Ton Koopman, der niederländische Star der Alten Musik und vitale Altmeister des Orgelspiels, kann nicht verstehen, weshalb der evangelisch-reformierte Basler Kirchenrat Babette Mondry gekündigt hat (bz vom 18. und 19. Februar). Er schätzt die Organistin der Peterskirche und kennt sie gut.  Auch von mehreren Konzerten, die er an der Silbermann/Lhôte-Orgel in Basel gegeben hat. Im Gespräch empört er sich über die Entlassung von Babette Mondry und hofft, dass die Kirche ihren Entscheid überdenkt. Als offiziellen Grund gibt diese «gravierende Zerwürfnisse» mit Mondry an.

Herr Koopman, was sagen Sie zur überraschenden Entlassung von Babette Mondry, der Organistin der Basler Peterskirche?

Ton Koopman: Ich kann diese Kündigung nicht verstehen. Ich kenne Babette Mondry seit längerer Zeit als gute Organistin. Alles, was sie tat – für die Orgel, für die Kirche – tat sie von Herzen. Und sie hat für die wertvolle Silbermann/Lhôte-Orgel mit viel Liebe das Maximum gemacht. Einer Organistin den Schlüssel zu ihrer Orgel wegzunehmen, ist das Schlimmste, was man ihr antun kann. Wenn ich die offizielle Mitteilung mit den Vorwürfen an Babette Mondry studiere, kann ich nur sagen: Man hat ein Stück Holz gesucht, um den Hund zu schlagen. Ihre für mich kleinen Vergehen, die Tonbandaufnahme und die sogenannten kleineren Kompetenzprobleme mit der Sigristin, rechtfertigen ein solches Vorgehen nie. Bei uns in Holland wäre so etwas nicht möglich. Man hätte sich an einen Tisch gesetzt und die Probleme gelöst. Dass jemand so viel Macht hat, diese Kündigung zu bewirken, das ist unverschämt. Das Vorgehen gegen Babette Mondry ist unchristlich und darf in einem Haus, das ein solches Königsinstrument beherbergt, nicht geschehen.

Dass Babette Mondry eine grossartige Künstlerin ist, das schreibt die Kirche in der Kündigung. Sie kennen sie. Was für ein Mensch ist sie?

Sie ist ein unproblematischer Mensch, eine liebe Frau, die in ihrem Engagement weit über das hinaus ging, was ihr Amt als Titularorganistin verlangte. Mit Herz und Leidenschaft hat sie gewirkt und sie hat so viel für die Kirche und die Orgel getan.

Was sagen Sie zum Vorwurf des «gravierenden Zerwürfnisses»?

Das letzte Mal, als ich ein Konzert in der Peterskirche spielte, war vor zwei Jahren. Da herrschte im Vorstand des Freundeskreises Orgelkonzerte St. Peter und in der Kirche beste Harmonie. Hätte es Spannungen gegeben, hätte ich dies bemerkt. So plötzlich können keine unlösbaren Probleme entstehen. Bei uns würde man in einem solchen Fall einen Mediator einsetzen, um das Problem zu lösen.

Das wurde gerade nicht gemacht, sondern es wurde ihr ohne Gespräche im Vorfeld einfach gekündigt.

Dieses Vorgehen ist einmal ein schreckliches Drama für Babette Mondry. Die Organistin, die die Orgelschlüssel abgeben muss, kann nur weinen. Es ist aber auch ein Drama für die Kirche, ein shakespearsches Drama, bei dem es nur Verlierer gibt.

Was könnte in Ihren Augen hinter den schwammig formulierten Argumenten der Entlassung stehen?

Die Geschichte, dass sie unerlaubt eine Sitzung, in der es um Belange des Freundeskreises ging, mit dessen Präsidenten Hans Martin Tschudi auf Tonband aufgezeichnet hat, ist für mich kein Argument. Das hätte in diesem Fall wohl jeder von uns getan. Und sie wusste ja nicht, dass sie etwas Unerlaubtes tat, hat sich sofort dafür entschuldigt und das Band dem Pfarrer Benedikt Schubert zurückgegeben, der die Entschuldigung annahm. Ein klärendes Gespräch hätte die Sache bereinigt. Der Grund hinter der Kündigung, über den man nicht sprechen darf, kann nur persönliche Rache sein. Besonders traurig macht mich, dass der Pfarrer die Kündigung mitträgt. Denn ich habe ihn als lieben Menschen kennen gelernt. Auch er wird ein Verlierer in diesem bösen Spiel sein.

Wie wichtig ist die Arbeit von Babette Mondry in der Musikszene?

Sie leistet als hervorragende Organistin beste Arbeit. Sie liebt die Silbermann/ Lhôte-Orgel und trägt ihr grosse Sorge. Das machen lange nicht alle Organisten. Sie schaut, dass sich die Orgel in bestem Zustand befindet. Und es ärgern sich ja auch viele Leute über das unchristliche Vorgehen der Kirche. Ich denke, viele Organisten werden – so wie ich – sagen, dass sie für kein Konzert mehr nach Basel in die Peterskirche kommen, wenn der Kirchenrat auf seinem Entscheid beharrt. Und ich erkläre meinen Schülern, dass sie sich nicht auf die Stelle melden dürfen, falls sie ausgeschrieben würde. Denn sie ist besetzt – durch Babette Mondry.

Können Sie etwas tun, um Einfluss auf die Kirche in Basel zu nehmen?

Ich kann vor allem hoffen. Dass zum Beispiel unser Gespräch den Kirchenrat dazu bewegt, die Entlassung zu überdenken und nach einer Lösung zu suchen. Ich komme gerne für ein Gespräch nach Basel, um an einer Lösung mitzuwirken.