Die Kirche gehört ins Dorf! Und die Apotheke? Wie die Bäckerei und der Coiffeur – ins Quartier! Die St. Leonhards-Apotheke an der Leimenstrasse ist ein solcher Klassiker. Seit 135 Jahren ist sie für die Quartierbewohner da. Doch ihre Tage sind gezählt: Am 2. Dezember werden Inhaberin Yvonne Hofer-Schmutz und ihr Team letztmals hinter der Ladentheke stehen.

Was früher ein Selbstläufer war, ist heute ein hartes Pflaster. Das haben im Sommer bereits die Betreiber der Apotheke Fischer in Riehen erfahren. Wie jetzt Yvonne Hofer-Schmutz mussten sie aus wirtschaftlichen Gründen schliessen. Es werden nicht die einzigen mit dem Schicksal gewesen sein, so die Prognose der Vizepräsidentin des Basler Apotheker-Verbandes. Und wer könnte es besser wissen als Lydia Isler-Christ, die mit der Sevogel-Apotheke selber eine Quartier-Apotheke führt?

Mehr Dienstleistungen als Lösung

«Die Herausforderungen sind für alle gross, insbesondere aber für Apotheken in Quartieren», sagt sie. Die ständig sinkenden Medikamentenpreise seien ein Grund für die wirtschaftlichen Probleme. Beispielsweise habe ein Medikament zur Senkung des Cholesterinspiegels früher mit 250 Franken fünf Mal so viel wie heute gekostet. «Unsere Margen sind minim, doch damit haben alle zu kämpfen. Zusätzlich schwierig wird es, wenn kaum Laufkundschaft vorhanden ist», sagt sie. Und das sei vor allem in Quartieren der Fall, ganz im Gegensatz zu Geschäften an Passantenlage wie etwa an Bahnhöfen oder in Zentren.

Für Lydia Isler-Christ gibt es nur einen Weg: «Apotheken, die sich an wenig frequentierter Lage befinden, müssen sich erst recht anderweitig positionieren und Nischen finden.» Konkret müssten sich die Betreiber über Dienstleistungen definieren und nicht wie in den vergangenen Jahrzehnten übers Produkt.

«Apotheken werden künftig eine wichtigere Rolle bei der Grundversorgung einnehmen», sagt sie. Bereits jetzt gäbe es Krankenkassen, die eine Art Hausarzt-Modell für Apotheken anböten. Der Kunde muss sich zuerst in der Apotheke beraten lassen und kann erst dann, wenn nötig, einen Termin beim Arzt vereinbaren. Die medizinische Beratung sei auch für manche Kunden, die normal versichert sind, interessant. Gesunde Leute mit einer hohen Franchise zahlten gern einen Beitrag in der Apotheke, wenn ihnen dadurch höhere Kosten erspart blieben, sagt Isler.

Stadt-Problem Einkaufstourismus

Auch Dienstleistungen wie Impfungen würden bereits jetzt vermehrt in Apotheken angeboten. Wobei Basel-Stadt im Nachteil sei. Im Baselbiet dürfen Apotheker selber impfen, in der Stadt müssen sie wie jetzt bei den Grippeimpfungen einen Arzt aufbieten – und dieser kostet. In der Stadt käme der Einkaufstourismus erschwerend dazu, sagt Isler. Wenn jemand in Weil seine Kosmetika in der Apotheke kauft, deckt er sich gleich mit Medikamenten ein.

All diese Entwicklungen sowie die steigende Konkurrenz durch den Detailhandel bekommt Yvonne Hofer-Schmutz nun am eigenen Leib zu spüren. «Ich habe in der St. Leonhards-Apotheke meine Lehre gemacht und bin seit 35 Jahren hier», sagt die Inhaberin. «Der Abschied fällt mir schwer, es ist schmerzvoll, aufgeben zu müssen.» Lydia Isler-Christ versteht das gut, glaubt aber, dass Basel-Stadt weitere solche Schicksale erleben wird: «Es gibt hier seit langem rund 70 Apotheken. Wir müssen davon ausgehen, dass es weniger werden.»