Schifffahrt

Zu tiefer Wasserstand: Schiffe leer, Züge voll – und sogar der Fährimaa muss paddeln

Nicht nur für den Gütertransport hat der historisch tiefe Wasserstand negative Auswirkungen.

Der Wasserstand hat grosse Folgen für den Güter- und Personenverkehr auf dem Basler Rhein. Und während der Fährimaa schwitzt, profitieren die Eisenbahnen.

Ein Blick von der Wettsteinbrücke rheinaufwärts zeigt es: Der Rheinpegel ist so tief, dass Spaziergänger sonst auf von Wasser überspülten Kiesbänken spazieren können. Der Fährimaa der St. Albans-Fähre muss kräftig paddeln, damit er wegen der fast fehlenden Strömung überhaupt an Land kommt. Seit Juni steht der Pegel des Rheins nie mehr über sechs Meter, führt also Niedrigwasser.

Am Freitag musste die Containerschifffahrt auf dem Rhein eingestellt werden, wie das News-Portal «nau.ch» berichtete. Bereits im September zeigte sich, dass das Frachtvolumen auf dem Rhein abgenommen hat. Denn: Je weniger Wasser der Rhein führt, desto weniger können die Schiffe laden. Desto mehr Schiffe müssen eingesetzt werden, um den gleichen Güterumschlag zu schaffen. Die Preise steigen, bis es sich am Ende nicht mehr rechnet und der Transport auf anderen Verkehrsträger bewerkstelligt werden muss.

Dass am Rhein Ausnahmesituation herrscht, zeigt sich auch an den Frachtkosten für eine Tonne Öl. Diese sind in den vergangenen Monaten stark gestiegen, wie der Sonntagsblick schrieb. Und es wird noch teurer: Gestern Montag erreichte der Richtwert 174 Franken. Am Freitag lag er noch bei 168 Franken. Und er wird weiter ansteigen: Es gibt zu wenig Schiffe, die Öl den Rhein aufwärts in die Schweiz transportieren.

Umgekehrter Rastatt-Effekt

Die Verteuerung der Transportpreise zeigt sich nicht in den Benzinpreisen – oder besser noch nicht. Denn gleichzeitig mit dem Anstieg der Transportkosten ist der Erdöl-Preis zusammengebrochen. Am Freitag sei der Benzinpreis in gewissen gegen den der Schweiz gar gesunken, sagt ein Sprecher der schweizerischen Erdölvereinigung. Sollte sich der Rohölpreis wieder gegen oben orientieren, würde es aber entsprechend teurer.

Die Situation auf dem Rhein ist aussergewöhnlich. Und auch wenn erste Pflichtlager für Diesel freigegeben wurden, greift die Redundanz in den Verkehrswegen in die Schweiz. Fällt ein Weg komplett oder teilweise aus, wie jetzt die Schifffahrt, verlagert sich der Gütertransport entsprechend auf andere Transportarten. Das zeigte sich im letzten Jahr exemplarisch. Weil eine wichtige Bahn-Verbindung im deutschen Rastast wochenlang unterbrochen war, gab es deutlich mehr Güterumschlag auf dem Rhein. Bei den Schweizerischen Rheinhäfen stieg wegen Rastatt der Umschlag im August 2017 gegenüber dem Juli an.

In diesem Jahr ist es genau umgekehrt. Der Umschlag ist im August im Vergleich zum vergangenen Jahr um fast 50 Prozent eingebrochen. Der Import von Rohöl über die Rheinhäfen gar um über 60 Prozent. Diese Güter wurden auf anderen Wegen in die Schweiz gebracht: Hier zeigt sich der umgekehrte Rastatt-Effekt.

Positive Auswirkungen hat der niedrige Wasserpegel auf Eisenbahnen. So sei die Schweizerzug AG bis Mitte November komplett ausgebucht, ein Sprecher auf Anfrage sagt. Die Firma verbindet Rotterdam mit Frenkendorf per Zug, ist die Tochterfirma von Swissterminal und arbeitet eng mit BLS Cargo zusammen.

Weniger Passagiere

Nicht nur für den Gütertransport hat der historisch tiefe Wasserstand negative Auswirkungen. Die Personen-Schifffahrt leidet seit Monaten unter den Pegelständen. Vor allem in Richtung Basel zeige sich die Tatsache, dass die Station Rheinfelden nicht mehr angefahren werden könne, sagt Peter Stalder, Direktor der Basler Personenschifffahrtsgesellschaft. In Kaiseraugst würden deutlich weniger Passagiere einsteigen als sonst in Rheinfelden.

Um in Zukunft Niedrigwassereignisse zu entschärfen, wird der Rhein ausgebaggert. Vergangenen Montag nahmen die Bagger dabei das letzte Teilstück von Klingental bis zur Dreirosenbrücke in Angriff.

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