Der Trend ist eindeutig: Dem Schweizer Tierschutzgesetz zum Trotz werden landesweit wieder vermehrt Tierversuche durchgeführt. «Es sind vor allem die Hochschulen, die aufrüsten», betont die Baselbieter Grünen-Nationalrätin Maya Graf. «Das ist bedenklich.» Während die Industrie in den letzten Jahren ihre Hausaufgaben gemacht hat und auch aus Kostengründen weltweit immer öfter auf Alternativmethoden umsteigt, ist bei den Hochschulen das Gegenteil der Fall. Sie hätten ja auch weniger Kostendruck, kommentiert Graf. Selbst der Bundesrat meldet Bedenken an.

«Es werden Millionen öffentlicher Gelder in Tierversuche gesteckt», klagt Graf. «Und das in Zeiten, in denen die Steuergelder knapp sind und dann anderswo fehlen.» Das moniert auch Julika Fitzi vom Schweizer Tierschutz STS: «Dabei gäbe es günstigere Technologien, welche die Zahl der Versuchstiere stark reduzieren liessen. Dorthin fliesst aber nur sehr wenig Geld.» Ein Dorn im Auge der Kritiker ist denn auch das neue Biozentrum der Uni Basel. Graf: «Hier werden die Weichen einmal mehr in die falsche Richtung gestellt.»

Noch ist das neue Biozentrum im Bau. Bis im Herbst 2018 soll der 73-Meter-Turm eröffnet werden. Auf 19 Etagen werden hier 600 Forscher und 800 Studenten arbeiten. Insgesamt 328 Millionen Franken haben die Trägerkantone Basel-Stadt und Baselland investiert. Ganz unten im Keller ist dabei auf 2100 Quadratmeter eine Tierversuchsstation mit rund 10 000 Käfigen geplant. «Es sollen hauptsächlich Mäuse gehalten werden; ein kleiner Teil sind Ratten», sagt Uni-Sprecher Matthias Geering.

Versuchslabor für 25 Millionen

War bisher stets von rund 40 000 Labortieren die Rede, spricht die Uni heute nur noch von 30 000. Unter dem Strich rechnet sie so mit Investitionskosten von rund 25 Millionen Franken. Zu den Unterhaltskosten dagegen seien noch keine Angaben möglich. Das aber wird von den Kritikern bezweifelt: Sie schätzen die Investitionen eher auf 50 Millionen. Zudem: Ausgehend von bisher 40 000 Versuchstieren rechnen sie gemäss Kostenmodell der eidgenössischen Finanzkommission mit jährlichen Unterhaltskosten von zehn Millionen. «Alleine dafür könnten am Biozentrum zwei Lehrstühle für alternative Forschungsmethoden eingerichtet werden», kommentiert Tierschützerin Fitzi.

«Den Hochschulen fehlen Mut und Kostendruck, um neue Wege zu beschreiten», sagt Fitzi. «Dabei sprechen nicht nur ethische Gründe gegen Tierversuche. Es gibt auch kostengünstigere Alternativen wie Gewebemodelle, ergänzt Nationalrätin Graf. «Unis in anderen Ländern machen es uns vor.» Hier aber flössen jährlich 100 Millionen alleine in den Unterhalt von Versuchsstationen, während nur wenige Hunderttausend Franken an die Förderung
von Alternativmethoden gingen. «Es braucht ein Umdenken. Die Schweiz aber bewegt sich nicht vom Fleck.»

Bei der Uni Basel widerspricht man: Sie spreche sich konsequent für Alternativmethoden aus. «Überall dort, wo Tierversuche ersetzt werden können, muss das zwingend erfolgen», sagt Uni-Sprecher Geering. Gerade Forschung, die sich mit ganzen Systemen befasst, sei aber weiter auf Tierversuche angewiesen. Das betrifft gerade die Grundlagenforschung, deren Erkenntnisse später der Medizin zugutekämen. Und: Wo nicht auf Tierversuche verzichtet werden kann, werde alles darangesetzt, die Tiere so schonend zu behandeln.

Bemühen reicht Kritikern nicht

Den Kritikern reicht das nicht. Die Anforderungen an die Haltung von Versuchstieren seien «minimalistisch und weit entfernt von einer artgerechten Haltung». «Wir sind nicht gegen Forschung in der Schweiz», versichert Fitzi. Es könnten aber nicht weiter ungefragt so viele Steuergelder in Tierversuche gesteckt werden. «Es muss endlich in eine andere Richtung gehen», sagt Fitzi. «Mittlerweile hat auch der Bundesrat den Handlungsbedarf erkannt, aber noch nicht die Dringlichkeit der dafür nötigen Investitionen.»