Tötungsdelikt in Basel

Trauermarsch für Ilias (†7): «Flashmob der Menschlichkeit»

Über tausend Menschen gedachten am Samstagnachmittag dem siebenjährigen Jungen, der am vergangenen Donnerstag getötet wurde. Die Betroffenheit war gross.

Der Schützenmattpark platzt aus allen Nähten und doch herrscht eine surreale Ruhe. Über tausend Menschen haben sich an diesem sonnigen Samstagnachmittag hier eingefunden, um mit einem Trauermarsch dem siebenjährigen Ilias zu gedenken. Er wurde am vergangenen Donnerstag von einer 75-jährigen Frau niedergestochen.

Zum Trauermarsch hatte der Aargauer Emi Salahi aufgerufen. Selbst Vater einer zehnjährigen Tochter. Der Tod des Jungen hatte ihn erschüttert. Seinem Aufruf folgten Tausende vor allem aus der albanischen und muslimischen Community. «Wie sicher ist mein Schulweg?», heisst es auf einem Transparent, das ein kleiner Junge in die Höhe hält. Andere tragen T-Shirts mit dem Foto des Verstorbenen. Viele haben Blumen mitgebracht.

Frank Lorenz von der Offenen Kirche Elisabethen bei der Ansprache vor dem Gotthelf-Schulhaus.

Frank Lorenz von der Offenen Kirche Elisabethen bei der Ansprache vor dem Gotthelf-Schulhaus.

Grosse Anteilnahme

Kurz nach 14 Uhr setzt sich der Trauermarsch in Bewegung, angeführt von der Familie des Opfers. Auch Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann und Bildungsdirektor Conradin Cramer sind vor Ort und zeigen sich sichtlich gerührt. Aus jeder Seitenstrasse strömen immer mehr Menschen hinzu.

Vom Schützenmattpark führt der Trauermarsch zum St. Galler-Ring, wo die schreckliche Tat am Donnerstag begangen worden war. Hier hält der Trauerzug inne. Genau hier starb der kleine Ilias, welcher zeitgleich zum Trauermarsch in seiner Heimat Kosovo beerdigt wurde. Die Menschen legen Blumen und Plüschtiere nieder, sie zünden Kerzen an. An diesem Ort wird der Marsch noch leiser. Viele weinen oder schauen schweigend zu Boden, Menschen halten sich schützend in den Armen.

Trauermarsch in Basel für 7-jährigen Buben

   

Langsam verschiebt sich der Zug in Richtung Gotthelf-Schulhaus, wo der Junge zur Schule gegangen war. «Wir sind alle traurig und finden keine Worte für das, was passiert ist», sagt Theologe Frank Lorenz, der den Trauermarsch gemeinsam mit Vertretern der Familie und den Regierungsmitgliedern anführte. Er ergreift als erster das Mikrofon: Er sei gerührt über diesen «Flashmob der Menschlichkeit». «Wir wollen uns durch die verrückte Tat eines einzelnen Menschen nicht auseinanderdividieren lassen. Heute sind wir alle Ilias und Ilias ist Basel», sagt er und erntet dafür zustimmenden Applaus.

Ansprache auf dem Schulhausplatz in Basel

Ansprache auf dem Schulhausplatz in Basel

«Warten auf Gerechtigkeit»

Dann richtet auch der Grossonkel des verstorbenen Jungen seine Worte an die Menge. Immer wieder muss er leer schlucken und seine Tränen wegwischen. Mit zitternder Stimme sagt er zuerst auf deutsch und dann auf albanisch: «Wir beten und hoffen, dass so etwas nicht mehr passiert. Wir warten auf Gerechtigkeit und diese wird schon kommen.»

Nicht nur ein Junge sei von der schrecklichen Tat betroffen, sondern die ganze Stadt, Region und sogar drüber hinaus, sagt ein Vorstandsmitglied der Basler Muslim Kommission ins Mikrofon. Auch er ist den Tränen nahe. «Wir sind fassungslos. Indem wir Anteil nehmen, können wir hoffen, dass es das Leid der Angehörigen lindert.» Er schliesst mit den Worten: «Möge die Seele des Kleinen im Paradies ruhen.»

Vorstandsmitglied der Basler Muslim Kommission spricht zur Menschenmenge in Basel

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