Vor ungefähr 60 Jahren wurden im botanischen Garten in Brüglingen drei kanarische Palmen in Töpfen gesetzt. Damals dachte wohl noch niemand an das Problem, das die drei Pflanzen den heutigen Merian-Gärten bereiten: Sie sind sechs Meter hoch und mehrere Meter breit geworden – zu gross, um sie ins Gewächshaus zu transportieren. Das muss man aber jeden Winter tun, um sie vor dem Erfrieren zu bewahren. Denn Temperaturen unter minus 10 Grad ertragen sie nicht. Die warme Jahreszeit verbringen die Palmen hingegen vor der Berri-Scheune.

«Unser Gewächshaus wäre an sich gross genug, es ist nur die Türe, die zu kein ist», erklärt Alexandra Baumeyer, Leiterin Vermittlung und Kommunikation der Merian-Gärten. Zudem seien sie mit bis zu zwei Tonnen pro Pflanze zu schwer für den Gabelstapler geworden. Die Gewächshaustüre zu vergrössern, kommt nicht infrage, weil es sich um ein historisches Gebäude handelt. «Und Palmen kann man schlecht zurechtschneiden», sagt Baumeyer. Man habe sich deshalb «schweren Herzens» dafür entschieden, die drei Palmen wegzugeben. «Wir tun uns schwer damit», sagt sie.

Erst wurden andere botanische Gärten angefragt. Doch diese hatten entweder das gleiche Problem wie die Merian-Gärten, nämlich nicht genug Platz. Oder sie schreckten vor dem umständlichen Transport zurück. Jetzt richten die Merian-Gärten einen allgemeinen Aufruf an die Bevölkerung. «Drei riesige Palmen suchen ein Zuhause», heisst es auf der Website.

Unspektakuläre Blüten, keine Datteln

Die Art Phoenix canariensis, um die es hier geht, ist an sich nicht selten. Doch die drei Exemplare sind wegen ihrer Grösse wertvoll. «Man kann so grosse Exemplare kaufen, aber sie kosten ein Vermögen», sagt Baumeyer. Die Merian-Gärten geben sie kostenlos ab.
Wer sie übernimmt, hat idealerweise einen Raum, der höher ist als sechs Meter. Denn die drei Palmen wachsen weiter, 10 bis 15 Zentimeter pro Jahr. Der Raum sollte zudem möglichst sonnig sein.

Haben die drei Pflanzen einen passenden Standort gefunden, sind sie eher genügsam. Idealerweise verbringen sie den Sommer draussen, aber zwingend ist das nicht.
Laut Gärtner Bernhard Eckert muss man die Pflanzen in ihren grossen Töpfen nicht allzu oft giessen, je nach Standort nur alle zwei Wochen. Ab und zu brauchen sie Dünger.

Einmal im Jahr kann man vertrocknete Wedel abschneiden, damit die Palmen schön aussehen. Zwei davon wurden vergangenes Jahr umgetopft, sodass das erst in 10 bis 15 Jahren wieder nötig sein wird. Eher bescheiden sind die Blüten, und Früchte darf man keine erwarten. Schliesslich handelt es sich nicht um Dattelpalmen (Phoenix dactylifera).

Notfalls landen die Palmen auf dem Kompost

Es haben sich bereits einige Interessenten bei den Merian-Gärten gemeldet. Knackpunkt bleibt aber jeweils der Transport. Man muss sie liegend verfrachten, es müsste wohl ein Profiunternehmen ans Werk.

Sechs Meter hohe, lichtdurchflutete Innenräume findet man am ehesten in Eingangsbereichen von Unternehmen. «Das wäre ideal», sagt Baumeyer. Und wenn niemand die Palmen übernehmen will? «Dann müssen wir sie abholzen und kompostieren», stellt sie klar. «Wir wollen in unseren Gärten keine halb toten Pflanzen stehen haben, daran hat niemand Freude.»