Das Überwachungsvideo dauert knapp sieben Minuten, und die Bilder der Überwachungskamera zeigen eigentlich nichts Aussergewöhnliches: An einem Stand an der Baselworld im März 2016 lässt sich ein Kunde verschiedene Diamanten zeigen, prüft per Lupe die Steine genau und diskutiert über Preise.

Allerdings lässt er seine linke Hand fast dauernd mit geschlossener Faust auf dem Tisch liegen. Schliesslich verwirft er lachend die Hände, weil ihm die Preise wohl zu hoch sind und verabschiedet sich nach einer kurzen Plauderei.

Der Verkäufer will danach den letzten Stein zurücklegen, schaut genauer hin und rennt wenige Sekunden später dem angeblichen Kunden nach, doch der ist bereits verschwunden. Die alarmierte Basler Kantonspolizei beobachtet den 47-Jährigen beim Messeausgang und nimmt ihn an der Ecke Rosentalstrasse und Mattenstrasse schliesslich fest.

Der Inhalt seiner Taschen war aufschlussreich: Nicht nur der gestohlene Diamant mit fünf Karat tauchte auf, sondern auch vier weitere Zirkonia-Imitate in verschiedenen Grössen. Seither sass er wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft.

Profi oder nicht?

«Ich entschuldige mich, ich bereue die Tat, es wird nie mehr passieren», versicherte der 47-jährige Mann aus Shenzhen am Montag im Basler Strafgericht. Er gab zu, den Stein während des Gesprächs heimlich ausgetauscht zu haben. Staatsanwalt Flavio Noto bezeichnete den Mann als «Profidieb» und verlangte eine unbedingte Freiheitsstrafe von 20 Monaten wegen gewerbsmässigen Diebstahls. Doch der Mann war bislang nicht vorbestraft, und deshalb durfte das Gericht die Tat nicht als «gewerbsmässig» einstufen.

Das Dreiergericht unter Felicitas Lenzinger kam zu einem Schuldspruch wegen Diebstahls, wertete aber das Vorgehen als «profimässig»: So kam man dennoch auf das von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafmass von 20 Monaten.

Bald zurück in China

Allerdings sprach das Gericht die Strafe bedingt aus und setzte die Probezeit auf das Maximum von fünf Jahren fest. Sofern er das Urteil nicht weiterzieht, wird ihn das Migrationsamt aber sowieso in den nächsten Flieger nach Peking setzen und ihm einen mehrjährigen Landesverweis aussprechen.

Tatsächlich ist der Mann schon im September 2015 in Mailand aufgefallen: Die Polizei beschlagnahmte mehrere Zirkoniasteine bei ihm, für eine Anklage reichte es allerdings nicht. Dennoch erhielt er danach erneut von Italien ein Schengen-Visa, im März 2016 landete er in Mailand, danach reiste er via Amsterdam nach Basel. In seiner Reisetasche hatte er weder Zahnbürste noch Unterwäsche, und auf dem Mobiltelefon fanden sich ausschliesslich Bilder von Diamanten. In Dubai wird wegen eines Diebstahles im Jahr 2011 nach ihm gefahndet, doch eine Auslieferung ist wegen der dortigen Menschenrechtssituation kein Thema.

Der Mann betonte, in Shenzhen als Mobiltelefonverkäufer rund 2000 Euro im Monat zu verdienen, er habe in Basel und Mailand lediglich Ferien gemacht. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Weinend bat er darum, aus der Untersuchungshaft entlassen zu werden, damit er seine 84-jährige Mutter pflegen könne.