Es ist wieder Mückenzeit! Während die einheimischen Plagegeister besonders an heissen Sommertagen «nur» lästig sind, sind andere Arten für den Menschen gefährlich. So zum Beispiel die Asiatische Tigermücke, die als Überträgerin von Dengue-, Chikungunya- und Zika-Viren in den vergangenen Jahren immer wieder Schlagzeilen gemacht hat. Aufsehen erregt hat besonders ein Fall in Norditalien, wo die Tigermücke rund 200 Personen mit dem tropischen Chikungunya-Fieber infiziert hat. Von Italien aus hat die Tigermücke ihren Weg auch in die Schweiz gefunden. Sowohl durch den Import exotischer Zierpflanzen als auch über die ganz normale Transportroute werden die Blutsauger eingeschleppt.

Mücken ohne Grenzen

Auch nördlich der Alpen fühlt sich die Tigermücke seit einigen Jahren, mitunter dank der heissen Sommer, immer wohler. Die Region Oberrhein schliesst sich nun im Kampf gegen den Parasiten zusammen. Denn, so der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger, «obwohl es in Basel noch keine Population gibt, kümmern sich Mücken nicht um Landesgrenzen und verbreiten sich, Schengen hin oder her».

Finanziert vom Förderprogramm «Interreg» lancieren verschiedene Expertenstellen in Deutschland, Frankreich und der Schweiz nun das landesübergreifende Koordinationsprojekt «Tiger». Zu den gemeinsamen Massnahmen gehört vor allem die Etablierung eines regionalen Fallennetzwerkes und diverser Meldestellen. Besonders in Gartengebieten oder auf Friedhöfen sind bereits viele Fallen aufgestellt worden.

Aber auch an Raststätten, die oft die erste Importstation für die kleinen Tiere sind, wird ihre Ausbreitung bereits beobachtet. Ein grosser Teil der «Tiger»-Initiative sind ausserdem Mittel für die Risikoanalyse. Experten schätzen dabei ein, wie gross die Gefahr einer rapiden Ausbreitung wirklich ist. Grund zur Besorgnis gäbe es allerdings für die Bevölkerung zurzeit noch nicht, erklärt Pie Müller, Leiter der Vektor-Kontroll-Gruppe am Schweizerischen Tropeninstitut, denn für eine Infektion müssen viele Faktoren zusammenspielen: «Eine weibliche Tigermücke muss erst eine bereits infizierte, aus den Tropen eingereiste Person stechen, woraufhin sich das Virus im Tier selbst entwickeln muss.» Die Chancen seien gering, aber eben da.

Das Ziel, die Tigermücken ganz aus dem oberrheinischen Raum zu verbannen, sei unrealistisch. Die Mückeneier sind trockenresistent und die Mücken selbst sind klimatisch deutlich anpassungsfähiger als andere Arten. «Tiger» geht es deshalb darum, ein stetiges Auge auf die Situation zu haben und das Problem möglichst klein zu halten. Denn auch wenn keine Epidemie bevorsteht: Die tagaktiven urbanen Mücken sind äusserst lästig.

Nackt sind alle Mücken braun

Immer wieder, so Müller, werden ihm auch Tiere zugeschickt, die der Tigermücke gar nicht ähnlich sehen. Problematisch sind aber besonders die Funde, die bereits vor einer möglichen Untersuchung zerdrückt wurden. Mit jeder Berührung verlieren die Mücken Teile ihrer gemusterten Schuppung und so wie alle Katzen nachts grau sind, sind alle Mücken nackt braun. Wer aber vermutet, eine lebende Tigermücke an den gestreiften Beinen und dem weissen Thoraxstreifen identifiziert zu haben, soll dies auf jeden Fall dem Tropeninstitut melden.

Eine weitere konkrete Hilfe kann die Bevölkerung bei der Bekämpfung der Tigermücke auch prophylaktisch leisten. «Menschen sind Experten darin, Baumhöhlen künstlich nachzuahmen. Gartengefässe und Autoreifen, die einfach mit Wasser in Berührung kommen, sind besonders ideale Brutstätten für Tigermücken», erklärt Müller. Mit dem Start von «Tiger» und der Lancierung der Website sollen auch Informationen zur konkreten Prävention oder Mithilfe für die Öffentlichkeit zugänglich werden.