Naturschutz

Tierische Angelegenheit: Im Erlenmattpark gibt es neue Bewohner

Es braucht gute Augen, um die Grüne Strandschrecke zu entdecken.

Es braucht gute Augen, um die Grüne Strandschrecke zu entdecken.

Sie sind schlank, grün-braun und haben lange Flügel: der Grünen Strandschrecke gefällts in Basel. Biologe Martin Frei sagt, «Heute finden wir hier über 100 Pflanzenarten, die in Basel auf der roten Liste stehen».

Konzentriert, die Augen ein wenig zusammengekniffen, bewegt sich Armin Coray langsam übers Gras. An genau dieser Stelle, mitten im Erlenmattpark, hat er gemeinsam mit einem Kollegen am 10. August die Grüne Strandschrecke entdeckt und eindeutig identifiziert. «Sie mag es feucht und warm und bevorzugt offene Stellen», sagt Coray, wissenschaftlicher Zeichner und Mitarbeiter des Naturhistorischen Museums. Die neue Parkbewohnerin gilt als sehr flugtüchtig. Und genau das verrät sie an diesem noch leicht trüben Morgen im Spätsommer: Ein Exemplar fliegt auf, landet zwischen den Gräsern – und zack, stülpt Coray einen Plastikbecher über das knapp zwei Zentimeter lange Tier. Es ist ein eher unscheinbares Männchen. «Die Weibchen sind grösser», erklärt er. Und Armin Coray muss es wissen, hat er doch ein Bestimmungsbuch für die Heuschrecken der Schweiz mitverfasst.

Ein Zeichen für die Biodiversität

Der neue Bewohner des Erlenmattparks.

Der neue Bewohner des Erlenmattparks.

Es könnte sein, dass die neue Parkbewohnerin über die Kantonsgrenze nach Basel flog. Die Schrecken-Art kommt nördlich der Alpen in der Schweiz nur in der Region Basel vor, zum Beispiel in der Kiesgrube in Oberwil oder auf der Lachmatt in Muttenz. «Das sind eigentlich Amphibien-Laichgebiete», erklärt Coray. Wahrscheinlicher aber ist, dass die Grüne Strandschrecke über die Landesgrenze aus dem Elsass eingewandert ist. Und das schon vor einigen Jahren, unmittelbar nach der Parkgestaltung. «Wir haben Bilder von 2010, konnten sie aber nicht eindeutig identifizieren», sagt Martin Frei. Der Biologe begleitet den Aufbau des Erlenmattparks seit Beginn.

Die neue Insektenart im Erlenmattpark ist eigentlich ein Indiz dafür, dass der Park ein Erfolg ist. «Für uns ist das ein Zeichen, dass der Park ökologisch funktioniert», sagt Roland Wiedmer, Projektleiter des Erlenmattparks seitens der Basler Stadtgärtnerei. Er meint damit, dass sich der grosse Aufwand gelohnt hat, der bei der Gestaltung des Erlenmattparks betrieben wurde und weiterhin betrieben wird. Dort, wo sich die Grüne Strandschrecke niedergelassen hat, beispielsweise, wurde im Park Material eingebaut, das vorher ebenfalls auf dem Areal der Deutschen Bahn lag. «Es ist im Prinzip der Zwischengleisbereich», erklärt Wiedmer. Gleich daneben wurde Oberboden von einer Obstbaumwiese in Pratteln eingebaut. Der Unterschied ist deutlich sichtbar und das nicht nur, weil auf der einen Fläche nicht gemäht ist. Die Zusammensetzung der Pflanzen ist anders.

Ausgestorbene Pflanzen leben auf

Im Park gibt es ganz unterschiedliche Vegetationsflächen und sogenannte Kleinstrukturen, die auch unterschiedlich gepflegt werden. Während an einem Ort das Gras regelmässig geschnitten wird, bleibt es an einem anderen Ort länger stehen oder wird gar der Boden auch mal umgepflügt. Seit es den Park gibt, also seit 2011, hat sie nicht nur die Grüne Strandschrecke angezogen. «Heute finden wir hier über 100 Pflanzenarten, die in Basel auf der roten Liste stehen», sagt der Biologe Martin Frei. Deutlich mehr als zu Zeiten der Bahnnutzung. Auch sind Arten wieder gewachsen, die vorher in Basel als ausgestorben galten. Zum Beispiel die Spurre, ein eher krautartiges Nelkengewächs mit feinen weissen Blüten. «Mich überrascht nichts mehr auf der Erlenmatt», meint Frei ein wenig abgeklärt. Auch bei den Tieren nicht: «Im nördlichen Teil leben auch einzelne Schlingnattern. Und ab und zu hoppelt sogar der Feldhase über die alte Eisenbahnbrücke auf die Erlenmatt.»

Und offenbar kommt der etwas andere Basler Park, der zum grossen Teil auch Naturschutzgebiet ist, auch bei der Bevölkerung gut an: «Wir erhalten manchmal auch Briefe mit getrockneten Blumen als Dank», erzählt Wiedmer.

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