Badischer Bahnhof
Transport von Gefahrengut: Basler Forderungen lassen die Deutsche Bahn kalt

Die Deutsche Bahn will weder ein Extragleis noch eine Einhausung für Gefahrguttransporte.

Peter Schenk
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Basel möchte die Geschwindigkeit von gefährlichen Güterzügen im Badischen Bahnhof auf 40 Kilometer pro Stunde reduzieren.

Basel möchte die Geschwindigkeit von gefährlichen Güterzügen im Badischen Bahnhof auf 40 Kilometer pro Stunde reduzieren.

Kenneth Nars

«Die Ideallösung wäre ein Tunnel unter dem gesamten Kanton Basel-Stadt. Wir haben das in unseren Untersuchungen sogar bedacht, aber das sprengt den Betrachtungsrahmen», sagt Christoph Klenert. Er spricht von den Güterzügen, die den Badischen Bahnhof durchqueren. Als Leiter Aussenbeziehungen für das Grossprojekt der Deutschen Bahn (DB), die Rheintalbahn zwischen Karlsruhe und Basel um ein drittes und viertes Gleis zu erweitern, ist er auch für den südlichsten Abschnitt zwischen Weil Haltingen und den Basler Rheinbrücken zuständig.

Neubaustrecke könnte erst 2041 fertig sein

Es wird immer später. Die Deutsche Bahn (DB) geht davon aus, dass der Ausbau der Rheintalstrecke zwischen Karlsruhe und Basel spätestens 2041 fertig sein wird. Letztes Jahr war noch von 2035 die Rede.

Das ist auf jeden Fall viele Jahre später als das ursprünglich angestrebte Datum 2020. Für die Schweiz ist die Neubaustrecke als Zulauf für die Neue Eisenbahn-Alpentransversale (Neat) wichtig. So soll die Zahl der Güterzüge in beide Richtungen von derzeit 260 bis 2030 auf 372 Züge zunehmen.

Auf der Medienkonferenz von Freitag in Freiburg im Breisgau weibelte die DB vor allem für die von ihr geplante Reisegeschwindigkeit von 250 Kilometer pro Stunde auf der Strecke. «Wir wollen eine halbe Stunde schneller werden, um die Anschlüsse in der Schweiz besser zu erreichen», sagt Christoph Klenert, DB-Verantwortlicher für Aussenbeziehungen des Projekts. Ziel ist es, die Reisezeit zwischen Basel und Karlsruhe von derzeit rund 100 auf 69 Minuten zu reduzieren. Im Vollausbau wird es jede halbe Stunde einen ICE auf der Strecke geben.

Anlass der Medienkonferenz waren Aktivitäten des «Bürgerbündnis Markgräflerland». Es will erreichen, das die Reisegeschwindigkeit der ICE im Bereich Müllheim–Auggen auf 200 Stundenkilometer reduziert wird. Die DB argumentiert, der Hauptlärm käme von den Güterzügen, die 100 bis 120 Stundenkilometer fahren. (psc)

Bis nächstes Jahr soll das Planfeststellungsverfahren fertig sein. Die Arbeiten am 3,1 Kilometer langen Abschnitt gehen voraussichtlich bis 2024. Auf einer Medienkonferenz zur Ausbaustrecke Karlsruhe–Basel in Freiburg im Breisgau ging es Freitag vor allem um die Notwendigkeit, dass die ICE auf der Ausbaustrecke 250 Stundenkilometer schnell fahren können (siehe Box). Gegenüber der bz nahm Klenert exklusiv zur Problematik Güterverkehr im Badischen Bahnhof Stellung.

Viel Sorge in Basel um Gefahrgut

In Basel ist das schon länger Thema: Die fünf Basler Nationalräte, die Geschäftsprüfungskommission des Grossen Rats (GPK), die Basler Kontrollstelle für Chemie und Biosicherheit oder auch der Regierungsrat – alle machen sich Sorgen wegen der Gefahrguttransporte, die regelmässig durch den Badischen Bahnhof rollen. Erst kürzlich setzte sich die GPK in ihrem Jahresbericht dafür ein, «die Beschränkung der Höchstgeschwindigkeit von Güterzügen mit Gefahrgut im Bereich des Badischen Bahnhofs auf 40 km/h» zu beschränken. Weitere Forderungen sind ein Extragleis für Güterzüge oder die Einhausung des Gleises.

Viel Freude werden die Antworten Klenerts den Protagonisten nicht machen. Zum Extragleis sagt er: «Wir haben die Idee eines zusätzlichen Gleises verworfen, weil das Ziel ‹mehr Sicherheit› dadurch nicht erreicht wird.» Die Güterzüge sollen weiter über die Gleise 1 und 2 durch den Bahnhof rollen. Auch einer Einhausung kann Klenert nichts abgewinnen.

Die 40 Stundenkilometer für Gefahrentransporte werden zwar im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens untersucht. Klenert sagt aber auch: «Ich denke, wir werden einvernehmlich eine bessere Lösung finden.»

In Hinblick auf die öffentliche Resonanz zum Ausbauschritt Weil-Haltingen–Rheinbrücken sah er keinen grundsätzlichen Widerstand gegen das Bauvorhaben. Die lokalen Einsprachen bearbeitet die DB im Rahmen des erwähnten Planfeststellungsverfahren.

Basel ist gross genug für zwei Halte

Auf der Medienkonferenz war auch vom Herzstück die Rede – der unterirdischen Verbindung von Bahnhof Basel SBB und Badischer Bahnhof. In den neusten Planungen ist die direkte Anbindung der ICE-Strecke durch das Herzstück an den Bahnhof SBB zumindest vorgesehen, also die Umfahrung des Badischen Bahnhofs. Die Schleife beim Zoll Otterbach würde nach inoffiziellen Schätzungen aber mehrere Hundert Millionen Euro kosten.

Klenert sagte: «Offiziell ist uns nichts bekannt. Wir haben keinen Untersuchungsauftrag.» Die Möglichkeit müsse durch eine Studie untersucht werden. Er betonte aber: »Ich bin überzeugt, dass Basel für zwei Halte gross genug ist.»