Sie gehören zu den ältesten Traditionen rund um die Basler Fasnacht: die Chaisen. In einer Kutsche sitzend verteilen die Ross-Wäägeler Mimösli an Passanten. Diese Kutschen werden von Pferden gezogen – dies ist dem Tierschutzbund Basel Regional (TSB) ein Dorn im Auge. «Wir erhalten vor und nach der Fasnacht jeweils sehr viele Reaktionen von Personen, die sich um die Rösser sorgen», sagt TSB-Präsidentin Nadja Wüthrich.

Pferde seien Fluchttiere und im Lärm der Fasnacht deshalb grossem Stress ausgesetzt.«Aus diesem Grund werden die meisten dieser Tiere mit Beruhigungsmitteln sediert», sagt Wüthrich. Im Trubel der Fasnacht hätten die Chaisen in dieser Form nichts mehr zu suchen. «Es spielt ja für die Passanten ja auch kaum eine Rolle, ob der Wagen nun von einem Pferd, einem Velo oder einem Traktor gezogen wird», so Wüthrich. Darüber hinaus sieht sie eine Gefahr für die Passanten: «Es könnte ja passieren, dass ein solches Ross durchbrennt.»

Nicht erst seit dieser Fasnacht versucht der TSB deshalb, ein Verbot für die Chaisen zu erwirken; oder zumindest eine Diskussion darüber anzuzetteln, ob diese Tradition noch zeitgemäss sei. In der Tat: Die Chaisen entstammen einer Zeit, in der noch keine Guggenmusiken durch die Basler Strassen zogen. Auf diese hat es ganz besonders der TSB abgesehen: «Es ist für mich unverständlich, dass die Chaisen oft direkt vor einer Gugge eingereiht werden», sagt Wüthrich.

Kantonstierarzt Michel Laszlo sagt: «Es gibt vonseiten des Comités klare Anweisungen, wie mit den Chaisen zu verfahren ist. Vor und nach einer Gugge werden diese nicht in den Cortège eingebunden. Wenn doch, so handelt es sich um einen bedauerlichen Einzelfall.» Er sei selbst an der Fasnacht gewesen und habe keine leidenden Tiere gesehen: «Diese Rösser werden über Jahre an Menschenmassen gewöhnt. Ein grosser Teil wird deshalb nicht betäubt.» Für ein Verbot sieht er keine Handhabe: «Wir handeln nach dem Tierschutzgesetz. Dagegen können wir keinen Verstoss feststellen.»

Auch die geforderte Kontrolle aller eingesetzten Pferde sei weder realistisch noch zielführend. Das Thema werde immer wieder aufgegriffen, und man habe die Situation der Chaisen schon zusammen mit Tierschützern und dem Comité beraten. Wüthrich ist mit der Haltung des Veterinäramtes nicht zufrieden und behält sich vor, politisch aktiv zu werden.