Vergewaltigung

Tram-Videos könnten Täter entlarven: Nach der Vergewaltigung vom Samstag melden sich erste Zeugen

An der Tramstation Voltaplatz sei das Opfer ausgestiegen, wie die Polizei mitteilte.

An der Tramstation Voltaplatz sei das Opfer ausgestiegen, wie die Polizei mitteilte.

Sie befinden sich immer noch auf freiem Fuss. Die beiden Männer, die am frühen Samstagmorgen eine junge Frau unmittelbar vor ihrer Haustür in der Elsässerstrasse vergewaltigt haben (die bz berichtete).

Alles, was Kriminalkommissär Peter Gsell aktuell dazu sagen kann: «Die Ermittlungen laufen.» Nach dem Zeugenaufruf vom Sonntag hätten sich diverse Personen gemeldet, «diesen Hinweisen gehen wir nach». Spekulationen, wonach die Täter aus Frankreich eingereist und danach via französische Grenze geflüchtet sind, wollte er nicht kommentieren.

Von der Polizei proaktiv befragt wurde laut Gsell ausserdem ein Tramchauffeur. Denn die Frau stieg am Voltaplatz aus einem Tram der Linie 1/14 aus, von wo aus sie von den beiden Unbekannten durch die Elsässerstrasse gemäss Polizeimeldung «begleitet» wurde. Gsell sagt dazu: «Nach dem aktuellen Ermittlungsstand ist die Frau von den beiden Tätern bereits im Tram angesprochen worden.» Man kläre auch ab, ob Videoaufzeichnungen aus dem betreffenden Tram respektive von der betreffenden Fahrt existieren und ausgewertet werden könnten.

«Das Schlimmste: Wenn ich aussteigen muss und der Mann prompt hinterher geht.»

Die BVB selbst wollen sich dazu nicht äussern, da es sich um ein laufendes Verfahren handle, und verweisen an die Staatsantwaltschaft. «Ganz generell gilt aber, dass die BVB gerne behilflich sind, wenn die Polizei oder die Staatsanwaltschaft Ermittlungen durchführt», sagt Sprecherin Sonja Körkel der bz. Ob der Tramchauffeur der Polizei nützliche Informationen geben konnte, ist nicht klar.

Der Fall vom Samstag dürfte bei vielen Frauen unangenehme Erinnerungen wecken. Der bz sind zahlreiche Betroffene bekannt, die bereits ein oder gar mehrere Male im Tram oder Bus von einem Fremden angesprochen, verbal belästigt oder gar bedroht wurden. «Es ist ein ohnmächtiges Gefühl, weil ich nicht ausweichen kann», erzählt eine Betroffene. «Das Schlimmste: Wenn ich aussteigen muss und der Mann prompt hinterher geht.» Sie sei dann auch schon weiter gefahren in der Hoffnung, dass der Mann irgendwann aufgebe und aussteige.

Bei Gefahr soll man sich beim Chauffeur melden

Auf solche Notsituationen im öffentlichen Verkehr angesprochen, sagt Körkel von der BVB: «Wenn sich Fahrgäste in unseren Fahrzeugen in irgendeiner Hinsicht bedroht fühlen, haben sie immer die Möglichkeit, sich bei unseren Fahrdienstmitarbeitenden zu melden.» Diese könnten dies dann der Leitstelle melden, welche anschliessend die Polizei informiere.

Oder aber man holt sich virtuelle Hilfe. Seit vergangenem Herbst bietet die Axa Winterthur in der Deutschschweiz die kostenlose Begleit-App Wayguard an. Via App kann man mit Freunden oder Mitarbeitern von «Wayguard» telefonisch in Verbindung treten und sich von ihnen virtuell begleiten lassen, wenn man sich beispielsweise auf dem Heimweg bedroht oder beobachtet fühlt oder einfach ein ungutes Gefühl hat. Anders als bei einem herkömlichen Telefongespräch sieht die  jeweilige Begleitperson dank GPS-Ortung immer den aktuellen Standort der Gesprächspartnerin auf dem Display. Meldet sich letztere nicht mehr zurück, kann der Polizei die genaue letzte Position durchgegeben werden.  Auch ein Notruf-Button gehört zur App.

Die App Wayguard zählt seit der Einführung in der Deutschschweiz – in Deutschland besteht sie seit 2016 – mehr als 16000 registrierte Nutzerinnen und Nutzer, wie Marion Banholzer, Sprecherin von Axa Winterthur, auf Anfrage ausführt. «Das hat unsere Erwartungen übertroffen, insbesondere in der kurzen Zeit.» Wie viele Nutzer in der Region Basel gezählt werden, kann Banholzer derweil nicht sagen; man werte weder Nutzerzahlen noch Anzahl Begleitungen in bestimmten Regionen aus.

Hinweis

Der «Wayguard» kann im App-Store oder via Google Play kostenlos heruntergeladen werden.

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