Das Appellationsgericht ging aufgrund eines Obergutachtens in dubio pro reo statt von direktem Vorsatz von Eventualvorsatz aus, wie die Gerichtsschreiberin am Freitag auf Anfrage sagte. Demnach könne sich der tödliche Schuss auch im Rahmen einer Bewegung gelöst haben. Die Vorinstanz war dagegen von einem aufgesetzten Schuss ausgegangen.

Der Verteidiger hatte am Mittwoch in der Berufungsverhandlung eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren verlangt, die Staatsanwältin dagegen 14 Jahre. Der Verurteilte muss nun zusätzlich auch noch eine kurz vor der Bluttat in Basel bedingt ausgesprochene Freiheitsstrafe von 16 Monaten absitzen.

Kein Freispurch für Mittäter

Für einen gleichaltrigen Mittäter, der ebenfalls wegen vorsätzlicher Tötung verurteilt worden war, reduzierte das Appellationsgericht die vom Strafgericht ausgesprochene Freiheitsstrafe von sechs Jahren um ein halbes Jahr. Rechnung getragen wurde damit den Einschränkungen, die er nach der Entlassung aus dem vorzeitigen Strafantritt in Kauf nehmen musste. Der Mann muss nun zurück ins Gefängnis.

Der Verteidiger hatte für den Mittäter vor Appellationsgericht vergeblich auf Freispruch plädiert mit dem Argument, dass es keinen gemeinsamen Tatbeschluss mit dem Haupttäter gebe. Die Staatsanwaltschaft ihrerseits forderte eine Erhöhung der Freiheitsstrafe auf neun Jahre.

Ein Bruder des Mittäters war für das gleiche Delikt in erster Instanz ebenfalls zu sechs Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Er akzeptierte das Urteil jedoch und hat seine Strafe inzwischen abgesessen.

Beim Vorfall, der diese Woche zum vierten Mal ein Basler Gericht beschäftigte, war am 17. Mai 2009 in der Reinacherstrasse in Basel ein 30-jähriger Mann durch einen Kopfschuss ums Leben gekommen. Das Opfer war der Lebenspartner der Schwester der beiden Mittäter. Die drei Männer waren von Bern nach Basel gekommen, weil das Opfer seine Partnerin geschlagen und die junge Frau die Eltern verständigt hatte.

Der tödliche Schuss kam aus der Waffe des Haupttäters. Der Mann hatte das Opfer mit entsicherter und gespannter Waffe verfolgt und mehrmals geschlagen. Er bestritt auch vor Appellationsgericht, absichtlich geschossen zu haben.