AKW Fessenheim
Tras beharrt auf sofortige Schliessung: Hohes Gericht soll Block 2 vom Netz nehmen

Mit einer superprovisorischen Verfügung beim höchsten französischen Gericht geht der Trinationale Atomschutzverband gegen das AKW Fessenheim vor. Ausserdem zeigt der Verband sich empört, dass die Stilllegung des AKW wieder verzögert wird.

Peter Schenk
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Das französische Kernkraftwerk Fessenheim am Rhein, rund 40 Kilometer von der Schweizer Grenze bei Basel entfernt. (Archivbild)

Das französische Kernkraftwerk Fessenheim am Rhein, rund 40 Kilometer von der Schweizer Grenze bei Basel entfernt. (Archivbild)

KEYSTONE/EPA/RONALD WITTEK

Der Trinationale Atomschutzverband (Tras) hat am vergangenen Freitag in Paris beim höchsten französischen Gericht, dem Conseil d'Etat, Antrag auf superprovisorische Verfügung gestellt, den Reaktor 2 des elsässischen Atomkraftwerks Fessenheim ausser Betrieb zu nehmen. Begründung ist der Dampfgenerator, der die vorgeschriebenen Qualitätsnormen «nachweislich» nicht erfülle.

Block 2 war von Juli 2016 bis April 2018 für fast zwei Jahre vom Netz genommen worden. Grund waren Unregelmässigkeiten bei den Herstellungsprotokollen der französischen Stahlfirma Le Creusot, die Teile für Atomkraftwerke herstellt. Genauer gesagt handelte es sich um einen vier Meter hohen Zylinder mit drei Meter Durchmesser, der zum Dampfgenerator gehört. Dieser sorgt dafür, dass die im Primärkreislauf entstandene Hitze über heisses Wasser Dampf erzeugt, der im Sekundärkreis eine Turbine antreibt und so Strom erzeugt. Im März 2018 hatte die französische Atomaufsichtsbehörde Autorité de sûreté nucléaire (ASN) beschlossen, dass Block 2 wieder ans Netz darf.

Stilllegung frühestens 2020

Ausserdem beharrt Tras in seiner Medienmitteilung auf der sofortigen Schliessung von Fessenheim. Betreiber Electricité de France (EDF) hatte diese wieder hinausgeschoben. Grund sind technische Schwierigkeiten des im Bau befindlichen Druckwasserreaktors (EPR) im nordfranzösischen Flamanville. Dadurch wird seine Inbetriebnahme verzögert. Weil die Stilllegung von Fessenheim an diese gekoppelt ist, verschiebt sich auch diese und dürfte statt 2019, wie geplant, frühestens 2020 erfolgen.

Tras zeigte sich empört darüber. «Fessenheim hat den Nachweis, ob eine funktionierende Notkühlung existiert, bis heute nicht erbracht, die Anlage ist auch nicht erdbebensicher», erklärt Professor Jürg Stöcklin, Präsident von Tras. Die Schliessung sei ursprünglich für 2016 versprochen worden. «Das französische Energiegesetz sieht eine Absenkung des Atomstromanteils auf 50 Prozent bis 2025 vor. Die EDF und die Aufsichtsbehörde ASN blockieren mit ihrem Festhalten an einer veralteten Hochrisiko-Technik die Umsetzung der parlamentarischen Beschlüsse».

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