Noch am Montag hatte der Chef des Tarifverbunds Nordwestschweiz (TNW) Andreas Büttiker der bz gesagt, er warte auf die Ergebnisse einer Studie, bevor entschieden werde, ob das U-Abo künftig in unterschiedlichen Zonen zu unterschiedlichen Tarifen angeboten werden soll. Am Dienstag aber folgte eine Medienmitteilung mit einer ganz anderen Aussage: Die Vollversammlung des TNW habe sich am Dienstagabend gegen eine derartige Zonierung entschieden. Auf Nachfrage erklärt Büttiker, die Studie des Ingenieurunternehmens Rapp Trans liege nun vor, den Medien werde sie aber nicht zugestellt. Die zentrale Aussage lautet gemäss Büttiker: «Der Ertrag mit einem U-Abo, das zwischen zehn Zonen unterscheidet, wäre sechs bis acht Millionen Franken, also um 3,5 Prozent höher als mit einer Zone.» Offenbar nicht genug Geld, um die TNW-Vollversammlung zu überzeugen: «Das ist es uns nicht wert, das System zu ändern in einem Erfolgsmodell wie dem U-Abo.»

Entscheid gilt nicht ewig

Der Entscheid sei abschliessend, so Büttiker weiter. Aber das heisse nicht, dass die Forderung nach einer Zonierung, die in Basel-Stadt bis ins grüne Lager hinein von Politikern unterstützt wird, nun endgültig vom Tisch sei: «Bei der Gründung vor 26 Jahren wurde die Zonierung geprüft, danach immer wieder, zuletzt vor zwei Jahren. Wir werden auch in Zukunft die Tarifstrukturen immer wieder überdenken.» Insbesondere, weil auf nationaler Ebene in den nächsten Jahren auch grosse Umstellungen zu erwarten seien.

Die Ungerechtigkeit der Distanzen

Das Grundproblem ist immer dasselbe: Da der TNW nur aus einer Zone besteht, bezahlen Pendler, die jeden Morgen vom Gundeli zum Barfüsserplatz fahren, genau gleich viel für ihr U-Abo wie jemand, der täglich im aargauischen Zeihen einsteigt und ins solothurnische Hofstetten will. Das hatte beispielsweise den Grünliberalen Basler Grossrat Emmanuel Ullmann gegenüber der bz zur Äusserung veranlasst: «Wenn man nach dem Verursacherprinzip gehen will, müssen jene, die von weiter weg kommen, mehr bezahlen. Wir haben und wollen immer mehr Mobilität, und da ist der Preis des U-Abos definitiv zu günstig.»

Zonierung andernorts etabliert

Andere Regionen wie Bern mit seinem Libero-Abo oder Zürich mit dem ZVV haben längst verschiedene Abonnemente für verschiedene Zonen eingeführt. Büttiker sagt nun, die für die Studie von Rapp Trans erhobenen Daten hätten Überraschendes in Bezug auf die zurückgelegten Strecken im TNW ergeben: «Über 80 Prozent der U-Abonnenten bewegen sich im Bereich von einer oder zwei Zonen.» Und somit mache eine Zonierung nur wenig Sinn. Die Mehreinnahmen würden den möglichen Image-Schaden für das Vorzeigeprojekt U-Abo nicht rechtfertigen. Ob sich die basel-städtischen Verfechter einer Zonierung von diesen Argumenten überzeugen lassen, wird sich zeigen. Erste Reaktionen fielen verhalten aus. Man wolle zuerst die Studie sehen und dann öffentlich Stellung nehmen, so der Tenor.