Wahlen 2019

Triumph statt Zitterpartie: Der Rutsch nach links ist Realität

SP und Grünes Bündnis dominieren die Nationalratswahlen. Statt zur Zitterpartie gerät Arslans Wiederwahl zum Triumph.

#Linksrutsch. Nicht nur in den sozialen Medien schwimmt dieses Thema oben auf. Die Wahlen zeigen: Der Rutsch nach links ist Realität. Das Grüne Bündnis und die Sozialdemokraten gewinnen deutlich. Die Listenverbindung erzielt 52,4 Prozent, mehr als die Hälfte aller Stimmen. Die Basler SP spricht von einem Resultat mit historischem Ausmass: «Das ist das beste Ergebnis der Linken seit dem Zweiten Weltkrieg», sagt SP-Vizepräsident Beda Baumgartner.

Nachdem die SP in den Nationalratswahlen in den Jahren 2003, 2007 und 2011 an Wählerstimmen verlor, legte die Partei vor vier Jahren wieder deutlich zu. Sie erreichten 31,8 Prozent. Die Sozialdemokraten schaffen es in dieser Wahl, den Wähleranteil mit 31,2 Prozent auf hohem Niveau zu halten.

SP behält Wählerstärke, Grünes Bündnis legt zu

Während die SP also – entgegen dem nationalen Trend – nur kleine Einbussen verkraften muss, geht das Grüne Bündnis in Basel-Stadt als Gewinner hervor. Bei den Nationalratswahlen steigerte sich der Zusammenschluss aus Grünen und Basta von 10 auf 13,6 Prozent. Ein Glanzresultat: «Wir haben uns nicht verdreht – haben das gemacht, was wir schon immer für richtig gehalten haben», sagt Harald Friedl, Präsident der Basler Grünen. «Das wird jetzt belohnt. Das ist eine grosse Befriedigung.»

Gleichzeitig betont er auch, dass in dieser Wahl die gewonnenen Stimmen der Grünen nicht auf Kosten der Sozialdemokraten gingen, wie umgekehrt vor vier Jahren. «In Basel ist die Situation ausserordentlich: Die SP behält ihre Wählerstärke, das Grüne Bündnis legt massiv zu. Das gefällt mir extrem gut», so Friedl. Dazu kommt, dass die Mutterparteien von den guten Resultaten ihrer Unterlisten profitieren konnten.

Das Glanzresultat holte einmal mehr SP-Politiker Beat Jans. Er freue sich über die Wahl. Aber: «Ich freue mich fast mehr für Mustafa Atici als für mich selbst. Denn dies ist die grössere Überraschung, nach all den Jahren, in denen er auf dieses Amt hingearbeitet hat.» SP-Grossrat Atici wird als erster Nachrückender den Kanton Basel-Stadt in Bern vertreten. Er kandidierte bereits zum vierten Mal für das Amt. Nachdem es das letzte Mal knapp nicht gereicht hat, rückt er nun für Eva Herzog nach, die gleichzeitig die Wahl in den Stände- und Nationalrat schaffte.

«Den Entscheid musste ich mir nicht lange überlegen», sagt Herzog. Darum habe sie Atici den Blumenstrauss auch schon weitergegeben. Dieser nimmt minutenlang – umringt von Familie, Freunden und Parteikollegen – Gratulationen entgegen. Trotz den Schweisstropfen auf der Stirn ist ihm die Erleichterung über die geschaffte Wahl anzusehen. «Ich wusste, dass es auch dieses Mal knapp wird», sagt er. Er habe aber immer an seine Themen geglaubt. Atici: «Meine Wähler wissen das und haben es nun honoriert.»

Neben Jans hat auch Sibel Arslan vom Grünen Bündnis die Wiederwahl geschafft. Und zwar deutlicher als erwartet: Mit dem drittbesten Ergebnis zieht sie in den Nationalrat ein – noch vor LDP-Kandidat Christoph Eymann und GLP-Politikerin Katja Christ. «Ich bin erleichtert, dass ich mich jetzt wieder auf meine Arbeit im Nationalrat konzentrieren kann», sagt Arslan. In der Hand hält sie ein halbvolles Champagnerglas, die Sektflasche stand schon eine halbe Stunde vor der Verkündung des Schlussresultats bereit. Ihre und die Wahl von Christ bezeichnet Arslan als Zeichen: «Das ist eine Leistung der Frauen, die im Juni auf die Strasse gingen, aber auch der Jungen, die in der Stadt präsent sind.»

«Eine unglaubliche Delegation»

Während die Mutterparteien die Gewählten feiern, betrachten die Jungsozialisten die Ergebnisse nüchterner. «Es wäre falsch, zu sagen, die SP habe gewonnen und es gäbe einen totalen Linksrutsch. National und auch in Basel-Stadt haben wir Wähleranteile verloren», sagt Hannes Hui von der Juso. Parteikollegin Julia Baumgartner ergänzt: «Wichtig ist nun, dass die SP ihre Arbeit solide weiterführt.»

«Es ist eine unglaubliche Delegation, die Basel nach Bern schickt», fasst SP-Präsident Pascal Pfister zusammen. Das Gesamtergebnis sei für Rot-Grün sehr positiv. «Ich hoffe, es wird Auswirkungen haben auf die Politik in Bern.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1