Eine Wiederholung des tödlichen Unfalls mit einem Zürcher Cobra-Tram sei nur eine Frage der Zeit, schreiben sieben Nationalräte (Grüne, SVP, BDP, CVP, FDP und zwei SP) in ihrem vor einer Woche eingereichten Postulat. «Nebst dem Tramtyp ‹Cobra› in Zürich verkehren auch in Basel und Genf Fahrzeuge mit ähnlichen Frontpartien und ohne Fallgatter», begründen sie diese Befürchtung.

In Zürich war im Juni 2009 ein Velofahrer vor ein Cobra-Tram gestürzt und getötet worden. Die unterzeichnenden Nationalräte um den Grünen Bastien Girod sind deshalb überzeugt, bei den Niederflurtrams seien Personen nicht geschützt, überfahren zu werden, da sie ohne Fallgatter unterwegs sind.

BVB fährt durch «Wannen»

In und um Basel sind zwei Typen Niederflurtrams in Betrieb: Die BVB fahren den Combino und die BLT das Tango – beide ohne Fallgatter. Dies wirft besonders beim Combino Fragen auf, denn Bernmobil hat die gleichen Combinos mit Fallgatter ausrüsten lassen. Weshalb die BVB nicht?

«Es liegt an den Gleisen: In Basel haben wir, im Gegensatz zu Bern, so genannte Wannen», erklärt BVB-Sprecherin Dagmar Jenny. In Basel betrage der vertikale Radius, wenn das Gleis – beispielsweise vom Kohlenberg zum Steinenberg – vom Gefälle in die Steigung übergeht, 200 Meter. In Bern hingegen 750 Meter. «In Basel würde deshalb der Auslösebügel am Boden anhängen.»

Jenny betont, dass das Bundesamt für Verkehr (BAV) die Trams auch auf Sicherheit geprüft und abgenommen habe. Annegret Hewlett, Sprecherin Bernmobil, erklärt zudem, dass die «Portalachse», eine Querstrebe vor den Rädern, beim Combino zudem als «Bahnräumer» funktioniere und das Überrolltwerden verhindere.

«Tango sicherer als alte Trams»

«Sicherheit muss man im Gesamtkonzept betrachten», betont BLT-Direktor Andreas Büttiker. So sei hinter der Tango-Stupsnase ein Feder-Mechanismus versteckt, der einen Aufprall abfangen und Personen wegspicken helfe. «Dies ist gegenüber der fast als Spiess wirkenden Kupplung der älteren Trams ein wesentlicher Fortschritt, der gerade in diesen Tagen einem 15-Jährigen, der in der Känelmatt vor ein Tango lief, schwerere Verletzungen erspart hat.»

Aus dem gleichen Grund sei eine Frau, die aufs Gleis fuhr, nach dem Aufprall mit 60 km/h ihrem Auto unverletzt entstiegen. Zudem habe der Tramführer durch die grossen Frontfenster eine bessere Übersicht.

Dass der Tango ohne Fallgatter unterwegs ist, dürfe man nicht überbewerten: Dieses biete fast nur im Schritttempo Sicherheit. «Der Wagenkasten liegt je nach Beladung 15 bis 20 cm über der Strasse. Wenn da jemand darunter geraten sollte, ist das in jedem Fall lebensbedrohlich.» Vor den Rädern gebe es aber noch Bahnräumer, die etwa Steine beiseiteschieben. Deren Unterkante liege 12 cm über dem Gleis, also gleich niedrig wie der Bügel eines Fallgatters.

«Das Fallgatter wird überbewertet», meint Büttiker. «Ich bin erstaunt, dass ein solches Detail, das beim BAV gut aufgehoben ist, im Nationalrat ein Thema sein soll», erklärt Büttiker. «Wenn man sich mit Verkehrssicherheit beschäftigt, findet man relevantere Themen: Alkohol, Fahren unter Medikamenteneinfluss, fehlende Kontrolle der Sehschärfe und nicht zuletzt das Gefahrenpotenzial der Offroader.»