Strafgerichtsurteil

Tickets für Flüge verkauft, die es gar nicht gab: Freisprüche für drei Reisebüro-Mitarbeiter

Tickets für Flüge verkauft, die es gar nicht gab: Die Mitarbeitenden wurden freigesprochen.

Tickets für Flüge verkauft, die es gar nicht gab: Die Mitarbeitenden wurden freigesprochen.

Die Mitarbeiter des Kleinbasler Reisebüros wurden am Freitag freigesprochen, weil sie vom Betrug vermutlich gar nichts wussten.

Über 400 wertlose Flugtickets führten dazu, dass im Sommer 2015 Dutzende von Familien unter anderem am Basler Euroairport in die Röhre schauten: Ihr gebuchter Flug nach Pristina existierte gar nicht. Der Prozess gegen drei Mitarbeitende des damaligen Kleinbasler Reisebüros führte nun am Freitag zu Freisprüchen.

Grund dafür war die unklare Beweislage sowie Fehler der Basler Staatsanwaltschaft. Gerichtspräsident Roland Strauss betonte, die Ermittler hätten zwar satte 64 Einvernahmen mit den Geschädigten geführt, aber gleichzeitig nicht mal den Versuch unternommen, herauszufinden, wer die faulen Flüge überhaupt im Buchungssystem erfasst und damit buchbar gemacht hatte. Es gebe Verdachtsmomente, etwa hohe Bargeldabhebungen zweier Angeklagter oder das komplette Fehlen jeglicher Buchhaltung. Gleichzeitig sei aber von den Beschuldigten teilweise auch versucht worden, den Kunden zu helfen.

Einen Betrug habe es gegeben, die Fluggäste seien getäuscht worden, doch vermutlich seien die falschen Daten ohne das Wissen der drei Beschuldigten in die Buchungsplattform eingespeist worden. Die Staatsanwaltschaft habe nicht nachweisen könne, wer die Tat begangen habe. Für zusätzliche Probleme sorgten zwei weitere Angeklagte, gegen die wegen ihres Wohnsitzes in Deutschland ein Verfahren geführt und dann eingestellt wurde. Die Einstellungsvoraussetzungen in Deutschland unterscheiden sich von denen in der Schweiz allerdings deutlich. Die drei Angeklagten sassen zu Beginn der Ermittlungen für mehrere Wochen in Untersuchungshaft und erhalten nun mit dem Freispruch eine Haftentschädigung von 200 Franken pro Tag im Gefängnis.

Von «uneinheitlich» bis «chaotisch»

Mit dem Freispruch wies das Gericht auch die Zivilforderungen der geschädigten Passagiere ab. Strauss betonte allerdings, dies betreffe nur die Klagen aus unerlaubter Handlung, eine Klage vor einem Zivilgericht sei weiterhin möglich. Allerdings war der Vertragspartner das Reisebüro, und das Konkursverfahren gegen die Firma wurde bereits im Juni 2016 eingestellt. Das Gericht kritisierte zudem, dass die Staatsanwaltschaft kurz vor der Hauptverhandlung noch alte Akten nachgereicht hatte. Insbesondere sei die Aktenführung «uneinheitlich» und «recht chaotisch» gewesen. Die Staatsanwaltschaft kann die Freisprüche noch weiterziehen.

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