Detailhandel

Traditionsgeschäft verschwindet aus der Basler Innenstadt: Schwarz nimmt den Hut

Das Hutfachgeschäft der Familie Schwarz an der Ecke Gemsberg/Spalenberg in Basel ist mehr als 100 Jahre alt. Nun sind seine Tage gezählt.

Schon wieder verschwindet ein Traditionsgeschäft aus der Basler Innenstadt – am 17. August ist Schluss mit «Schwarz Modes».

Sie prägten jahrzehntelang das Stadtbild, die Einzelhändler. Spezialisiert auf Lederwaren, Haushaltsgeräte, Zigarren, Werkzeuge, Schreibwaren, Grammoplatten, Massschneiderei, einfach alles, das man zum Leben brauchte oder es schöner machte. Lange bevor das erste Warenhaus in Basel Einzug hielt. Nach und nach verschwanden die alteingesessenen Geschäfte und Traditionshäuser.

Heute ist noch eine Handvoll davon übrig, und nun schliesst ein weiteres seine Türen: Der 17. August 2019 wird das Ende der über 100-jährigen Geschichte von Schwarz Modes markieren, dem Hutspezialisten, der für seine geschickte Modistinnenarbeit lange Zeit weit über die Basler Stadtgrenze bekannt war. Wer etwas auf sich hielt, trug einen Hut von Schwarz.

Andi Schwarz, Ladeninhaber und Geschäftsführer in vierter Generation, bestätigt die Schliessung gegenüber der «Schweiz am Wochenende». In seinem Geschäft am Spalenberg herrscht Wühltischatmosphäre, überall rote Prozentwürfel, jeder Hut muss raus. Schwarz sagt: «Es war ein hochemotionaler Entscheid. Aber ich fühle mich jetzt auch extrem erleichtert.»

Die Doppelbelastung wurde Schwarz zu viel

Wider Erwarten führt Schwarz als Hauptgründe der Schliessung nicht den Einkaufstourismus oder das sich gewandelte Shoppingverhalten an. Das Geschäft sei trotz widriger Umstände ziemlich gut gelaufen, «obschon wir immer wieder zu kämpfen hatten». Er habe sich stets in einer komfortableren Situation befunden als andere, weil er keine Miete zahlen musste: Das Haus, in dem sich nebst dem Ladenlokal im Parterre in den oberen Geschossen Wohnungen und Büros befinden, gehört zum Besitz seiner Familie.

Vielmehr sagt Schwarz, er führe noch eine andere Firma im Immobilienbereich, und die Doppelbelastung – im Laden war er regelmässig präsent – sei ihm zu viel geworden. Man spürt: Die Leidenschaft für das Geschäft, das seine Familie bekannt und gross gemacht hat, ist nicht mehr da. «Ich hätte den Laden renovieren müssen, wahrscheinlich auch das Sortiment diversifizieren, um fit für die Zukunft zu sein.» Das habe er nicht gewollt, aufgrund seiner anderen Tätigkeit.

Das Haus bleibt im Besitz von Schwarz, das Ladenlokal werde zu einem fairen Preis vermietet, führt er weiter aus. «Mir war wichtig, einen Mieter mit einem langfristigen Projekt zu finden. Und ich bin fündig geworden.» Am 3. Oktober werde Eröffnung gefeiert. Es sei für Basel eine «super Lösung, ich bin überzeugt, dass meine bisherigen Kunden begeistert sein werden». Mehr will Schwarz indes noch nicht verraten.

Mit Schwarz Modes verliert Basel nicht nur ein weiteres Traditionsgeschäft. Andi Schwarz gehörte in den vergangenen Jahren zu jenen Ladenbetreibern, die sich mit Vehemenz für eine attraktivere Einkaufsstadt einsetzten. So gründete er etwa mit anderen Geschäftsinhabern nach der Schliessung des Basler Schuhgeschäfts Botty vor vier Jahren die Gruppe «Positives Basel», die unter anderem den Anstoss für die allseits beliebten Sitzbänke in der Innenstadt gab. Auch heute noch trifft sich die Gruppe, der Vertreter von Manor und Globus angehören, regelmässig. Und Schwarz sagt, abermals wider Erwarten, er wolle sich weiter engagieren, «und das sicher mit viel Herzblut».

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