Grossbaustelle
Tonnenschwere Millimeterarbeit bei glühender Hitze

Die BVB arbeiten auf der Mittleren Brücke und in der Greifengasse unter Hochdruck.

Jonas Hoskyn
Merken
Drucken
Teilen
Die Geleise bei den Haltestellen werden neu in einen Trog eingelassen, damit sie künftig schneller ausgetauscht werden können.

Die Geleise bei den Haltestellen werden neu in einen Trog eingelassen, damit sie künftig schneller ausgetauscht werden können.

Kenneth Nars

Von sechs Uhr in der Früh bis um Mitternacht herrscht auf der neusten Baustelle der BVB Hochbetrieb. Im Schichtbetrieb arbeiten jeweils rund ein Dutzend Männer in Orange. Innert weniger Tage wurden letzte Woche die Geleise rausgerissen und die Mittlere Brücke bis auf die Tragkonstruktion freigelegt.

Nun zieht sich ein steinernes Flussbett von der Schifflände bis zum Claraplatz. Die Leitungen der IWB wurden bereits erneuert. Bis zur Bundesfeier müssen die BVB nun die Geleise einbauen und das Tiefbauamt Basel-Stadt die Oberfläche wieder begehbar gestalten. Anschliessend werden noch die neuen Haltestellen gebaut. Ab Mitte August sollen dann die Trams und Busse wieder rollen.

Für die Grossoperation wurde die Innenstadt in eine Teilnarkose versetzt. Die Strecke zwischen Schifflände und Claraplatz wurde für den öffentlichen und den motorisierten Verkehr komplett gesperrt. Fussgänger und Velofahrer zwängen sich über die beiden Trottoirs entlang der Grossbaustelle.

Insgesamt 900 Meter Tramschienen müssen in den nächsten Wochen verlegt und in über 3500 Tonnen Beton gegossen werden. Im Umgang mit den 18 Meter langen Geleisen ist höchste Präzision gefragt. Maximal drei Millimeter darf die Schienenführung von der geplanten Fahrlinie abweichen. «Während den ganzen Bauarbeiten ist dieser Punkt die grösste Herausforderung», sagt Markus Rausch, welcher bei den BVB für die prominenteste Baustelle des Jahres zuständig ist. Entsprechend viel Vorbereitung ist notwendig. Im Abschnitt Greifengasse werden bereits die Betonblöcke ausgelegt, auf denen dann die Geleise aufgebockt werden, und wo anschliessend die Feinjustierung stattfindet.

Hitzewelle bringt Probleme

Auf der Mittleren Brücke gestaltet sich das Ganze deutlich komplizierter. Dort muss zusätzlich eine Abdichtung angebracht werden, damit das Eisen im porösen Beton nicht zu rosten beginnt. «Man kann sich das vorstellen wie eine Schicht Dachpappe», sagt Rausch. Zuvor muss aber die bisherige Schicht abgetragen werden. Mit Wasserhöchstdruck von 2000 Bar wird diese nun in mühsamer Kleinarbeit vom Boden abgetragen. Um witterungsunabhängig arbeiten zu können, wurde auf der Mittleren Brücke ein Zelt aufgestellt, analog zur Falknerstrasse letztes Jahr. Kleines Detail: Das Zelt steht auf den 40 Zentimetern, um welche die Trottoirs auf der Brücke verbreitert werden.

Die Brücke als Baustelle bringt einige Probleme mit sich. So ist die Belastung auf 70 Tonnen beschränkt. Für den Abbruch musste man auf kleinere Baumaschinen ausweichen. Und während der Beton in der Greifengasse zertrümmert werden konnte, mussten die Verantwortlichen bei den Bauarbeiten auf der Brücke mit einem Bagger mit Spitzhammer zu Werke gehen. Dazu kommt die aktuelle Hitzewelle: Die Tramgeleise dehnen sich aus. Der Beton trocknet schneller. Auch solche Punkte müssen in die Planung miteinbezogen werden.

Es wird weiter gebaut

Auch in der Greifengasse sind spezielle Massnahmen geplant. Aufgrund der grossen Belastung durch Trams und Busse werden die Schienen auf Höhe der Haltestellen in einen Trog eingelegt. Auf diese Weise können sie künftig schneller ausgewechselt werden, ohne dass der Belag aufgerissen werden muss. Diese Variante haben die BVB kürzlich beim Dorenbach-Kreisel erstmals angewendet.

Definitiv beendet ist das Gesamtprojekt aber mit dem Abschluss der Bauarbeiten noch nicht. Ab Mitte August wird das Trottoir der Greifengasse auf der von der Brücke aus rechten Strassenseite in Etappen mit Platten aus Quarzsandstein dem neuen Look der Innenstadt angepasst. Die linke Strassenseite folgt dann nächstes Jahr. Auch für die BVB geht es unverzüglich weiter. Insgesamt 16 grössere Bauprojekte für total 43 Millionen Franken sind dieses Jahr geplant. Die nächsten grossen Baustellen: Zwischen August und Oktober werden in der Elisabethenstrasse die Geleise ersetzt. Im September wird der Steinenberg komplett gesperrt.