mal an Rodins Bürgern von Calais vorbei auf die Strasse. «Tickets» und ein Pfeil, tatsächlich, da steht ein Schild. Das hatte sie vorher übersehen. Aber es steht da, wenn auch nicht unübersehbar. Als der Neubau im Frühling eröffnet wurde, gab es noch kein Schild. Es war eine der Optimierungen, von denen Mathis spricht. Das Schild zeigt dorthin, wo Besucher ihr Ticket kaufen müssen, sofern sie es zuvor nicht schon online gekauft haben: Zu einem Fenster in der Museumswand, hinter dem eine freundliche Dame sitzt und 23 Franken kassiert.

Obwohl etliche Besucher verwirrt sind, will das Museum am Aussenkassenhäuschen festhalten. So soll die «Sicherheit beim Geldfluss» gewährleistet sein. Und: «Die Kasse befindet sich an einem zentralen Ort zwischen Neu- und Hauptbau, an dem alle Kundenbedürfnisse abgedeckt werden können», sagt Michael Mathis. Sollte ein behinderter oder älterer Besucher doch einmal aus Versehen beim Info-Schalter im Neubau anstehen, könnte er das Billett ausnahmsweise dort kaufen.

Schlecht beschilderte Garderobe

Auf seiner Website beschreibt Basel Tourismus den Neubau als «Ausstellungshaus von höchstem Anspruch». Die Bewertungen bei Tripadvisor bestätigen das. Ein User schreibt: «Man sollte unbedingt genug Zeit einplanen.» Im Nachhinein bedauert Noemi Sobol, sich diesen Tipp nicht zu Herzen genommen zu haben: Als sie endlich im zweiten Stock vor der Pollock-Ausstellung stand, forderte der Sicherheitsangestellte sie auf, ihre Tasche in der Garderobe zu hinterlegen. Diese befindet sich im Untergeschoss und ist schlecht ausgeschildert. Die Besucherin hatte nach all den Suchereien noch eine halbe Stunde Zeit, um Pollocks figurative Kunst zu betrachten. Die 23 Franken, die sie zahlte, bucht sie unter «Schweizer Preise» ab. Was für sie als Baslerin, die im Ausland lebt, aber nicht geht, ist die Kundenunfreundlichkeit: «Ich hoffe, die Arbeitsgruppe optimiert die Situation bald.»