Hilferuf

Ticketverkauf läuft nicht, nun setzt das Basel Tattoo «Kopfgeld» auf Besucher aus

Alle diese Stühle sollen besetzt sein, doch das Tattoo sitzt noch auf 10'000 Tickets.

Alle diese Stühle sollen besetzt sein, doch das Tattoo sitzt noch auf 10'000 Tickets.

Die Basel Tattoo-Macher starten einen Hilferuf an ihre freiwilligen Helfer. Sie sollen in ihrem Bekanntenkreis Tickets für das Militärmusik-Festival an den Mann bringen. Denn rund einen Monat vor der Premiere sitzt das Tattoo noch auf 10'000 Tickets.

Zehn Franken ist dem Basel Tattoo ein vermitteltes Ticket wert. Das schreibt Event-Manager Andreas Kurz den freiwilligen Helferinnen und Helfern des Tattoos. Sie sollen doch bitte in ihrem Bekanntenkreis Leute überzeugen, das Tattoo zu besuchen.

Denn das Basler Militärmusikfestival hat ein Problem. Für einmal nicht mit radikalisierten Anwohnern oder Toilettenstandplätzen, sondern mit dem Vorverkauf. 10 000 Tickets aller Kategorien und für alle Vorstellungen sind noch nicht verkauft, eine Ausnahmesituation für die erfolgsverwöhnten Tattoo-Macher rund um Erik Julliard. Die Norm, an die sie sich in den letzten Jahren gewöhnt haben, ist eine andere: Lange Schlangen vor dem Tattoo-Shop, ein Run auf die Tickets und ein ausverkauftes Haus schon Monate vor dem Startschuss. Nun droht jeder zwölfte Platz leer zu bleiben. Das klingt nach wenig, aber da sich das Problem nach Aussage von Marketing-Chef Raffael Kouril vor allem auf die Frühvorstellungen konzentriert, könnte es breite Lücken in den Reihen der Zuschauer geben.

Warnende Worte an die Helfer

«Das wird grossen Einfluss auf die Tattoo-Stimmung haben, und zweitens wird der finanzielle Schaden einen enormen Einfluss auf die zukünftige Ausrichtung des Basel Tattoo haben», schreibt Kurz in seinem Hilferuf an die Helfer. Deshalb sollen diese auch entlöhnt werden, wenn es ihnen gelingt, Zuschauer zu akquirieren: Einen Bon im Wert von zehn Franken verspricht Kurz den Helfern, wenn sie einen Tattoo-Besucher vermitteln. Diesen Bon können sie dann wiederum an der Tattoo-Street vor der Kaserne einlösen. Das Geld, im Idealfall satte 100 000 Franken, bleibt also sozusagen in der Familie.

Die Investition dürfte sich lohnen, denn 10 000 unverkaufte Tickets, das sind grob geschätzt rund eine Million Franken Einnahmen, die dem Tattoo fehlen würden. Eine Situation, die Kurz den Helfern als «weniger gut» schildert. Ganz so dramatisch sieht es Kouril nicht: «Es ist für uns einfach sehr ungewohnt und darum auch ein wenig beunruhigend, dass wir so kurz vor der Premiere am 18. Juli noch so viele Tickets haben.»

Opfer des eigenen Erfolgs

Kouril sieht das Tattoo ein Stück weit als Opfer des eigenen Erfolgs. «Die Besucher sind sich, wie auch wir, gewohnt, dass das Tattoo rasch ausverkauft ist. Darum wissen wohl viele nicht, dass es noch Tickets hat.» Das Anrufen der Helfer sieht er weniger als Verzweiflungstat als vielmehr eine Ausweitung der Marketing-Aktivitäten: «Wir verkaufen viele Tickets auch über den Tattoo-Club und andere Partner.»

Dass man nun auch die Helfer angehe, aktiver Werbung zu betreiben, sei nur logisch: «Das sind die Leute mit der grössten Affinität zum Tattoo. Sie wissen, dass auch die früheren Vorstellungen ihren Reiz haben.» Der Trend hin zu den Abendvorstellungen sei aber ungebrochen. Diese sind zwar teurer als die Nachmittagsvorstellungen, aber deutlich beliebter beim Publikum.

Gelingt es den Machern des Militärmusik-Spektakels bis zum 18. Juli nicht, die Tickets an den Mann zu bringen, droht dem bisher laufend expandierenden Gross-Event der erste herbe Rückschlag seiner achtjährigen Geschichte.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1