CS-Studie

Tiefe Steuern, gute Fachkräfte: Basel erstmals attraktiver als Zug

Basel überragt die Schweiz: Zumindest punkto Standortqualität. (zvg / Erich Meyer)

Basel-Stadt belegt den Spitzenplatz beim Standortranking der Credit Suisse. Zum einen hat Basel die Unternehmenssteuern gesenkt. Aber auch Faktoren wie Erreichbarkeit oder Verfügbarkeit von Hochqualifizierten flossen in das Ranking ein.

Eigentlich schien die Sache klar: Wer in der Schweiz Steuern sparen will, muss in den Kanton Zug ziehen. Ob bei Privatpersonen oder Unternehmen: Wie kein anderer gab der Innerschweizer Kanton beim nationalen Steuerwettbewerb den Ton an mit immer tieferen Sätzen. Seit Jahrzehnten galt Zug deshalb immer als Vorzeigekanton, wenn bürgerliche Kreise tiefere Steuern fordern.

Und nun das: Im gestern veröffentlichten Standortranking der Credit Suisse muss Zug erstmals die Krone abgeben. Auf Platz 1 liegt neu der Kanton Basel-Stadt, zuletzt Vierter im Ranking. Grund für den Thronwechsel ist die Senkung der Unternehmenssteuern im Rahmen der letzten Steuerreform STAF. Basel-Stadt hat rückwirkend auf den 1. Januar 2019 den Gewinnsteuersatz von 22 auf 13 Prozent gesenkt. Realistisch gerechnet, lag der Steuersatz in Basel schon vorher in diesem Bereich, da die grossen multinationalen Konzerne im alten System als Statusgesellschaften grosse Steuerprivilegien beanspruchen konnten. Doch es zählen nicht nur die Steuern: Daneben berücksichtigt das Ranking auch Faktoren wie Erreichbarkeit oder Verfügbarkeit von Hochqualifizierten.

Herzog: «Ich habe mir darüber nie Gedanken gemacht»

Der Wechsel an der Tabellenspitze scheint in Zug leichte Panik auszulösen. Nach Bekanntwerden der Studie beeilte sich die Finanzdirektion, zu vermelden, dass man bereits in drei Monaten die Goldmedaille wieder übernehme, nämlich wenn 2020 die eigenen Steuersenkungen in Kraft treten würden. «Die Frage der Spitzenposition ist dann geklärt», wird SVP-Finanzdirektor Heinz Tännler zitiert. Auf Nachfrage gibt er sich locker: «So viel Grandezza haben wir schon, dass wir den Baslern mal den Platz 1 gönnen würden. Der Kanton hat gut gearbeitet.» Es sei der Zuger Regierung aber wichtig gewesen, eine Erklärung abzugeben. Tännler geht nicht davon aus, dass es nun aufgrund des Rankings zu Abwanderungen von Firmen komme.

Auch die Basler Finanzdirektorin Eva Herzog will das Ranking nicht überbewerten, auch wenn sie sich über Platz 1 freue. «Ich habe mir diesbezüglich aber nie Gedanken gemacht.» Die Auszeichnung sei vor allem gut fürs Standortmarketing auf einer sehr oberflächlichen Ebene. «Langfristig sind aber andere Faktoren des Rankings wie etwa die Erreichbarkeit oder die Verfügbarkeit von hochqualifizierten Fachkräften entscheidender als nur der Steuersatz.» Und da stehe Basel-Stadt sehr gut da. Entsprechend bereite es ihr auch keine schlaflosen Nächte, dass der Kanton Zug bald wieder die Spitzenposition übernehmen dürfte. «Wir haben uns bei der Senkung der Unternehmenssteuer an den für uns wichtigen Branchen orientiert und diese so ausgestaltet, dass es möglichst wenig Steuerausfälle gibt», sagt Herzog.

Schneider-Schneiter sieht Baselbiet unter Zugzwang

Auch die Präsidentin der Handelskammer beider Basel Elisabeth Schneider-Schneiter freut sich über den ersten Platz: «Das Städteranking zeigt, dass es Basel-Stadt mit der Steuervorlage 17 gelungen ist, sich sehr attraktiv zu positionieren», sagt die Baselbieter CVP-Nationalrätin. «Für die Handelskammer ist das sehr erfreulich, denn sie engagiert sich stark für den Wirtschaftsstandort Basel und hat aktiv an dieser Vorlage mitgearbeitet.» Und Schneider-Schneiter nützt die Gelegenheit, um für die Steuervorlage ihres Parteikollegen Anton Lauber zu werben. «Will das Baselbiet nicht abfallen, muss es am 24. November ebenso Ja zur Steuervorlage sagen. Damit könnte es sich auch in den Top 5 positionieren.» Im gestern präsentierten Ranking belegen die Baselbieter den 11. Rang.

Auch die Credit Suisse schätzt den Umbau der Unternehmensbesteuerung als wichtigsten Einfluss auf die zukünftige Standortqualität in der Schweiz ein. Die neue Steuerreform mische die Karten im Standortwettbewerb neu. So drohe etwa der Kanton Bern, in den nächsten Jahren auf einen der hintersten Plätze zurückzufallen, nachdem Ende 2018 die Steuergesetzrevision abgelehnt worden ist.

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