Wer, wenn nicht sie? Die Frage stellte sich in diesem Jahr so klar wie selten zuvor. Wer, wenn nicht Zeal & Ardor sollte den Basler Pop-Preis 2017 erhalten?

Nie zuvor hat ein Basler Musikprojekt in kürzester Zeit weit über die Landesgrenzen hinaus dermassen Aufsehen erregt. Manuel Gagneux’ Fusion von historischen Sklavengesängen mit Black Metal fand, nur ein Beispiel, prominente Erwähnung in der Fachzeitschrift «Rolling Stone». Das US-Magazin zählte Zeal & Ardors Debütalbum «Devil Is Fine» zu den besten Heavy-Metal-Alben des Jahres 2016. Der Hype führte zu Tourneen in Europa und den USA, zu ausverkauften Konzerten.

Und für einmal schien auch die fünfköpfige Fachjury, die gestern Abend erstmals in dieser Konstellation tagte und 90 Minuten lang debattierte, der Meinung, dass solche Popularität auch preiswürdig sei. Die Vertreter der elektronischen Szene, Alma Negra und Audio Dope, aber auch die Indiepop-Band We Invented Paris gingen leer aus.

Wofür Manuel Gagneux, der Mann hinter Zeal & Ardor, das Preisgeld in Höhe von 15 000 Franken einsetzen wird, verriet er im bz-Porträt (6.11.): Seine Mitmusiker und Techniker für ihre Arbeit entlöhnen: Die Konzerttourneen waren nicht kostendeckend für das zehnköpfige Team.

Basel als lautstarkes Zentrum

An einem Punkt kann Zeal & Ardor aber bei allem Erfolg noch dazulernen: Wie man die eigene Anhängerschaft mobilisiert. Das gelang Schammasch am besten, der Band aus Liestal und Basel, die sich ebenfalls dem dunklen Metal verschrieben hat und beim Publikumsvoting der bz Basel deutlich obenausschwang: Schammasch erhielten fast die Hälfte aller Stimmen.

Ein grosser Triumph also für eine Spielart der Musik, die ein Nischendasein fristet. Dunkler Metal galt in der Region bislang als Liebhaberangelegenheit, und das, obschon mit dem Z7 der berühmteste Hardrockschuppen der Schweiz in Pratteln beheimatet ist.

Denkbar, dass diese neunte Pop-Preis-Verleihung im Jahr 2017 dereinst als Wendepunkt gelten wird: Basel als lautstarkes Zentrum für Nischenrock statt Indiepop.

Schammasch mit Golden Light

Schammasch mit Golden Light

    

Der heutige Pop-Preis-Abend steht also im Zeichen der harten Gitarren, der regionalen Metalszene, und zwar in all ihren Facetten. Denn auch der Anerkennungspreis geht erstmals an einen Vertreter der härteren Gangart: V.O. Pulver, 48 Jahre alt, in Gelterkinden zu Hause. 1985 gründete er mit Schulfreunden seine erste Band, Carrion, aus deren Erbmasse zwei Jahre später die Band Poltergeist hervorging.

Pulver entwickelte mit dieser Band charakteristische Gitarrenriffs und wurde zur grauen Eminenz der regionalen Metalszene. Auch, weil er mit seinem Tonstudio in Gelterkinden einen Ort schuf, wo er jüngeren Musikern seine Erfahrungen weitergeben konnte. Erfahrungen, die er in den 90er-Jahren mit der Crossover-Formation Gurd auch auf dem internationalen Parkett sammelte. Pulver – Gitarrist, Studiobetreiber, Familienvater –, blieb der Musik leidenschaftlich treu, auch wenn der ganz grosse Erfolg am Ende ausblieb. 22 Alben hat er bislang veröffentlicht.

Vor zwei Jahren sagte Pulver, ganz Fatalist, in einem Interview auf SRF3: «Im Notfall gehe ich als Roadie auf Tour». Soweit muss es heuer nicht mehr kommen: Der Anerkennungspreis, der an Musiker vergeben wird, die seit 25 Jahren kontinuierlich arbeiten, ist mit 5 000 Franken dotiert. Nach den Singer-Songwritern Roli Frei und Pink Pedrazzi sowie Rapper Black Tiger kommt erstmals ein harter Rocker in den Genuss dieser Auszeichnung, die von 40 FachjournalistInnen ermittelt wurde.

Business Support für Marlon McNeill

Last but not least wäre da auch noch der vierte Preis des gestrigen Abends im Atlantis zu erwähnen: Der Business Support. Er ist mit 12 000 Franken dotiert. Eine Fachjury entschied sich für das Label «A Tree in a Field Records». Marlon McNeill, Singer/Songwriter, hatte dieses 2003 aus Hilfe zur Selbsthilfe gegründet, als er seine erste CD unter dem Pseudonym Combineharvester herausbringen wollte. Doch längst hat McNeill sein Künstlerrepertoire erweitert. Zu den namhaftesten gehören mittlerweile zwei Zürcher Indierock-Acts: Verena von Horsten und, international gefragt, Fai Baba.

McNeill kommt nach 2012 und 2014 bereits zum dritten Mal in den Genuss dieser Auszeichnung. Die Häufung lässt sich damit erklären, dass er überzeugende Arbeit leistet - offenbart aber auch, dass es in der Region Basel noch immer an professionell auftretenden Agenturen und Labels mangelt.