Veterinärmedizin

Tierarztpraxen sichern sich ab und setzen auf Sofortzahlung

Die Sofortzahlung in Tierarztpraxen ist für finanzschwache Kunden oft problematisch. Es gibt aber Möglichkeiten, Hilfe zu beantragen. Archiv/Chris Iseli

Die Sofortzahlung in Tierarztpraxen ist für finanzschwache Kunden oft problematisch. Es gibt aber Möglichkeiten, Hilfe zu beantragen. Archiv/Chris Iseli

In vielen Tierarztpraxen hat sich die Sofortzahlung eingebürgert. Oft wird gar eine Barzahlung verlangt.

Der Gang zur Tierärztin oder dem Tierarzt des Vertrauens gehört für Haustierbesitzer zum Alltag, ob für Checkup-Untersuchungen oder für schwerere Eingriffe. Während in der Humanmedizin Behandlungen jeglicher Art entweder über die Krankenkasse laufen oder in Rechnung gestellt werden, sieht dies in der Veterinärmedizin ganz anders aus.

Eine Zahnarztbehandlung bar bezahlen? Schwer vorstellbar. Geht es um Behandlungen an Tieren, liegt dies an der Tagesordnung. Während die tiermedizinische Gesellschaft der Region Basel eher von kleineren Beträgen berichtet, die bar bezahlt werden müssen, berichten einige bz-Leser auch von anderen Fällen: Eine Leserin musste ihre Katze notoperieren lassen und die dafür anfallenden 1000 Franken vor Ort bar bezahlen. «Bei Impfungen, Checkups und kleineren Notfällen fallen in der Regel Beträge von 100-200 Franken an», sagt Dr. Fabienne Burach von der tiermedizinischen Gesellschaft Basel, «diese Beträge werden vor Ort verrechnet, in bar oder mit Kartenzahlung.»

Weniger Schuldner dank Sofortzahlung

Tierarztpraxen müssen – wie Dienstleistungsbetriebe - kostendeckend arbeiten. Bei grösseren Notfällen brauche es deshalb oft eine Absicherung, dass man «dem Geld nicht nachrennen müsse.» In solchen Fällen werde oft eine Kostenvorauszahlung verlangt. Dienstleistungsbetriebe haben das Recht, die Zahlungsmodalität selber zu bestimmen. Recherchen der bz zeigen, dass viele Praxen sich die Rechnungsstellung ersparen: Von 30 Befragten Haustierbesitzerinnen und -besitzern geben 60% an, Behandlungen normalerweise in bar bezahlen zu müssen. «Der administrative Aufwand ist für eine Praxis natürlich auch kleiner, wenn die Rechnungsstellung entfällt», fügt Burach an.

Käthi Brunner, Tierärztin in Münchenstein, bestätigt, dass sie keine Schuldnerinnen und Schuldner mehr habe, seit sie die Beträge direkt per Karten- oder Barzahlung einfordere. Klar, schliesslich kann Behandlungen so nur einfordern, wer sie auch direkt bezahlen kann. Doch was tun, wenn das Budget für die medizinische Pflege des Haustiers nicht ausreicht? Schliesslich besagt das Tierschutzgesetz, dass Tierhalter verpflichtet sind, sicherzustellen, dass dem Tier kein Leid zugefügt wird. Dazu gehört auch die medizinische Versorgung. «Viele schämen sich dafür, nicht zahlungsfähig zu sein und verschulden sich dann eher, als dem Tierarzt oder der Tierärztin Bescheid zu sagen», sagt Sandra Müller von der Stiftung TBB Schweiz auf Anfrage der bz.

Kein Tier sollte leiden müssen

Dabei gäbe es Möglichkeiten: Veterinärmediziner haben die Möglichkeit, einen Antrag an eine Stiftung zu stellen, die in berechtigten Fällen einen Teil der jeweiligen Behandlungskosten übernimmt. Über die Höhe der Kostenbeteiligung entscheidet die Stiftung je nach Fall. Berechtigte Fälle sind jene, bei welchen die Zahlungsunfähigkeit nachgewiesen werden kann. «In den letzten Jahren haben die Unterstützungsanfragen solcher, die solch soziales Entgegenkommen schamlos ausnutzen wollen, stark zugenommen», sagt Müller aus eigener Erfahrung. Mitunter auch deshalb hätten viele Praxen auf Sofortzahlung umgestellt. Wenn Tierhalter Verantwortung übernehmen und Tierarztpraxen Toleranz zeigen, sollte aber kein Tier durch die Maschen fallen müssen.

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