Riehen
Tod im Niemandsland: Die Aufklärung des tragischen Sturmunglücks gestaltet sich schwierig

Am Donnerstag krachte ein Baum auf ein Jurtezelt. Dabei starb eine 61-jährige Frau. Das Unglücks-Zelt wurde im selben Grundstück vom Schweizer auf Deutschen Boden verschoben. Besitzer und Bauinspektorat sind deswegen nicht in der Verantwortung.

Jakob Weber
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Im März 2017 befand sich das Jurtezelt auf dem Grundstück an der Wiesendamm-Promenade in Riehen noch auf Schweizer Boden. Am Donnerstag krachte auf deutschem Staatsgebiet ein Baum in das im Sommer verschobene Zelt und forderte ein Todesopfer. Für die 61-jährige Frau, die gemeinsam mit ihrem Mann im Stile mittelasiatischer Nomaden im Jurtezelt übernachtet hatte, kam jede Hilfe zu spät. Die Aufarbeitung des tragischen Zufalls ist nicht ganz einfach, denn die Unfallstelle befindet sich quasi im Niemandsland.

Frau wurde in Jurte von Baum erschlagen    
15 Bilder
Sturm Zubin Region Basel
Der Baum stürzte am Morgen auf die Jurte.
Für die Frau kam jede Hilfe zu spät.
Ihr Mann wurde leicht verletzt.
Weitere Sturmschäden in der Langen Erle.
Auf dem Bruderholz hat der Sturm einen Baum gefällt.
Die Linien 15 und 16 waren blockiert.
In der Nacht auf Donnerstag stürzte in Pfeffingen ein Baum auf ein fahrendes Auto.
Der Lenker bleib unverletzt.

Frau wurde in Jurte von Baum erschlagen    

Aber von vorne: Das Grundstück gehört der Industriellen Werke Basel (IWB). Seit 1996 hat der Besitzer die Parzelle verpachtet. «Die IWM hat von der Errichtung und Verschiebung des Jurtenzeltes keine Kenntnis», sagt IWB-Sprecher Erik Rummer. Ebenfalls ohne das Mitwissen der IWB hat das nun verunglückte Ehepaar am 8. März 2017 einen ablehnenden Bauentscheid erhalten. Das Bau- und Gewerbeinspektorat Basel-Stadt hatte sich darin direkt an die Pächter gewandt. Der Grund: Laut Zonenplan darf die betroffene Parzelle nur zu maximal drei Prozent bebaut werden. Das Jurtezelt darf also dort nicht stehen bleiben.

Das Ehepaar machte sich ein Schlupfloch zunutze und zügelte das Zelt ein paar Meter weiter innerhalb der selben Parzelle, aber auf deutschem Boden. «Wir haben im Oktober nachgeschaut und gesehen, dass das Jurtezelt an einen neuen Standort verschoben wurde», sagt Luzia Wigger Stein, Leiterin des Bau- und Gewerbeinspektorats Basel-Stadt und fügt an: «Weil das Zelt aber nun extraterritorial auf deutschem Boden stand, war die Angelegenheit für uns erledigt. Denn auf deutschem Staatsgebiet haben wir rein gar nichts zu sagen.» Weil das nun zuständige Amt in Weil am Rhein die Verschiebung noch nicht registriert hat, stand das Zelt auch in der Unglücksnacht noch im Niemandsland.