«Die Tiere im Zoo Basel brauchen Beschäftigung. Sonst wird es langweilig für sie», sagt Friederike von Houwald, Kuratorin des Zoos. Denn den Überlebenskampf hätten sie nicht im Gehege und die Nahrungssuche falle auch weg. Um die Tiere vor der Langeweile zu retten hat der Zoo Basel getüftelt: Früchte im Eis für die Tiere soll helfen. Das ist die Lösung. Während den heissen Tagen im Somer dürfen sich die Tiere über die spezielle Glace freuen. An der Medienkonferenz vom Mittwoch wurden die Tiere live gefüttert und gleichzeitig wurde das Konzept hinter dem Eis vorgestellt.

Zuerst werden die Javaneraffen gefüttert. Sofort springen die kleinen Äffchen aus ihren Löchern und beginnen zu schreien. «Die Javaneraffen streiten eben gerne, vor allem wenn es ums Essen geht», sagt Adrian Baumeyer, ein weiterer Kurator des Zoos. Damit die jüngeren und kleineren Exemplare nicht hungern müssen, wurden extra viele Glacen hergestellt. Die Affen versöhnen sich aber auch gerne und dafür würden die Tiere ihre Zungen rausstrecken oder schmatzen. Eine Tierpflegerin verteilt die Glace in Joghurtbecher-Form. Nach den Streitereien um das Eis schlecken die Äffchen tüchtig und versuchen, den Block aufzubrechen. Andere warten, bis das Eis geschmolzen ist. Javaneraffen sind zudem die einzigen Affen, die ins Wasser tauchen. Freilebende Exemplare essen zum Beispiel kleine Krebse und tauchen dafür ins Wasser.

Glace in allen Grössen

Der Nashornbulle Jaffna mag das Eis besonders gerne. Er ist aber kein gieriger Fresssack - ganz genüsslich schleckt er Stunde für Stunde das Eis. Zwischendurch kühlt er seine Stirn oder seinen Nacken mit dem vom Baumstamm hängenden Eisblock, der um einiges grösser ist als das Joghurtbecherchen der Javaneraffen. Den Eisblock einfach ins Gehege zu werfen, mache wenig Sinn, sagt von Houland. «Weil der Bulle den Block dann mit seiner Kraft in kleine Stückchen schlagen würde», sagt sie. Brocken essen brauche wenig Zeit, somit wäre der Bulle zu kurz beschäftigt.

Ein Glace schleckendes Nashorn im Zoo Basel

Jaffna beim Eisschlecken.

   

Bei den Zwergottern wird es komplexer. Damit sie unterhalten werden, läuft auch hier die Fütterung in einem speziellen Rahmen ab. Der Tierpfleger Roland Schweizer und sein Team haben ein Konstrukt entwickelt, das die Tiere mit Flaschenzügen und Behältern fordert, aus denen das Futter nur durch kleine Löcher herausgeholt werden kann. Die Zwergotter bemühen sich, springen, kreischen und zeigen höchste Akrobatikkünste. Ab und zu sieht man sie dann die gefrorenen Früchte kauen.

Otter spielen im Zoo Basel

Die Zwergotter bemühen sich um ihr Futter.

Otter spielen im Wasser - Zoo Basel

Im Wasser geht der spielerische Kampf weiter.

Beschäftigung macht zufrieden

Der Kampf ums Essen, das Auseinanderbrechen des Eises, stundenlanges Schlecken und die Tüftel-Konstruktion - sämtliche Massnahmen erschweren den Tieren den Zugang zum Futter. Ist das nicht Quälerei? «Nein, essen können die Tiere trotzdem. Verletzt werden sie auch nicht», sagt von Houland. Diese Methode würde die Tiere beschäftigen, was eine positive Wirkung zeige. Ob sich also die Tiere ohne Extra-Programm gelangweilt und somit unwohl fühlen im Zoo? Ohne Beschäftigung könnten die Tiere aus ihrem Rhythmus fallen und unzufrieden sein, sagt von Houland. «Deshalb legt der Zoo grossen Wert auf die Beschäftigung.» In der Natur müssten die Tiere ihre Nahrung suchen, gegen Rivalen kämpfen und seien der Witterung ausgesetzt. «Es ist unmöglich, die Natur perfekt zu kopieren», sagt sie. «Aber die Tiere hier sind zufrieden und pflanzen sich fort.»

Im Sommer bekommen die Tiere ungefähr zwei Mal pro Woche Eis zum Schlecken. Bei ganz hohen Temperaturen auch öfters. Nächsten Sonntag findet wieder eine Eisfütterung statt.