Auf dem Centralbahnparkplatz ist höchste Aufmerksamkeit gefordert. Das sagen unisono Christian Boos und Heinz Teuscher, BLT- und BVB-Betriebsleiter respektive. Beide sitzen bisweilen selbst in der Fahrerkabine eines Trams und wissen, wie unübersichtlich der Platz ist. Trams, Fussgänger, Velofahrer, Busse, Taxen, Anlieferer - alles überquere unkanalisiert den Platz, bemerkt Teuscher. Die Höchstgeschwindigkeit auf dem Platz liege bei 15 Stundenkilometer, die laut Boos aber «in den seltensten Fällen» ausgefahren werden.

Boos hält seine Fahrer an, «sorgfältig und defensiv» auf den Platz zu fahren. «Der Fahrer muss mitdenken und sich in die Fussgänger hineinversetzen», ergänzt Teuscher. Er wisse, dass die Situation für die Fussgänger schwierig sei, und sei überzeugt, dass aufmerksame Fahrer viele Situationen verhindern können. Boos bestätigt: «Mit der Zeit bekommt der Tramfahrer ein Auge dafür, wie ein Fussgänger reagieren wird.»

Eigenverantwortlichkeit der Fussgänger

Dennoch gebe es immer unberechenbare Faktoren, die auch ein erfahrener Tramfahrer nicht vorhersehen könne: «Ich weiss nicht: Machen die Leute einen Schritt nach links oder rechts - haben sie mich gesehen?» Besonders wenn jemand seitlich in das Tram laufe, wie jüngst der 91jährige Herr, könne der Chauffeur nicht mehr reagieren. Boos appelliert deshalb auch an die Eigenverantwortlichkeit der Fussgänger: «Wenn man hinter einem Tram hervorrennt, muss man damit rechnen, dass eines von der Gegenseite kommt.»

Gelb macht offensichtlich aggressiv: Während BVB-Mann Teuscher versichert, dass seine Fahrer in den grünen Trams selten angegangen werden, halten sich die Reaktionen bei der BLT laut Boos die Waage: «Es gibt Leute, die sich durch ein Lächeln oder Handzeichen bedanken. Und es gibt andere, die nicht mit Kraftausdrücken sparen.» Das dürfe man nicht persönlich nehmen, sagt Boos. Die Fahrer würden psychologisch geschult im Umgang mit solchen Situationen.

Enges Perron

Derlei Konfliktsituationen sind laut Teuscher nicht auf den Centralbahnplatz beschränkt. Die grosse Fläche für alle Verkehrsteilnehmer sei zwar sehr speziell; doch auch auf dem Aeschenplatz und in der Innenstadt gebe es «viel Bewegung». Boos sieht vor allem im engen Perron am Bankverein Gefahrenpotential.

Die Gestaltung des Centralbahnplatzes hingegen hole das Optimum aus einer komplexen Situation. Wie komplex, weiss auch ein ehemaliger BLT-Chauffeur. Einmal, erzählt er der bz, habe er «fast ein Taxi abgeschossen», ein anderes Mal vermutlich den Trolley einer Dame getroffen. Als er bei einer Extrafahrt auf dem Platz habe wenden müssen, sei das nur im Schrittempo gegangen: «Das war sehr ungewohnt für die Passanten.» Dennoch sagt auch er: «Egal, wie der Platz baulich verändert wird: Absolute Sicherheit gibt es nicht.»