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Tinguelys Höllenmaschine wird wieder fahrtüchtig gemacht

«Le Safari de la Mort Moscovite» (1989) von Jean Tinguely soll bis zum Gedenkumzug am 3.September in Fribourg wieder fahrtüchtig gemacht werden.

«Le Safari de la Mort Moscovite» (1989) von Jean Tinguely soll bis zum Gedenkumzug am 3.September in Fribourg wieder fahrtüchtig gemacht werden.

Eine Fahrskulptur von Jean Tinguely wird restauriert um für einen Gedenkumzug in Fribourg wieder fahrtüchtig zu sein. Die Besucher können dabei im Museum Tinguely zuschauen.

Gehörnte Tierschädel mit weit aufgerissenen Kiefern und gefährlichen Zähnen schmücken die Kühlerhaube von Tinguelys «Le Safari de la Mort Moscovite». Ist das ein Gefährt aus dem apokalyptischen Hollywoodstreifen «Mad Max»? Das Höllenfahrzeug erinnert aber auch an Arnold Böcklins Pestgemälde aus dem Basler Kunstmuseum. Denn eine rostige Sense krönt die Konstruktion. Die Basis von «Safari» – so der offizielle Kurzname – bildet ein ausrangierter «Renault 5». Im hinteren Teil sind Holzräder montiert, dazwischen finden sich allerlei «Fundgegenstände aus unserer Konsumgesellschaft» erklärt die Kuratorin Annja Müller-Alsbach.

Würde der Motor des Renaults gestartet, würde sich «Safari» nach vorne bewegen und dabei die hinteren Räder antreiben. Diese Räderbewegung lässt sich per Knopfdruck auch im Museum auslösen. Es quietscht und kratzt, wie wir es von anderen Tinguelys kennen. «Liefe der Benzinmotor, würde darüber hinaus beissender Gestank das Vehikel umschweben», ergänzt der Restaurator Albrecht Gumlich.

Safari im Moskauer Schnee

Tinguelys kinetische Konstruktion entstand 1989 für die grosse Retrospektive im Moskauer Museum Zentrales Haus des Künstlers. Es war eine Zusammenarbeit mit seinem Assistenten Seppi Imhof. «Tinguely hatte sich immer gewünscht, dass Safari nur im Schnee fahren solle», erklärt Müller-Alsbach. «Am liebsten auf dem Roten Platz in Moskau.»

Anlässlich des 25. Todesjahres des Künstlers wird die Maschine restauriert und für einen Gedenkumzug in Fribourg fit gemacht. Dort, in Tinguelys Geburtsstadt, wird am 3. September 2016 der sogenannte «Grand Prix Tinguely» stattfinden. Eine Prozession, die von «Safari» angeführt werden soll. «In einem langen Cortège werden Fasnachtswagen, Rennautos und Oldtimer hinter Tinguelys Fahrskulptur folgen», erläutert Müller-Alsbach. Dafür wird «Safari», das zur Sammlung des Museum Tinguely gehört, von einem Restauratorenteam vorbereitet.

«Wir müssen etwa die Zähne der Schädel befestigen, damit sie bei den Vibrationen nicht ausfallen werden», erklärt die angehende Restauratorin Chantal Willi. «Die Maschine darf während des Umzugs nicht beschädigt werden. Das steht im Zentrum», betont ihr Kollege Gumlich. So müssen die Haarrisse im Chassis ausgebessert werden. Vielleicht muss man sogar schweissen. Der Restaurator bemerkt jedoch: «Ziel ist es nicht, die Maschine auf Teufel komm raus zum Fahren zu bringen. Nicht reversible Eingriffe, wie etwa Schweissarbeiten, werden daher nur im äussersten Notfall angewendet.»

Seit dem 19. April wurde im Museum Tinguely eine öffentliche Restaurierungswerkstatt eingerichtet. Dort kann man sich die verschiedenen Konservierungs- und Restaurierungsmassnahmen von den anwesenden Restauratoren erklären lassen.

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