Unter dem Weihnachtsbaum entdeckt man ein kuschliges Kaninchen, ein kleines Kätzchen oder einen süssen Hundewelpen. Die neuen Familienmitglieder sorgen sicherlich für strahlende Kinderaugen. Die Entscheidung, ein Tier zu verschenken, bedarf jedoch einer langen und intensiven Überlegung. Zeit, die man vor Weihnachten in der Regel nicht hat. Denn dann gilt meist: Ein Geschenk muss her – und zwar schnell.

Doch Tiere als Spontan-Geschenk bringen fast immer Probleme mit sich. Hinzu kommt: Sie lassen sich nicht so einfach umtauschen wie ein Pullover oder ein Spielzeug. Auch wenn es heutzutage beim Preis keine grossen Unterschiede zu den genannten Gegenständen mehr gibt.

Die Zahl der ausgesetzten oder abgegebenen Tiere steigt jährlich. Spontane Urlaubspläne, unerwartete Kosten oder einfach die Anforderungen an eine artgerechte Haltung der Tiere lassen nämlich die Freude an so manchem tierischen Geschenk schnell vergehen. Aufgaben wie Katzenklo-, Käfig- oder Aquarium-Reinigung, Fellpflege, Ausführen, Fütterung, Erziehung lassen manchen Geduldsfaden reissen. Wer für welchen Bereich verantwortlich ist, sollte schon vor dem Kauf besprochen werden.

Verkauf aus Schutz

Wie auf der Homepage von «Fressnapf» zu lesen ist, verzichtet die Zoohandelskette in Österreich eine Woche vor Weihnachten darauf, Tiere zu verkaufen. Unter dem Motto «Tiere sind keine Weihnachtsgeschenke» werden keine Kleinsäuger wie Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster, Maus und Co. in den österreichischen Filialen abgegeben. Mit diesem Verkaufsstopp will das Unternehmen ein Zeichen setzen. «Tierbesitzer sollten sich bewusst sein, dass sie kein Produkt kaufen», sagt Jürgen Seiwaldstätter, Marketing Manager von «Fressnapf». Denn Tiere sind keine Gegenstände. «Es handelt sich um ein Familienmitglied, das für eine längere Zeit beim Besitzer bleibt.»

Was gewisse Käufer verdrängen würden: Weihachten bedeutet für ein Tier Stress pur. Die neue Umgebung, fremde Gerüche und der weihnachtliche Trubel sind für die Vierbeiner zu viel und bedeuten keinen guten Start ins neue Zuhause. «Vor allem Kleintiere haben an solchen Anlässen grosse Mühe, da sie sehr schreckhaft sind.» Wenn alle vor dem Käfig stehen und reingreifen möchten, würde das Meerschweinchen am liebsten flüchten. «Für das Tier ist es das gleiche, als würde ein Greifvogel von oben her kommen.»

Was in Österreich schon seit 2013 in Kraft getreten ist, ist beim Schweizer Marktführer Qualipet kein Thema. «Bei uns werden Kleintiere auch an Weihnachten verkauft», sagt eine Mitarbeiterin in der Basler «Qualipet»-Filiale. Einer der Gründe dafür sei das gut ausgebildete Personal. «Vor jedem Kauf prüfen wir in einem Beratungsgespräch, ob der Kunde für dieses Tier geeignet ist.» Dabei komme es auch öfters vor, dass der Tierkauf verweigert werde. «Viele Kunden versuchen dann auch zu schummeln, indem sie etwas vorlügen.» Hundertprozentig ausschliessen, dass diese Personen nicht doch an Tiere gelangen würden, könne man aber nicht.

Dieses Jahr beobachtet «Qualipet» aber weniger Käufe. «Ich denke, das liegt daran, dass das Bewusstsein in der Bevölkerung grösser geworden ist», erklärt Béatrice Kirn, Geschäftsleiterin des Tierschutzes beider Basel. Auch im Tierheim werden an Weihnachten weiterhin Tiere vermittelt. «Es kann aber durchaus sein, dass wir vermehrt Kontrollen machen», meint Kirn.

Tierfreundlich schenken

Was auffällt, ist, dass die Tiere vermehrt im Ausland gekauft werden. «Für gewisse Kunden sind die Preise im Ausland attraktiver, die Auswahl an Tieren grösser», sagt eine Mitarbeiterin zur bz. Was dabei auf den ersten Blick nicht sichtbar ist: «Viele Tiere im Ausland sind krank, wurden zu früh von ihrer Mutter getrennt oder sind nicht so zahm, wie man sich das wünschen würde», sagt Béatrice Kirn. Wird dieser Mangel nach den Festtagen bemerkt, wird das Tier abgegeben oder beim nächsten Urlaub an der Raststätte stehen gelassen.

«Man muss sich immer überlegen, ob eine Vorschrift Sinn macht», sagt Béatrice Kirn. Denn wer wegen eines Verkaufsstopps sein Tier nicht erhält, bekommt es halt irgendwo anders. «Gewisse Menschen können es halt einfach nicht nachvollziehen, wenn wir ihnen kein Tier vermitteln wollen oder der Kauf in der Zoohandlung verweigert wird.»

Was viele vergessen: «Man kann auch tierfreundlich schenken», sagt Jürgen Seiwaldstätter. Es reicht auch, wenn man vorerst einen Käfig, ein Körbchen und ein Sachbuch kauft. «So kann sich das Kind auf das Tier einstellen und sich damit auseinandersetzen.» Wird nämlich zu Weihnachten ein Meerschweinchen verschenkt, hat das Kind nicht viel davon. «Man sollte an Weihnachten darauf achten sinnvoll zu schenken. Da gehören Tiere definitiv nicht dazu.»