Alles sei bereit, damit ab Sonntag die Trams über die Grenze rollen könnten, sagten die Verantwortlichen am Dienstag vor den Medien in Weil am Rhein. Der Oberbürgermeister der Stadt, Wolfgang Dietz, sprach von einem «historisch ausserordentlich bedeutsamen Ereignis».

Das Tram 8 wird künftig unter der Woche tagsüber alle 15 Minuten zwischen Kleinhünigen und Weil am Rhein verkehren. Von Basel aus dürften zahlreiche Personen das Tram nutzen, um ennet der Grenze einkaufen zu gehen.

Für die Schweizer Grenzwache bringt dies Herausforderungen mit sich - schliesslich soll trotz Kontrollen der Fahrplan eingehalten werden. «Wir befinden uns in einem Spannungsfeld», sagte Patrick Gantenbein, Mediensprecher des Grenzwachtkommandos Basel.

Grenzwächter in Zivil

Die Schweizer Grenzwächter werden Stichprobenkontrollen im Tram durchführen, zivil und in Uniform. Damit die Trams dennoch planmässig fahren können, müssen Personen, bei welchen eine weitere Abklärung notwendig ist oder Unregelmässigkeiten festgestellt werden, aus dem Tram aussteigen. Nur so sei es möglich, den Fahrplan einzuhalten, sagte Gantenbein.

Wer in Weil am Rhein einkauft und Waren zu verzollen hat, muss die Zollformalitäten zwingend erledigen, bevor er ins Tram steigt, wie Gantenbein betonte. Sonst drohe ein Strafverfahren.

Auch der deutsche Zoll werde stichprobenweise Kontrollen machen, sagte Antje Bendel, Sprecherin des Hauptzollamts Lörrach. Die deutschen Zollbeamten können dazu das Tram auch während der Fahrt anhalten, um zuzusteigen.

Oldtimertrams und Stadtrundfahrten

Eingeweiht wird die verlängerte Tramlinie am Freitag mit einem offiziellen Festakt mit geladenen Gästen. Am Sonntag, wenn die Linie in Betrieb genommen wird, darf auch die Bevölkerung mitfeiern: An mehreren Festplätzen entlang der neuen Tramlinie gibt es neben Informationen unter anderem auch Musik und Glühwein.

Nur einer dieser Festplätze liegt auf Basler Seite. Grund dafür sei, dass an diesem Adventssonntag in Basel ohnehin die Läden geöffnet seien, nicht aber in Weil am Rhein, erklärten die Verantwortlichen. Die Fahrt auf der neuen Linie ist am Eröffnungstag gratis; zudem werden moderierte Stadtrundfahrten und Oldtimer-Fahrten angeboten.

Rampen noch im Bau

Auch wenn die Trams ab Sonntag fahren, fertig ist noch nicht alles: Auf Schweizer Seite sind die beiden Lastwagenrampen von den Hiltalingerbrücken in den Hafen noch im Bau. Die Fertigstellung sei für Mai 2015 geplant, sagte Dejan Despotovic vom Basler Tiefbauamt. Durch die Rampen soll die Kleinhüningeranlage vom Schwerverkehr befreit werden.

Auf deutscher Seite muss am Bahnhof in Weil am Rhein der Abgang auf die Perrons noch gebaut werden. Die Stadt geht allerdings davon aus, dass zumindest zu Beginn viele Pendler mit dem Auto nach Weil am Rhein fahren und dort auf das Tram umsteigen werden. Sie hat deshalb das vorhandene Angebot an Parkplätzen neu organisiert.

GA und U-Abo gültig

Die Verlängerung der Linie 8 ist der erste grenzüberschreitende Strassenbahnbau in Europa seit über 75 Jahren. Spatenstich für das Projekt war auf Schweizer Seite im Dezember 2008, auf deutscher Seite im März 2011. Die Neubaustrecke ist 2,6 Kilometer lang, davon liegen 1,6 Kilometer auf deutschem Gebiet.

Mit dem Generalabonnement oder dem U-Abo des Tarifverbunds Nordwestschweiz (TNW) kann die Tramlinie 8 auf ihrer ganzen Länge frei benutzt werden. Dagegen kann mit einem Halbtax-Abo nur auf der Schweizer Seite ein Billett zum halben Preis für die Fahrt über die Grenze bezogen werden.

Die Kosten für das Projekt waren auf 104 Millionen Franken veranschlagt. Davon übernehmen der Bund 44 Millionen Franken, Basel-Stadt und die BVB 38 Millionen Franken. Die restlichen 22 Millionen Franken entfallen auf die deutsche Seite. Die Kosten im Abschnitt Basel-Stadt seien innerhalb des vorgegebenen Kostenrahmens, sagte Despotovic am Dienstag.